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Swiss Observer

US-Zollpolitik bedroht die Schweizer Wirtschaft

Die Schweiz stellt sich auf eine wirtschaftliche Abschwächung ein, da die USA zollfreie Einfuhren beenden und neue Zölle erheben. Möglicherweise gehen 20’000 Arbeitsplätze verloren, zudem sind die Schweizer Postdienste erheblich betroffen.

US-Zollpolitik bedroht die Schweizer Wirtschaft
AISWI swissinfo.ch

Die Schweiz sieht sich erheblichen wirtschaftlichen Gegenwinden ausgesetzt, während die Vereinigten Staaten eine aggressive neue Zollpolitik umsetzen. Dies markiert einen drastischen Wandel in den Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern. Die USA haben auf Schweizer Einfuhren einen beträchtlichen Zoll von 39 Prozent erhoben und damit frühere Handelsvereinbarungen aufgegeben, die einen regen wirtschaftlichen Austausch ermöglicht hatten. Dieser Kurswechsel stellt eine der grössten Herausforderungen für die schweizerisch-amerikanischen Handelsbeziehungen der letzten Jahre dar.

Die Auswirkungen waren unmittelbar und erheblich: Gemäss dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) verlangsamte sich das Wachstum des Schweizer Bruttoinlandprodukts (BIP) im laufenden Quartal auf lediglich 0,1 Prozent. Diese Entwicklung hat Wirtschaftsexpertinnen und -experten dazu veranlasst, ihre Wachstumsprognosen nach unten zu korrigieren. Die wirtschaftlichen Aussichten der Schweiz erscheinen dadurch besorgniserregend.

Auswirkungen auf die Schweizer Postdienste

Der Entscheid der USA, die Zollfreiheit für Pakete im Wert von weniger als 800 Dollar aufzuheben, hat die Schweizer Postdienste zu einer drastischen Anpassung ihrer Abläufe gezwungen. Die Schweizerische Post hat zusammen mit anderen internationalen Postdiensten erhebliche Einschränkungen für Pakete angekündigt, die für den US-Markt bestimmt sind. Die Änderung betrifft sowohl Unternehmen als auch Privatpersonen, unterbricht etablierte Postverbindungen und schafft neue Herausforderungen für den Handel zwischen der Schweiz und den USA.

Nach den neuen Vorschriften müssen entweder die anwendbaren US-Zölle entrichtet werden, die sich nach dem Ursprungsland richten, oder eine Übergangsgebühr zwischen 80 und 200 Dollar. Begrenzte Ausnahmen gelten für echte Geschenke im Wert von weniger als 100 Dollar.

Wirtschaftsprognosen und Sorgen um den Arbeitsmarkt

Die Wirtschaftsprognosen zeichnen ein ernüchterndes Bild für die nahe Zukunft der Schweiz. Das Seco hat seine BIP-Wachstumsprognose für 2026 von zuvor 1,2 Prozent auf 0,8 Prozent gesenkt. Die bescheidene Wachstumserwartung von 1,2 Prozent für 2025 bleibt unverändert. Die Auswirkungen gehen über blosse Zahlen hinaus: Schätzungen zufolge könnten in verschiedenen Branchen bis zu 20’000 Arbeitsplätze verloren gehen.

Besonders stark betroffen ist der Industriesektor, in dem sowohl die Wertschöpfung als auch die Exporte deutlich zurückgegangen sind. Der Dienstleistungssektor hat sich mit einem «breit abgestützten» Wachstum teilweise als widerstandsfähig erwiesen. Insgesamt bleiben die wirtschaftlichen Aussichten angesichts der neuen Handelshemmnisse jedoch schwierig.

Reaktion der Schweizer Regierung und Abfederungsmassnahmen

Die Schweizer Regierung steht vor der Herausforderung, die wirtschaftliche Stabilität zu wahren und gleichzeitig mit den neuen Handelsbeschränkungen umzugehen. Konkrete Gegenmassnahmen wurden bislang nicht angekündigt. Die Wirtschaftsbehörden beobachten die Lage jedoch genau und prüfen verschiedene Möglichkeiten, um betroffene Branchen und Arbeitnehmende zu unterstützen.

Im Mittelpunkt scheint zu stehen, die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit der Schweiz durch eine Diversifizierung der Handelspartnerschaften zu erhalten und jene inländischen Branchen zu unterstützen, die von den US-Zöllen am stärksten betroffen sind. Die Situation zeigt, dass sich die Schweiz an den Wandel der globalen Handelsdynamik anpassen und zugleich ihre wirtschaftlichen Interessen schützen muss.