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Swiss Observer

Abwasseranalysen zeigen zunehmenden Ketaminkonsum in der Schweiz

Neue Daten aus Abwasseranalysen der Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz (Eawag) deuten auf einen deutlichen Anstieg des Ketaminkonsums in der Schweiz hin. Die Ergebnisse weisen auf ein wachsendes Problem für die öffentliche Gesundheit und auf einen Wandel beim Substanzkonsum hin.

Abwasseranalysen zeigen zunehmenden Ketaminkonsum in der Schweiz
AILe News

Das Schweizer Abwasser schlägt laut Alarm: Der Ketaminkonsum schiesst in die Höhe. Neue Daten, die das Substanzmonitoring-Portal Dromedario für die erste Hälfte des Jahres 2025 veröffentlicht hat, zeigen einen enormen Anstieg der Spuren des dissoziativen Narkosemittels, die durch die Schweizer Kläranlagen fliessen. Das ist keine geringfügige Veränderung, sondern ein deutlicher, unbestreitbarer Anstieg, der sofortige Aufmerksamkeit im Bereich der öffentlichen Gesundheit erfordert. An der Spitze dieses besorgniserregenden Trends steht Zürich. Die Konzentrationen im Abwasser der Stadt liegen deutlich über dem Durchschnitt der zehn anderen getesteten Schweizer Standorte und bestätigen damit ihren Status als Epizentrum dieses Anstiegs. Die Eidgenössische Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz (Eawag) kann zwar keine einzelnen Konsumierenden ausmachen, doch die aggregierten Daten liefern eine unverblümte Momentaufnahme der Realität. Die Grundannahme ist einfach, aber wissenschaftlich fundiert: Was durch unsere Kläranlagen fliesst, zeigt, was wir konsumieren. Und derzeit ist die Realität, dass Ketamin in nie dagewesenen Mengen ins Abwassersystem gelangt.

Jenseits des Rauschs: Die operative Realität der «Ketaminblase»

Das Feiern hat einen verheerenden Preis. Die steigende Beliebtheit der Droge, die im Clubmilieu als «K» oder «Ket» bekannt ist, verbirgt gravierende körperliche Folgen. Häufiger Konsum wird inzwischen direkt mit schweren kognitiven Beeinträchtigungen und Abhängigkeit in Verbindung gebracht, doch die körperlichen Schäden sind noch unmittelbarer. Medizinisches Fachpersonal sieht sich mit einer Erkrankung konfrontiert, die als «Ketaminblase» bekannt ist: eine schwere Schädigung der Blasenschleimhaut, die starke Schmerzen und Inkontinenz verursacht. In schweren Fällen sind die Schäden irreversibel, sodass ein grosser operativer Eingriff nötig ist, bei dem die Blase vollständig entfernt wird. Dies ist nicht bloss eine Freizeitgewohnheit, sondern eine sich anbahnende Krise für die öffentliche Gesundheit. Mit dem steigenden Konsum muss sich das Schweizer Gesundheitssystem auf die langfristigen Folgen einstellen, die eine Generation treffen, die mit den körperlichen Auswirkungen dieses starken Narkosemittels zu kämpfen hat.

Wandelnde Konsumgewohnheiten: Crack nimmt zu, Cannabis geht zurück

Während Ketamin für Schlagzeilen sorgt, zeigen die Abwasserdaten ein wechselhaftes Bild bei anderen Substanzen. Crack-Kokain fasst in der Schweizer Gesellschaft zunehmend Fuss. Forschende, die AEME überwachen, einen chemischen Marker, der beim Rauchen von Crack entsteht, haben für 2025 deutliche Anstiege festgestellt. Die Brennpunkte sind klar: In Zürich und Chur sind die Werte stark gestiegen, was darauf hindeutet, dass sich die Crack-Epidemie in den Städten verschärft. Im deutlichen Gegensatz dazu verlieren traditionelle Substanzen an Bedeutung. Methamphetamin, allgemein als Crystal Meth bekannt, ist seit Beginn der Überwachung im Jahr 2021 landesweit leicht zurückgegangen. Auch Cannabis scheint rückläufig zu sein. Die Konzentrationen von THC-COOH, einem Abbauprodukt, das im Urin nachgewiesen werden kann, waren in den ersten beiden Quartalen 2025 niedriger als in den Vorjahren. Der Drogenmarkt ist nicht statisch, sondern entwickelt sich rasch weiter: Härtere und schädlichere Stimulanzien verdrängen etablierte Konsumgewohnheiten.

Der Wochenendeffekt: Freizeitkonsum entschlüsseln

Auch der Zeitpunkt dieser Spitzenwerte erzählt eine eigene Geschichte. Die Daten zeigen einen ausgeprägten «Wochenendeffekt»: Die Werte für Ketamin und Crack-Kokain steigen samstags und sonntags stark an. Dieser deutliche Unterschied zwischen den Konzentrationen an Wochentagen und am Wochenende legt nahe, dass der Freizeitkonsum der Hauptgrund für diese Werte ist. Die Analyse kann zwar nicht genau zwischen medizinischer Verabreichung und illegalem Konsum unterscheiden, doch die Spitzenwerte am Wochenende lassen wenig Zweifel: So klingt die Schweiz beim Feiern. Wenn die Grundwerte jedoch steigen, verschwimmt die Grenze zwischen Freizeitkonsum am Wochenende und täglicher Abhängigkeit. Die Abwasserüberwachung der Eawag ist ein wichtiger Gradmesser für diese sich wandelnden Gewohnheiten. Die Entwicklung ist eindeutig und alarmierend: Die Schweiz bewegt sich auf stärkere und gefährlichere Substanzen zu, und die Belege dafür fliessen direkt unter unseren Füssen vorbei.