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Swiss Observer

WHO-Mitglieder befürworten in Genf globale Initiative zu Klima und Gesundheit

Die Versammlung der Weltgesundheitsorganisation genehmigt trotz Widerstands einen umfassenden Plan zur Bewältigung der Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit

WHO-Mitglieder befürworten in Genf globale Initiative zu Klima und Gesundheit
AISWI swissinfo.ch

In einem wegweisenden Schritt, der von Genf bis in die entlegensten Winkel der Welt nachhallt, hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) offiziell eine umfassende Strategie zur Bekämpfung der gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels gutgeheissen. Das Endergebnis war überwältigend: 109 Stimmen dafür, keine dagegen und 19 Enthaltungen. Dies ist nicht einfach ein bürokratischer Stempel, sondern eine entscheidende Anerkennung der Tatsache, dass die Klimakrise im Kern eine Gesundheitskrise ist.

An der Weltgesundheitsversammlung herrschte dringliche Aufbruchstimmung. Trotz stundenlanger, zäher Debatten und Verfahrensverzögerungen schloss sich die internationale Gemeinschaft zusammen, um die Bemühungen der Branche gegen die Umweltzerstörung auszuweiten. Dieser Plan markiert einen entscheidenden Kurswechsel: Gesundheitsanliegen müssen stärker in die globalen Klimadiskussionen integriert werden. Der Plan ist zwar nicht verbindlich, doch das grosse Gewicht des Konsenses, abgesehen von einigen bemerkenswerten Enthaltungen, sendet ein starkes Signal. Genf hat sich einmal mehr als pulsierendes Zentrum der globalen Diplomatie erwiesen und einen Durchbruch ermöglicht, der verspricht, die Art und Weise neu zu gestalten, wie Staaten ihre Bevölkerung vor den zunehmenden Gefahren einer sich erwärmenden Welt schützen.

Geopolitische Spannungen bremsen den Fortschritt

Der Erfolg kam nicht ohne Weiteres. Der Sitzungssaal der Versammlung wurde zum Schauplatz diplomatischer Manöver, als eine Gruppe von Staaten versuchte, die Initiative zu Fall zu bringen. Unter der Führung Saudi-Arabiens und mit Unterstützung Russlands wurde ein Änderungsantrag eingereicht, der den gesamten Plan bis 2026 aufschieben sollte. Diese Verzögerungstaktik drohte sofortige Massnahmen gegen eine Krise zu lähmen, die rasches Handeln erfordert.

Die Spannung war spürbar, als die Gruppe der östlichen Mittelmeerstaaten den Antrag auf Aufschub formalisierte. Die Versammlung widersetzte sich jedoch entschieden. In einer deutlichen Zurückweisung der Opposition wurde der Änderungsantrag mit 86 zu 23 Stimmen bei 11 Enthaltungen abgelehnt. Moskau argumentierte, die Initiative sei «zu teuer und überflüssig», eine Haltung, die in starkem Gegensatz zur Mehrheitsmeinung stand. Dutzende Staaten entgegneten mit einer gemeinsamen Stimme: Es darf keine Verzögerungen geben. Die Ablehnung dieser Verzögerungstaktiken zeigt, dass die Mitgliedstaaten immer weniger bereit sind, politische oder wirtschaftliche Interessen über dringende gesundheitliche Erfordernisse zu stellen.

Finanzierung des Kampfes: Millionen stehen auf dem Spiel

Der Preis für Widerstandsfähigkeit ist beträchtlich, doch die Kosten des Nichtstuns lassen sich nicht beziffern. Der neu genehmigte Plan mobilisiert in den kommenden zweieinhalb Jahren beeindruckende 167 Millionen US-Dollar, rund 138 Millionen Franken. Diese Mittel sind nicht bloss für die Verwaltung bestimmt, sondern eine lebenswichtige Unterstützung für gefährdete Staaten, die mit den unmittelbaren Folgen des Klimawandels zu kämpfen haben.

Der Finanzierungsplan setzt auf Gerechtigkeit. Eine zentrale Säule der Initiative ist es, Entwicklungsländern einen soliden Zugang zu Klimafinanzierungen zu ermöglichen, damit sie ihre Gesundheitssysteme gegen extreme Wetterereignisse und sich verändernde Krankheitsmuster wappnen können. Während Kritiker in Moskau über die Kosten klagten, argumentieren die Befürworter, dass eine Beschleunigung dieser Initiativen eine Investition in die globale Stabilität sei. Mit der Sicherung dieser Mittel versucht die WHO, die Lücke zwischen hochrangiger Politik und der Realität vor Ort zu schliessen und sicherzustellen, dass die ärmsten Staaten der Klimakatastrophe nicht allein gegenüberstehen.

Die Frontlinien der globalen Gesundheit umweltfreundlicher gestalten

Der Plan geht über die Finanzierung hinaus: Er verlangt eine konkrete Umgestaltung des Gesundheitssektors. In einer weitreichenden Vorgabe fordert die Initiative, dass Zehntausende Gesundheitszentren weltweit auf erneuerbare und nachhaltige Energiequellen umsteigen. Spitäler und Kliniken, die oft erheblich zu den CO₂-Emissionen beitragen, sollen nun Teil der Lösung werden, statt Teil des Problems zu bleiben.

Darüber hinaus will die Strategie die Abschottung zwischen Gesundheitsfachleuten und den Branchen aufbrechen, die die Luftverschmutzung vorantreiben. Indem die WHO diese Bereiche zusammenführt, will sie die Ursachen umweltbedingter Gesundheitsrisiken angehen. Für die Schweiz, ein Zentrum sowohl für pharmazeutische Innovation als auch für internationale Diplomatie, bietet dieser Wandel eine besondere Chance, mit gutem Beispiel voranzugehen. Bei der Umsetzung des Plans ist die Erwartung klar: Gesundheitsfragen dürfen in Klimadiskussionen nicht länger nur eine Randnotiz sein, sondern müssen ein zentraler Antrieb der nationalen und internationalen Politik werden.