Wirtschaft
US-Finanzministerium setzt die Schweiz auf die Beobachtungsliste für Wirtschaftsfragen
Die Schweiz wurde wegen wachsender Bedenken zu Handelsüberschüssen zusammen mit acht weiteren Ländern auf die Beobachtungsliste des US-Finanzministeriums für Währungs- und Wirtschaftsfragen gesetzt.

Washington hat Bern offiziell ins Visier genommen. In einem entscheidenden Schritt, der in den Hallen der globalen Finanzwelt nachhallt, hat das US-Finanzministerium die Schweiz wieder auf seine wichtige «Beobachtungsliste» für Währungs- und Wirtschaftsfragen gesetzt. Dabei handelt es sich nicht bloss um eine bürokratische Aktualisierung, sondern um ein klares Signal, dass die Wirtschaftsmacht USA die Finanzströme des Alpenlandes genau prüft. Die Schweiz steht mit dieser Aufmerksamkeit nicht allein da: Zusammen mit Irland ist sie neu auf einer Liste von neun grossen Volkswirtschaften, die nun unter intensiver Beobachtung der USA stehen.
Die Entscheidung stellt die Schweiz neben globale Schwergewichte wie China, Japan und Deutschland und markiert eine deutliche Verschiebung des diplomatischen wirtschaftlichen Drucks. Nach eigenen Angaben will das US-Finanzministerium unfaire Währungspraktiken bekämpfen, die amerikanischen Arbeitnehmenden schaden. Die Aufnahme der Schweiz signalisiert jedoch wachsende Spannungen. Die US-Regierung überwacht ihre Partner mit Nachdruck, und für die Schweiz, die stolz auf ihre finanzielle Autonomie ist, erfordert diese erneute Prüfung sofortige Aufmerksamkeit. Die Botschaft aus Washington ist unmissverständlich: Wir beobachten eure Geldströme.
Der stark wachsende Überschuss
Im Zentrum dieser diplomatischen Spannungen steht ein beträchtliches Handelsungleichgewicht. Der Bericht des US-Finanzministeriums nennt den stark wachsenden Handelsüberschuss der Schweiz ausdrücklich als Hauptgrund für die Entscheidung. Im vergangenen Jahr nahmen die Schweizer Exporte in die USA zu, wodurch sich die Lücke zwischen den Schweizer Verkäufen in die USA und den Schweizer Käufen aus den USA vergrösserte. Das ist keine geringfügige statistische Schwankung, sondern eine strukturelle wirtschaftliche Realität, die Washington als problematisch einstuft.
Die Schweiz gehört nun zu einer Gruppe komplexer exportorientierter Volkswirtschaften. Neben asiatischen Tigerstaaten wie Korea, Taiwan, Singapur und Vietnam wird die Schweizer Wirtschaft wegen ihres grossen Erfolgs beim Vordringen auf den amerikanischen Markt besonders beobachtet. Ein Handelsüberschuss wird im Inland oft als Zeichen industrieller Stärke gefeiert, angetrieben von der Pharmaindustrie, dem Maschinenbau und Luxusgütern. Jenseits des Atlantiks gilt er jedoch als mögliche Verzerrung. Die Daten sind eindeutig: Das Geld fliesst in eine Richtung, und Washingtons Geduld mit diesem Ungleichgewicht schwindet.
Manipulation oder Marktrealität?
Trotz der Prüfung ist die Schweiz dem schlimmsten Szenario entgangen. Anders als in den angespannten Tagen im Dezember 2020 hat das US-Finanzministerium darauf verzichtet, die Schweiz als «Währungsmanipulatorin» zu bezeichnen. Der Bericht kommt zum Schluss, dass im vergangenen Jahr kein wichtiger Handelspartner der USA, einschliesslich der Schweiz, seinen Wechselkurs manipuliert hat, um sich einen unfairen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Das ist ein wichtiger Erfolg für Bern, denn damit wird eine legitime Geldpolitik von Vorwürfen wirtschaftlichen Betrugs abgegrenzt.
Die Grenze ist jedoch hauchdünn. Die USA bleiben wachsam gegenüber Eingriffen von Zentralbanken, die eine Währung künstlich schwächen, um die Exporte anzukurbeln. Das aktuelle Urteil entlastet die Schweiz zwar von bösen Absichten, doch der Status auf der «Beobachtungsliste» bleibt eine anhaltende Warnung. Das US-Finanzministerium erklärt damit faktisch, dass es zwar heute keine Hinweise auf Manipulation sieht, die Kennzahlen aber nahe genug an der Grenze liegen, um eine ständige Überwachung zu rechtfertigen. Die Schweiz steht weiterhin unter Bewährung und muss den schmalen Grat zwischen der Wahrung der Preisstabilität im Inland und dem Entgegenkommen gegenüber den Aufsichtsbehörden in Washington meistern.
Bern schlägt zurück
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) nimmt diese Prüfung nicht einfach hin. In einer klaren und umgehenden Reaktion hat die SNB entschieden zurückgewiesen, dass sie den Schweizer Franken aus kommerziellen Gründen manipuliere. Diese Haltung ist typisch für die Schweizerische Nationalbank. Sie betont seit Langem, dass ihre Eingriffe am Devisenmarkt strikt notwendig seien, um angemessene monetäre Bedingungen für die Schweizer Wirtschaft sicherzustellen, und nicht dazu dienten, sich einen Vorsprung gegenüber Konkurrenten im Welthandel zu verschaffen.
Die SNB steht vor einer besonderen Herausforderung: Der Franken ist eine globale «sichere Anlage», zu der Anlegerinnen und Anleger in Krisenzeiten strömen. Dadurch steigt sein Wert, was den Schweizer Exporteuren schadet. Die SNB vertritt den Standpunkt, dass sie zur Stabilisierung eingreift und nicht, um zu betrügen. Während die Schweiz mit dem erneuten Druck aus den USA ringt, steht die Unabhängigkeit der Zentralbank auf dem Spiel. Die Spannungen zwischen den geldpolitischen Bedürfnissen im Inland und dem internationalen diplomatischen Druck nehmen zu. Bern hat klargemacht: Die wirtschaftliche Stabilität des Landes wird nicht aufs Spiel gesetzt, um Washingtons Handelsbilanz zufriedenzustellen.