WEF
WEF Davos steht wegen des Anstiegs der Privatjetflüge in der Kritik
Während sich führende Politiker wie der französische Präsident Emmanuel Macron und US-Präsident Donald Trump auf das Treffen in Davos vorbereiten, weist ein neuer Greenpeace-Bericht auf einen Anstieg der Privatjetflüge zum Forum um 10 Prozent hin. Die Ergebnisse sorgen für Kontroversen über die ökologische Doppelmoral der Eliten, die an einem Gipfel teilnehmen, der sich mit globalen Problemen wie dem Klimawandel befasst.

Während die globale Elite in den Schweizer Bergen zusammenkommt, um über die drängendsten Krisen der Welt zu debattieren, legt ein drastischer Anstieg des Privatjetverkehrs um 10 Prozent einen eklatanten Widerspruch im Zentrum des Weltwirtschaftsforums offen. Während die offizielle Agenda den Klimaschutz priorisiert, erzählen die Lüfte über Davos eine andere Geschichte. Ein vernichtender neuer Bericht von Greenpeace zeigt, dass ausgerechnet jene Führungspersönlichkeiten, die versprechen, den Planeten zu retten, auf die klimaschädlichste Weise anreisen.
Das ist nicht bloss ein kleines Versehen, sondern eine unverhohlene Zurschaustellung von «Luxus-Emissionen», die die Glaubwürdigkeit des Forums zu untergraben droht, noch bevor die Eröffnungsglocke ertönt. Greenpeace-Sprecherin Lena Donat nahm kein Blatt vor den Mund und warf den Reichen und Mächtigen vor, «die Klimakrise anzuheizen», während sie leicht verfügbare klimafreundliche Alternativen ignorierten. Während sich der französische Präsident Emmanuel Macron und US-Präsident Donald Trump auf ihre Auftritte vorbereiten, bildet das Dröhnen der Triebwerke auf nahe gelegenen Flugplätzen einen ohrenbetäubenden Kontrapunkt zu ihrer Rhetorik. Das Bild ist verheerend: Ein Gipfel, der sich der Lösung globaler Probleme widmet, trägt aktiv zur grössten Bedrohung unserer Zeit bei.
Die Zahlen: eine Spur ökologischer Zerstörung
Die Zahlen sind eindeutig und alarmierend. Allein während der Forumswoche 2025 durchquerten 709 Privatflüge den Alpenhimmel, deutlich mehr als die 628 Flüge im Jahr 2024 und die 227 im Jahr 2023. Dabei handelt es sich nicht um notwendige Transatlantikflüge. Die Daten weisen auf einen besorgniserregenden Trend hin, bei dem Bequemlichkeit Vorrang vor Verantwortungsbewusstsein hat. Dem Bericht zufolge hätten fast 70 Prozent dieser Reisen innerhalb eines einzigen Tages mit dem Zug zurückgelegt werden können, doch die Superreichen entschieden sich für das Flugzeug.
Privatjets sind nicht bloss ein Symbol des Reichtums, sondern ökologische Abrissbirnen: Sie stossen zehnmal mehr Treibhausgase aus als Linienflüge und sage und schreibe 50-mal mehr als Züge. Die schlimmsten Verursacher? Unsere Nachbarn. Frankreich stand mit 20 Prozent der Flüge an der Spitze der Abflugorte, dicht gefolgt von Grossbritannien und Deutschland. «Viele superreiche Menschen scheinen völlig gleichgültig gegenüber der Tatsache zu sein, dass ihr Lebensstil eine Spur ökologischer Zerstörung hinterlässt», sagte Donat. Dieser Anstieg luxuriöser Kurzstreckenreisen deutet darauf hin, dass für die Davoser Elite Zeit die einzige Ressource ist, die zählt, auf Kosten des Planeten, den sie angeblich schützen will.
Geopolitische Schwergewichte kommen nach Davos
Das geopolitische Schauspiel erreicht diese Woche einen neuen Höhepunkt, wenn US-Präsident Donald Trump und der französische Präsident Emmanuel Macron in die Bündner Berge kommen. Ihre Ankunft markiert einen entscheidenden Moment für das Forum, doch die Erwartungen werden von der Realität gedämpft. Der WEF-Ko-Präsident André Hoffmann, Erbe des Roche-Pharmakonzerns, äusserte sich pragmatisch zu Trumps Teilnahme. Obwohl er den US-Präsidenten zuvor als «korrupten alten Mann» bezeichnet hatte, betont Hoffmann nun, dass «unterschiedliche Stimmen gehört werden müssen», um einen echten Dialog zu fördern.
Hoffmann rechnet jedoch nicht mit einem Durchbruch und sagte unverblümt: «Ich erwarte keine Wunder.» Die Spannung ist spürbar. Macron reist mit einer Delegation von Start-ups an, um die G7-Agenda und die europäische Handelsmacht voranzutreiben, während Trumps Rede am Mittwoch den Status quo auf den Kopf zu stellen droht. Das Forum hat sich ausdrücklich geweigert, sein Programm für den amerikanischen Präsidenten zu ändern. Damit signalisiert es: Das WEF heisst Macht willkommen, wird sich ihr aber nicht unterwerfen. Während sich diese Schwergewichte auf ihre Auftritte vorbereiten, wartet die Welt darauf, zu sehen, ob der Dialog Substanz hervorbringt oder der ohnehin schon wärmer werdenden Atmosphäre bloss noch mehr heisse Luft zuführt.
Die Schweizer Infrastruktur stellt sich auf die Belastung ein
Für die Schweiz ist die Ankunft des «Davos Man» ein logistischer Stresstest der höchsten Kategorie. Der Flughafen Zürich stellt sich auf ein Chaos ein und rechnet während der WEF-Woche mit rund 1000 zusätzlichen Flügen. Dieser Engpass im Luftverkehr wirkt sich auf die Schweizer Infrastruktur aus und verlangt einem System, das bereits an seiner Kapazitätsgrenze arbeitet, Präzision und Geduld ab.
Das WEF bringt zwar Prestige und wirtschaftliche Aktivität, doch die Belastung der lokalen Ressourcen ist unbestreitbar. Die Umwelt- und Betriebskosten tragen das Gastgeberland, während 3000 Teilnehmende den kleinen Ferienort bevölkern. Der Anstieg des Privatflugverkehrs um 10 Prozent ist nicht bloss eine Zahl in einem Greenpeace-Bericht, sondern bedeutet in den Schweizer Kantonen ganz konkret Lärm, Verkehrsüberlastung und Emissionen. Während das Forum über die Zukunft der Weltwirtschaft debattiert, muss die Schweiz den unmittelbaren ökologischen Fussabdruck ihrer Gäste bewältigen. Die Botschaft vor Ort ist klar: Die Weltelite ist willkommen, doch die Art ihrer Anreise ist es zunehmend weniger.