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Swiss Observer

USA verlängern Zollverhandlungen mit der Schweiz

Die Schweiz gewinnt zusätzliche Zeit, da die USA die Frist für die laufenden Zollverhandlungen auf den 1. August verschieben

USA verlängern Zollverhandlungen mit der Schweiz
AISWI swissinfo.ch

Die Schweiz hat sich eine entscheidende, wenn auch vorübergehende Galgenfrist gesichert. In einem Schritt, der die zunehmenden transatlantischen Spannungen vorübergehend entschärft, haben die Vereinigten Staaten die Frist für die laufenden Zollverhandlungen vom 9. Juli auf den 1. August verschoben. Diese dreiwöchige Verlängerung, die Präsident Donald Trump am Montag per Dekret unterzeichnete, verschafft Bern ein hektisches Zeitfenster, um die Handelsbeziehungen zu retten, bevor Strafmassnahmen greifen. Die Verlängerung gilt für mehrere Länder, darunter Schwergewichte wie Japan und Südkorea. China bleibt jedoch auffallend davon ausgenommen, was den gezielten Charakter der Wirtschaftsstrategie Washingtons unterstreicht.

Die Atempause ist willkommen, doch die Bedrohung bleibt greifbar. Die ursprüngliche Frist sollte diesen Mittwoch ablaufen, ein Datum, das wie ein Fallbeil über den Schweizer Exporteuren hing. Nun müssen die Verhandelnden im Eiltempo eine Lösung finden. Es steht alles auf dem Spiel: Ohne Einigung kehrt die Handelslandschaft zu einem feindseligen, von Protektionismus geprägten Umfeld zurück. Die Feindseligkeiten werden damit nicht beendet. Es handelt sich lediglich um eine Pause im Beschuss, die Schweizer Diplomatinnen und Diplomaten eine letzte Gelegenheit gibt, sich durch das Minenfeld der «America First»-Wirtschaftspolitik zu bewegen.

Milliarden am Abgrund: Der wirtschaftliche Schaden

Die Kosten eines Scheiterns wären enorm. Scheitern die Verhandlungen, droht der Schweizer Wirtschaft bis 2026 ein möglicher Verlust von bis zu 17,5 Milliarden Franken (22 Milliarden US-Dollar). Diese alarmierende Prognose stammt vom KOF-Ökonomen Jan-Egbert Sturm und verdeutlicht die Schwere des derzeit aufziehenden Handelskriegs. Es geht nicht bloss um geringfügige Anpassungen der Gewinnmargen, sondern um einen gewaltigen Schock für die exportorientierte Schweizer Wirtschaft.

Seit April gilt bereits ein erdrückender Basiszoll von 10 Prozent auf fast alle Einfuhren aus der Europäischen Union, zusätzlich zu hohen Sonderabgaben auf Stahl und Aluminium. Trumps Ziel ist klar: Die Produktion soll zurück auf US-amerikanischen Boden verlagert werden. Für die Schweiz, die stolz auf ihre Präzisionsfertigung und offenen Märkte ist, stellt dieser protektionistische Vorstoss eine existenzielle wirtschaftliche Bedrohung dar. Der Unterschied zwischen einer erfolgreichen Verhandlung und einer Sackgasse wird in Milliarden Franken gemessen und gefährdet Arbeitsplätze sowie die industrielle Stabilität in den Kantonen.

Diplomatie per Ultimatum: Die Briefkampagne

Washington hat die traditionelle Diplomatie durch eine harte Gangart ersetzt. Am Montag verschickte die Trump-Regierung weltweit rund 100 Briefe an Länder und stellte damit die Weltwirtschaft vor vollendete Tatsachen. Die Sprecherin des Weissen Hauses, Karoline Leavitt, liess keinen Zweifel: Gegenzölle oder die in diesen Briefen aufgeführten neuen Zollsätze treten in Kraft, sofern keine Einigungen erzielt werden. Das ist Verhandeln per Ultimatum.

US-Finanzminister Scott Bessent erläuterte die Strategie auf CNN mit brutaler Klarheit: «Die Länder werden einen Brief erhalten, in dem steht: Wenn wir keine Einigung erzielt haben, fallen Sie auf das Niveau vom 2. April zurück.» Gemeint ist das Datum, an dem Trump sein weitreichendstes Zollpaket angekündigt hatte. Die USA erwarten, dass unter diesem Druck rasch Vereinbarungen abgeschlossen werden. Diese Vorgehensweise drängt kleinere Handelspartner jedoch in die Enge. Die Schweiz muss sich nun in einem chaotischen Umfeld zurechtfinden, in dem diplomatisches Fingerspitzengefühl durch blanke wirtschaftliche Macht verdrängt wird.

Die Schlussphase: Berns entscheidendes Zeitfenster

Wir befinden uns nun in der Gefahrenzone. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Präsident Trump haben direkte Gespräche geführt. Brüssel erklärte, die Verhandlungen befänden sich am «Beginn der Schlussphase». Für die Schweiz, die oft im Windschatten der Beziehungen zwischen der EU und den USA steht, sind die kommenden Wochen entscheidend. Der Ausgang ist weiterhin völlig offen, und die Einzelheiten dazu, wie die USA mit Europa Handel treiben wollen, liegen nach wie vor im Dunkeln.

Die Verlängerung bis zum 1. August ist keine Sicherheitsgarantie, sondern eine letzte Warnung. Schweizer Vertreterinnen und Vertreter müssen nun ihr gesamtes diplomatisches Kapital einsetzen, um eine Ausnahme oder eine vorteilhafte Vereinbarung auszuhandeln. Scheitern sie, wird die Rückkehr zu den Strafzöllen vom April Schockwellen durch die Schweizer Industrie- und Pharmabranche senden. Die Uhr tickt lauter denn je, und für die Schweizer Wirtschaft ist Schweigen keine Option.