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Swiss Observer

Veronica Fusaro vertritt die Schweiz mit «Alice» am Eurovision Song Contest 2026

Die Berner Sängerin Veronica Fusaro wird die Schweiz am Eurovision Song Contest 2026 in Wien vertreten. Sie wird «Alice» performen, einen Alternative-Pop-Track über psychische Gewalt.

Veronica Fusaro vertritt die Schweiz mit «Alice» am Eurovision Song Contest 2026
AISWI swissinfo.ch

Die Schweiz setzt beim Eurovision Song Contest 2026 auf grosse Gefühle und raue Alternative-Klänge. Die Berner Sängerin Veronica Fusaro wurde offiziell ausgewählt, die Nation in Wien zu vertreten. Ihre Aufgabe ist es, eine Darbietung zu liefern, die über den üblichen Pop-Glamour des Wettbewerbs hinausgeht. Sie wird «Alice» performen, einen dynamischen Alternative-Pop-Track mit Rockeinflüssen, der am 14. Mai im zweiten Halbfinale erstmals zu hören sein wird.

Die Auswahl markiert eine entschiedene Hinwendung zu Substanz und erzählerischer Tiefe bei der Schweizer Delegation. Nach der Rückkehr des Wettbewerbs ins deutschsprachige Europa, ermöglicht durch den Sieg des österreichischen Sängers JJ in Basel 2025, steht die Schweiz unter Druck, ihren Ruf für hochwertige musikalische Exporte zu wahren. Fusaro nimmt nicht einfach nur teil. Sie tritt mit einem Track an, der sich im Stimmengewirr Gehör verschaffen soll. Die heute vom Schweizer Radio RSI veröffentlichte Mitteilung bestätigt, dass die Schweiz mit einem Song, der Aufmerksamkeit verlangt, um einen Platz im Grand Final kämpfen will.

Das Märchen zertrümmern: Eine düstere Erzählung

Das ist kein Wunderland. «Alice» stellt sich der erschütternden Realität psychischer Gewalt und entlarvt die Fassade der Zuneigung, hinter der sich oft Missbrauch verbirgt. Das Lied greift ein wichtiges gesellschaftliches Thema auf und legt die Metaphern ab, um eine harte Wahrheit zu zeigen: eine Realität, in der Grenzüberschreitungen so dargestellt werden, als wären sie Liebe. Der Text beschreibt eine Protagonistin, die zum Schweigen gebracht und ihrer Selbstbestimmung beraubt wurde.

«Das Lied handelt von einer Frau namens Alice ... aber sie sagt kein einziges Wort. Die Person vor ihr macht sie vollständig zum Objekt», erklärt Fusaro. Für den Eurovision Song Contest, der oft mit Camp und Spektakel verbunden wird, ist dies eine mutige thematische Entscheidung. Indem Fusaro das Zum-Schweigen-Bringen von Frauen und die heimtückische Art nicht körperlicher Gewalt thematisiert, bringt sie ein schweres, notwendiges Gespräch vor ein Millionenpublikum. Der Track dürfte im Wettbewerb ein emotionaler Anker sein und sich deutlich von den leichteren Beiträgen anderer Länder abheben.

Im Wettkampf erprobt: Eine Veteranin mit 600 Bühnenauftritten

Fusaro kommt mit sage und schreibe 600 Konzerten auf dem Buckel in die Eurovision-Arena. Während viele Teilnehmende dem Druck des riesigen Eurovision-Publikums nicht standhalten, ist Fusaro eine live erprobte Künstlerin. Seit sie 2016 zum SRF 3 Best Talent gekürt wurde, tourt sie unermüdlich durch die Schweiz und die Welt und hat sich auf einigen der renommiertesten Bühnen der Welt bewährt.

Ihr Lebenslauf liest sich wie die Wunschliste eines Musikers: Auftritte am legendären Glastonbury Festival, am Montreux Jazz Festival und am Gurtenfestival. Sie hat sogar als Vorband von Rock-Ikone Mark Knopfler im Amphitheater von Nîmes überzeugt. Diese umfangreiche Erfahrung ist ein wichtiger Vorteil. In einem Wettbewerb, in dem Stimmstabilität und Bühnenpräsenz über Erfolg oder Misserfolg entscheiden können, deutet Fusaros bisherige Laufbahn auf eine technisch makellose Darbietung hin. Die Schweiz schickt eine erfahrene Profi-Musikerin, die genau weiss, wie sie ein Publikum für sich gewinnt.

Die Strategie für Wien: Britische Produktion trifft auf Schweizer Seele

Damit «Alice» weltweit Anklang findet, entstand der Track in Zusammenarbeit mit dem preisgekrönten britischen Produzenten Charlie McClean. Diese Partnerschaft ist ein strategischer Schritt, um Fusaros authentische Schweizer Kunst mit Produktionsstandards von Weltklasse zu verbinden. McCleans Mitwirkung sorgt dafür, dass der Track den klanglichen Feinschliff besitzt, der nötig ist, um es mit den Schwergewichten der europäischen Musikindustrie aufzunehmen.

Mit dem Beginn des Countdowns bis zum 14. Mai steht viel auf dem Spiel. Die Ergebnisse der Schweiz waren in den vergangenen Jahren eine Achterbahnfahrt, geprägt von «bunten Erfolgen und Misserfolgen». Doch die Kombination aus einer erfahrenen Live-Künstlerin, einer gesellschaftlich relevanten Hymne und einer erstklassigen Produktion macht Fusaro zu einer ernst zu nehmenden Kandidatin. Wien wartet. Und wenn Fusaros bisherige Laufbahn ein Hinweis ist, fährt sie nicht einfach hin, um teilzunehmen, sondern um gehört zu werden.