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Swiss Observer

US-Zölle bedrohen 20'000 Schweizer Arbeitsplätze

Ein UBS-Ökonom warnt, dass US-Zölle von 39 Prozent in der Schweiz bis zu 20'000 Arbeitsplätze kosten könnten. Die Auswirkungen unterscheiden sich je nach Branche, während Unternehmen mit komplexen Vorschriften zu kämpfen haben.

US-Zölle bedrohen 20'000 Schweizer Arbeitsplätze
AISWI swissinfo.ch

Unglaubliche 20'000 Schweizer Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel, während die Vereinigten Staaten ein hartes Zollregime von 39 Prozent durchsetzen. Das ist keine Übung, sondern ein direkter Angriff auf die Stabilität der Schweizer Arbeitskräfte. Der UBS-Ökonom Thomas Veraguth hat Alarm geschlagen und erklärt, dass die Folgen im schlimmsten Fall schwerwiegend und beispiellos sein werden. Die Schweiz hat zwar schon früher internationale Konflikte überstanden, doch Veraguth betont, dass die aktuellen Zahlen alles übertreffen, was man in früheren Handelskonflikten erlebt hat. Das enorme Ausmass dieser Zölle droht, jahrelange industrielle Stabilität zunichtezumachen. Wir erleben einen kritischen Moment, in dem die Unsicherheit nicht bloss ein vager wirtschaftlicher Begriff, sondern eine konkrete Bedrohung für den Lebensunterhalt Tausender Menschen ist. Die Schockwellen sind bereits spürbar, und die Botschaft ist klar: Die Ära der unbeschwerten Handelsbeziehungen mit den USA ist vorbei, und den Preis für diesen diplomatischen Bruch werden Schweizer Arbeitsplätze bezahlen.

Orientierung im regulatorischen Minenfeld

Die regulatorischen Rahmenbedingungen haben sich in ein Labyrinth aus Verwirrung und Komplexität verwandelt. Unternehmen im ganzen Land kämpfen mit einem chaotischen Mix von Zöllen, die nicht nur für Endprodukte gelten, sondern unvorhersehbar auch für einzelne Komponenten. Es handelt sich nicht um eine pauschale Regelung, sondern um eine gezielte Störung, deren Auswirkungen von Unternehmen zu Unternehmen stark variieren. Veraguth merkt an, dass selbst US-amerikanische Geschäftspartner wegen der verworrenen Ausnahmen und Regeln von Zweifeln geplagt werden. In diesem dynamischen und volatilen Umfeld müssen sich Schweizer Unternehmen ohne klare Orientierung zurechtfinden. Für einige ist die Unsicherheit lähmend, während andere versuchen, das Kleingedruckte zu entschlüsseln, bevor ihre Margen zunichtegemacht werden. Die Komplexität dieser Vorschriften wirkt wie ein zusätzlicher Zoll und stellt eine grosse administrative Belastung für Schweizer Exporteure dar, die für Präzision und Effizienz bekannt sind. Die Spielregeln haben sich geändert und sind kaum noch zu durchschauen.

Kapitalabfluss und Folgewirkungen

Während unmittelbare Konkursanmeldungen weiterhin selten sind, zeichnet sich ein heimtückischerer Trend ab: der Kapitalabfluss. Unternehmen warten nicht einfach darauf, dass das Unheil über sie hereinbricht, sondern planen aktiv einen Wegzug. Veraguth warnt, dass Firmen bereits darüber sprechen, ihre Investitionen an Schweizer Produktionsstandorten zu begrenzen. Die Strategie verlagert sich stark darauf, Ressourcen direkt in die USA umzuschichten, um die Zollschranke zu umgehen. Dies droht, die Schweizer Industriebasis von innen auszuhöhlen. Mittelfristig drohen gefährliche Folgeeffekte, die über den direkten Verlust von Arbeitsplätzen hinausgehen, insbesondere ein Rückgang wichtiger inländischer Investitionen, die Innovation vorantreiben. Obwohl die Schweizer Wirtschaft diversifiziert ist und derzeit eine Rezession vermeidet, wäre Selbstzufriedenheit gefährlich. Wir müssen äusserst wachsam bleiben. Die Schweiz mag die 20. grösste Volkswirtschaft der Welt sein, doch in einem Handelskrieg dieses Ausmasses zählt die Grösse weniger als die Anpassungsfähigkeit. Das Risiko eines längerfristigen Investitionsstopps ist real und unmittelbar.

Die grosse Wende nach Osten

Die geopolitischen Kräfteverhältnisse verschieben sich, und die Schweiz muss sich anpassen oder untergehen. Während sich der US-Markt zunehmend abschottet und Europa, insbesondere Frankreich, unter der Schuldenlast leidet, geraten die traditionellen Säulen des Schweizer Handels ins Wanken. Veraguth hält unmissverständlich fest: Das Herz der Welt bewegt sich in Richtung Russland, China, Indien und Naher Osten. Das Wachstumszentrum hat sich verlagert. Die USA waren historisch ein kulturell kompatibler Partner für Schweizer Unternehmen, doch diese Tür schliesst sich. China steigt in Hightech-Branchen rasch in der Wertschöpfungskette auf, und in Indien entsteht eine riesige neue Mittelschicht. Der Zugang zu diesen Märkten ist bekanntermassen schwierig, wird aber zunehmend zum einzig gangbaren Weg. Die Vertrautheit der Geschäfte mit den Amerikanern wird durch die Notwendigkeit ersetzt, sich im Osten zu engagieren. Die Schweiz steht an einem entscheidenden Wendepunkt: Sie muss sich an die neue Weltordnung anpassen und diese aufstrebenden Märkte entschlossen erschliessen oder an verblassenden Bündnissen festhalten und die wirtschaftlichen Folgen tragen.