Wirtschaft
Beziehungen zwischen den USA und der Schweiz «wieder auf Kurs», CEOs zeigen sich beim Handelsabkommen optimistisch
US-Finanzminister Scott Bessent hat erklärt, die Beziehungen zur Schweiz seien «wieder auf einem sehr guten Weg». Eine Umfrage zeigt zudem, dass Schweizer CEOs nach der Bestätigung eines neuen US-Zollabkommens wieder optimistischer sind.

Das diplomatische Tauwetter hat eingesetzt. Vor der schneebedeckten Kulisse von Davos hat US-Finanzminister Scott Bessent die Botschaft überbracht, auf die Schweizer Wirtschaftsführerinnen und Wirtschaftsführer sehnsüchtig gewartet haben: Die Beziehungen zwischen Washington und Bern seien «wieder auf einem sehr guten Weg». Diese Erklärung, die zum Auftakt des Weltwirtschaftsforums 2026 abgegeben wurde, markiert eine entscheidende Wende nach Monaten turbulenter Handelsspannungen, die die Schweizer Exportwirtschaft zu gefährden drohten.
Auslöser für die neu entfachte Annäherung ist ein vorläufiges Zollabkommen, das die Zölle auf Schweizer Importe von erdrückenden 39 Prozent auf verkraftbare 15 Prozent gesenkt hat. Das Abkommen ist derzeit eine Absichtserklärung, doch für seinen endgültigen Abschluss steht sehr viel auf dem Spiel. Washington hat den 31. März als klare Frist für ein rechtsverbindliches Abkommen gesetzt. Das Weisse Haus droht, die Zollsätze «zu überprüfen», falls die Frist verstreicht. Der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin verliert keine Zeit und signalisiert seine Bereitschaft, das Abkommen noch diese Woche in Davos abzuschliessen. Damit zeigt sich: Für die Schweiz hat das wirtschaftliche Überleben Vorrang vor diplomatischen Gepflogenheiten.
Zuversicht der CEOs steigt deutlich
Die Schweizer Unternehmen atmen kollektiv auf. Nach dem Durchbruch bei den Zöllen ist der Optimismus in den Chefetagen sprunghaft gestiegen. Ganze 78 Prozent der Schweizer CEOs zeigen sich nun zuversichtlich, was die weltwirtschaftliche Entwicklung im kommenden Jahr angeht. Das ist ein deutlicher Anstieg um 10 Prozentpunkte seit September 2025. Die düstere Stimmung, die Ende vergangenen Jahres die Investitionspläne lähmte, verzieht sich und macht ehrgeizigen Wachstumszielen Platz.
Die Zahlen zeichnen das Bild eines Unternehmenssektors, der bereit ist, wieder durchzustarten. Überwältigende 94 Prozent der befragten Führungskräfte erwarten, dass Umsatz und Produktivität 2026 steigen, während 86 Prozent mit einer höheren Rentabilität rechnen. Das ist nicht einfach Wunschdenken, sondern eine kalkulierte Reaktion auf das stabilisierte Handelsumfeld. Auch die Betriebskosten dürften bei der Hälfte der führenden Unternehmen des Landes sinken. Da die Gefahr eines umfassenden Handelskriegs abnimmt, wechseln Schweizer Wirtschaftsführer von der Defensive in die Offensive und nehmen ein lukratives Jahr 2026 ins Visier.
Der geopolitische Preis
Trotz des neu gewonnenen Optimismus sitzen die geopolitischen Narben des Jahres 2025 tief. Die Unsicherheit im vergangenen Jahr zwang Schweizer Unternehmen zu einer umfassenden Neuausrichtung ihrer Strategie. 82 Prozent der CEOs räumen ein, ihre Investitionspläne wegen der geopolitischen Unbeständigkeit angepasst zu haben. Die Folgen waren konkret: Fast 30 Prozent der Unternehmen verschoben Investitionen oder verlagerten ihre betrieblichen Vermögenswerte ganz ins Ausland, um sicherere Standorte zu finden.
Die Schweiz bleibt für 42 Prozent der Führungskräfte ein vorrangiger Standort, doch Kapital fliesst in die Nachbarländer. Deutschland und Frankreich profitieren am stärksten und erhalten 26 beziehungsweise 18 Prozent der neuen Kapitalzuweisungen. Die Botschaft ist klar: Das US-Handelsabkommen stoppt zwar den Abfluss, die Wunde ist aber noch nicht vollständig verheilt. Schweizer Unternehmen diversifizieren ihre Aktivitäten entschlossen, um sich gegen künftige Schocks abzusichern und sicherzustellen, dass nie wieder ein einzelner diplomatischer Konflikt ihre Bilanzen in Geiselhaft nehmen kann.
Skepsis in der Bevölkerung, andere Realität in den Unternehmen
Zwischen den Chefetagen und der Bevölkerung hat sich eine deutliche Kluft aufgetan. Während CEOs den Zollsatz von 15 Prozent begrüssen, bleibt die Schweizer Bevölkerung skeptisch. Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass 63 Prozent der Bevölkerung die neue Vereinbarung als «schlechtes Abkommen» für die Schweiz betrachten. Die Skepsis wird durch den Eindruck genährt, Bern habe dem Druck Washingtons nachgegeben, ohne im Gegenzug genug zu erreichen, insbesondere beim gegenseitigen Marktzugang.
Die Wirtschaftselite konzentriert sich hingegen auf Modernisierung und Expansion. Ungeachtet des Unmuts in der Bevölkerung setzen die Unternehmen noch stärker auf die Zukunft. Digitalisierung und künstliche Intelligenz haben sich zu den wichtigsten Wachstumstreibern für 2026 entwickelt. Auch der Appetit auf Geschäftsabschlüsse ist gross: 62 Prozent der Schweizer Unternehmen planen in den kommenden zwölf Monaten Fusionen und Übernahmen, ein Anstieg um 22 Prozentpunkte. Während die Bevölkerung über die Fairness des Abkommens debattiert, nutzen Schweizer Unternehmen es, um ihre Zukunft in einer digitalisierten Weltwirtschaft zu sichern.