Diplomatie
Neue Runde «positiver» Atomgespräche zwischen den USA und Iran beginnt in Genf
Nach einer Verhandlungsrunde, die ein US-Vertreter als «positiv» bezeichnete, haben in Genf neue indirekte Gespräche zwischen den Vereinigten Staaten und Iran begonnen. Die in der Schweiz geführten Gespräche sind ein wichtiger Versuch, Teherans Atomprogramm anzugehen und die Spannungen möglicherweise abzubauen.

Mitten in den turbulenten Beziehungen zwischen den USA und Iran ist hier in Genf ein entscheidender Rettungsanker ausgeworfen worden. In einer Entwicklung, die der zunehmend scharfen Rhetorik der vergangenen Wochen widerspricht, hat ein US-Vertreter die jüngste Runde indirekter Verhandlungen ausdrücklich als «positiv» bezeichnet. Das ist nicht bloss eine diplomatische Höflichkeitsfloskel, sondern eine bedeutende Wende. Der iranische Aussenminister Abbas Araghchi bekräftigte diesen Optimismus und erklärte, dies sei bisher die «beste und ernsthafteste Runde» der Gespräche gewesen.
Der hochriskante Dialog begann am Donnerstag kurz nach 10 Uhr in den diskreten Räumlichkeiten der Residenz des omanischen Botschafters in Cologny. Auch wenn die beiden Länder bei diesen indirekten Gesprächen räumlich getrennt bleiben, könnte sich die Kluft zwischen ihnen verkleinern. Ein unmittelbares konkretes Ergebnis steht bereits fest: Für nächste Woche ist in Wien eine neue Runde «technischer Gespräche» angesetzt. Genf hat sich einmal mehr als unverzichtbarer Motor der globalen Diplomatie erwiesen und einen Dialog ermöglicht, den viele bereits für gescheitert hielten.
Trumps tickende Uhr
Trotz der diplomatischen Fortschritte überschattet ein unmissverständliches Ultimatum die Gespräche. US-Präsident Donald Trump hat eine deutliche Warnung ausgesprochen, deren Frist bereits in wenigen Tagen, Anfang März, abläuft. Die Botschaft aus dem Weissen Haus ist klar und beunruhigend: «Entweder erzielen wir eine Einigung, oder es wird für sie bedauerlich ausgehen.» Das ist Diplomatie unter Androhung von Gewalt.
Die Dringlichkeit ist spürbar. Während die Unterhändler in Genf Vorschläge austauschten, lief in Washington die Kriegsmaschinerie an. Admiral Brad Cooper, Chef des US Central Command (Centcom), informierte Präsident Trump noch am selben Tag, an dem die Gespräche begannen, über militärische Optionen. Der Kontrast ist frappant: In Cologny sprechen Diplomaten über Frieden, während Generäle im Oval Office mögliche Angriffsszenarien darlegen. Das Zeitfenster für eine friedliche Lösung schliesst sich nicht einfach, es schlägt mit Wucht zu. Die Gespräche in Wien nächste Woche sind nicht bloss eine Fortsetzung, sondern ein Wettlauf gegen einen Countdown, der in einen möglichen Konflikt mündet.
Die Einzelheiten des nuklearen Patts
Trotz der Bezeichnung «positiv» bleibt die Kluft zwischen Washington und Teheran gross. Die Forderungen wiegen schwer, die Zugeständnisse wären schmerzhaft. Die Vereinigten Staaten verlangen nicht weniger als einen vollständigen Stopp der Urananreicherung und den Export der derzeitigen iranischen Nuklearvorräte. Sie wollen, dass das Programm abgebaut und nicht bloss ausgesetzt wird.
Teheran hat demgegenüber ein Gegenangebot vorgelegt: ein Moratorium und eine «teilweise Verlagerung» seiner Kapazitäten. Iran bestreitet weiterhin, eine Atomwaffe anstreben zu wollen, nutzt sein Programm aber als Druckmittel, um die Aufhebung der lähmenden Wirtschaftssanktionen zu verlangen. Laut dem Wall Street Journal liegen die beiden Seiten bei diesen zentralen Fragen «nach wie vor weit auseinander». Die technischen Gespräche in Wien nächste Woche werden vom politischen Schauspiel in Genf zu den konkreten, anspruchsvollen Einzelheiten der Nuklearphysik und der Einhaltung von Vorgaben übergehen. Hier wird sich zeigen, ob die Vereinbarung bis ins Detail ausgearbeitet oder bei genauer Prüfung zunichtegemacht wird.
Militärische Optionen liegen auf dem Tisch
Der Krieg rückt bedrohlich näher. US-Vizepräsident JD Vance hat öffentlich Befürchtungen zurückgewiesen, ein Angriff auf Iran werde zu einem «endlosen Krieg» führen. In einem gewagten Interview mit der Washington Post erklärte Vance: «Die Vorstellung, dass wir jahrelang in einen Krieg im Nahen Osten verwickelt sein werden ... das wird nicht passieren.» Er verwies auf frühere «begrenzte» Angriffe als Vorbild und deutete damit an, dass ein gezielter Militäreinsatz eine gangbare Alternative zu einer Einigung sei.
Militärexperten warnen jedoch, dass dieses Vertrauen fehl am Platz sein könnte. US-Generalstabschef Dan Caine soll die Trump-Regierung vor den Risiken eines langwierigen Konflikts gewarnt haben. Iran hat unmissverständlich erklärt, dass jeder Angriff, wie «begrenzt» er auch sein mag, eine umfassende und verheerende Reaktion auslösen werde. Saeid Golkar, ein Iran-Experte mit Schwerpunkt Militär, warnt, diese Verhandlungsrunde in Genf «könnte die letzte Chance sein». Die Region sitzt auf einem Pulverfass, und die Lunte brennt bereits.
Die Schweiz als Bühne für die globale Sicherheit
Einmal mehr steht die Schweiz im Zentrum der globalen Sicherheit. Die diskrete Eleganz von Cologny bildete den Rahmen für ein möglicherweise entscheidendes diplomatisches Treffen des Jahres 2026. Oman vermittelte zwar, doch erst das neutrale und diskrete Umfeld der Schweiz ermöglicht es diesen fragilen Gesprächen, weiterzugehen.
Während sich der Blick nächste Woche auf den Sitz der IAEA in Wien richtet, wächst der Druck auf die europäische Diplomatie. Für die Schweiz ist dies eine Bestätigung ihrer Schlüsselrolle in einer multipolaren Welt. Wir sind nicht bloss Beobachter, wir sind Gastgeber der Geschichte. Die Ergebnisse dieser Gespräche werden weit über die Alpen hinaus Wirkung entfalten und darüber entscheiden, ob der Nahe Osten in eine neue Ära der Zusammenarbeit eintritt oder katastrophal in einen Konflikt abgleitet. Die Welt blickt auf Genf, und Genf hat einen Hoffnungsschimmer ermöglicht. Nun liegt es an Washington und Teheran, ihn am Leben zu erhalten.