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WEF leitet unabhängige Untersuchung zu Beziehungen des CEO zu Jeffrey Epstein ein
Das Weltwirtschaftsforum hat eine unabhängige Untersuchung gegen seinen CEO Borge Brende eingeleitet, um dessen frühere Begegnungen und Kommunikation mit dem verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein zu klären. Damit unterstreicht es sein Bekenntnis zur Transparenz.

Das Weltwirtschaftsforum steht vor einer schweren Reputationskrise: Es hat eine unabhängige Untersuchung gegen seinen eigenen CEO Borge Brende eingeleitet. Dieser entscheidende Schritt unterstreicht den verzweifelten Versuch, die Integrität in den Hallen von Davos zu bewahren. Die Untersuchung konzentriert sich ausdrücklich auf Brendes frühere Begegnungen mit dem in Ungnade gefallenen Finanzier und Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Diese Verbindung hat nun den Unternehmensmantel einer der mächtigsten Organisationen der Welt durchdrungen.
In einer deutlichen Erklärung bezeichnete das WEF die Untersuchung als zentral für sein «Bekenntnis zur Transparenz». Dabei handelt es sich nicht bloss um eine routinemässige Prüfung, sondern um eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Mit der Einleitung der Untersuchung im Februar 2026 versucht die Organisation, einer Entwicklung zuvorzukommen, die weltweit bereits mächtige Persönlichkeiten zu Fall gebracht hat. Für die in der Schweiz ansässige Stiftung, die bei der Zusammenführung globaler Führungskräfte ganz auf ihr Ansehen angewiesen ist, steht enorm viel auf dem Spiel. Da die Führung nun im Rampenlicht steht, signalisiert das WEF, dass niemand, auch nicht sein CEO, von einer Überprüfung ausgenommen ist.
Abendessen und digitale Spuren
Die Vorwürfe sind konkret und schwerwiegend. Berichten zufolge nahm Brende an mindestens drei Abendessen teil, bei denen Jeffrey Epstein anwesend war. Damit wird die Darstellung einer bloss flüchtigen Bekanntschaft infrage gestellt. Neben diesen persönlichen Treffen hat die Untersuchung auch eine Spur digitaler Korrespondenz zutage gefördert, darunter E-Mails und Textnachrichten zwischen den beiden Männern. Dieses Ausmass an Kontakt deutet auf ein Verhältnis hin, das die unabhängige Untersuchung nun mit forensischer Genauigkeit analysieren muss.
Die italienische Nachrichtenagentur Ansa machte diese Details zuerst öffentlich, doch ihre Bedeutung reicht weit über Italien hinaus. In der Welt exklusiver Netzwerke, in der viel auf dem Spiel steht, bedeuten drei Abendessen einen erheblichen Einsatz an Zeit und Zugang. Die direkte Kommunikation wirft unangenehme Fragen zur Art ihrer Beziehung auf. Das WEF muss nun feststellen, ob es sich bei den Kontakten ausschliesslich um geschäftliche Treffen handelte oder ob sie die ethische Integrität seines derzeitigen Leiters beeinträchtigten. Die Fakten sind unbestreitbar, und die Untersuchung muss nun den von der Öffentlichkeit geforderten Kontext liefern.
Die Verteidigung des CEO: Unwissenheit und Bedauern
Borge Brende stellt sich den Vorwürfen direkt, doch seine Verteidigung stützt sich wesentlich darauf, dass er damals nichts gewusst habe. Der CEO räumt ein, Epstein bei Geschäftstreffen gesehen zu haben, beteuert jedoch, zu diesem Zeitpunkt keinerlei Kenntnis von den kriminellen Aktivitäten des Financiers gehabt zu haben. In einem offenen Eingeständnis sagte Brende, er «bedauere, dies nicht getan zu haben», gemeint war eine gründliche Überprüfung von Epsteins Hintergrund. Dieses Versäumnis bei der gebotenen Sorgfalt gefährdet nun sein Vermächtnis.
Trotz der Tragweite der Untersuchung bleibt Brende im Amt. Er nimmt seine Aufgaben als WEF-Präsident und CEO weiterhin wahr und arbeitet umfassend mit der Untersuchung zusammen. Dadurch entsteht innerhalb der Organisation eine angespannte Situation: Ein Leiter steuert das Schiff und verteidigt gleichzeitig seinen Anspruch, am Ruder zu bleiben. Seine Verteidigung beruht auf der Unterscheidung zwischen beruflicher Nachlässigkeit und persönlicher Mitschuld. In einer Zeit, in der umfassende Rechenschaft verlangt wird, ist die Ausrede, «nichts gewusst» zu haben, jedoch ein brüchiger Schutz. Das Ergebnis der Untersuchung wird zeigen, ob Bedauern ausreicht, um seine Amtszeit zu retten.
Eine sich verschärfende Krise für das WEF
Diese Untersuchung findet nicht im luftleeren Raum statt. Sie fällt in eine turbulente Phase der Geschichte des WEF. Nach der «chaotischen Nachfolge» des Gründers Klaus Schwab im Mai 2025 und früheren Vorwürfen einer toxischen Arbeitsplatzkultur ist das Image der Organisation bereits angeschlagen. Die Enthüllung, dass ein CEO Verbindungen zu Epstein hatte, verschärft eine bestehende existenzielle Krise. Das WEF kämpft an zwei Fronten: um interne Stabilität und um seine Glaubwürdigkeit nach aussen.
Für die Schweiz als Gastgeberland ist die Integrität des WEF eine Frage des nationalen Ansehens. Das Forum ist ein Aushängeschild der Schweizer internationalen Diplomatie, und wiederholte Skandale drohen, seinen Glanz zu trüben. Sollte die Untersuchung engere Verbindungen oder Nachlässigkeit aufdecken, könnten die Folgen eine grundlegende Neuordnung der Organisationsführung erzwingen. Während die Untersuchung voranschreitet, beobachtet die Welt, ob es der Institution, die den Zustand der Welt verbessern will, gelingt, zuerst im eigenen Haus aufzuräumen.