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Swiss Observer

Universität Bern stellt letztes Schweizer Tibetisch-Sprachprogramm ein

Der letzte akademische Tibetisch-Sprachkurs der Schweiz steht vor dem Aus. Das wirft Fragen zur Bewahrung der Kultur und zur akademischen Vielfalt auf.

Universität Bern stellt letztes Schweizer Tibetisch-Sprachprogramm ein
AISWI swissinfo.ch

In einer bedeutenden Entwicklung für die akademische Landschaft der Schweiz hat die Universität Bern angekündigt, ihr Tibetisch-Sprachprogramm einzustellen. Damit enden die letzten verbleibenden universitären Tibetisch-Sprachkurse in der Schweiz. Das Programm, das ab Herbst 2025 eingestellt werden soll, war eine wichtige Bildungsressource sowohl für die tibetische Diaspora als auch für Forschende mit Interesse an Zentralasienstudien.

Auswirkungen auf die tibetische Gemeinschaft und das kulturelle Erbe

Die Schliessung des Programms ist besonders bedeutsam, da die Schweiz eine der grössten tibetischen Exilgemeinschaften der Welt beherbergt. Für Tibeterinnen und Tibeter der dritten Generation wie den derzeitigen Masterstudenten Tenzin Yundung bot das universitäre Programm eine wichtige Verbindung zu ihrem kulturellen Erbe. Es ermöglichte einen vertieften Sprachunterricht, der über die Grundausbildung an Wochenendschulen hinausging. Der Entscheid hat Befürchtungen hinsichtlich der Bewahrung der tibetischen Kultur im Exil und der Zukunft der akademischen Auseinandersetzung mit Tibetstudien in der Schweiz ausgelöst.

Entscheid und Begründung der Universität

Laut Christoph Pappa, Generalsekretär der Universität Bern, ist der Entscheid auf die geringe Zahl von Studierenden im Studienprogramm Zentralasiatische Kulturwissenschaften zurückzuführen. Die Universität anerkennt zwar die kulturelle Bedeutung des Sprachunterrichts, hält aber fest, dass sie keinen spezifischen Auftrag zur Bewahrung des kulturellen Erbes hat. Die Einstellung des Programms widerspiegelt die breiteren Herausforderungen, spezialisierte Studienangebote angesichts begrenzter Ressourcen und wechselnder Bildungsprioritäten aufrechtzuerhalten.

Künftige Folgen und Reaktionen der Gemeinschaft

Die tibetische Gemeinschaft und Schweizer Tibet-Organisationen haben mit Besorgnis reagiert und einen offenen Brief veröffentlicht, in dem sie den Erhalt der Sprachkurse fordern. Mit der Einstellung entfällt faktisch die Möglichkeit, Tibetstudien an Schweizer Hochschulen formell zu belegen. Diese Entwicklung wirft Fragen nach alternativen Möglichkeiten auf, den Tibetischunterricht und die Bemühungen zur Bewahrung der Kultur in der Schweiz fortzuführen, insbesondere angesichts der historischen Bedeutung des Landes als Zentrum der tibetischen Diaspora.