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Swiss Observer

Universität Basel gedenkt des 125. Todestags Nietzsches

Sonderveranstaltungen und eine Ausstellung zum Gedenken an den Philosophen Friedrich Nietzsche, der von 1869 bis 1879 als Professor an der Universität Basel tätig war.

Universität Basel gedenkt des 125. Todestags Nietzsches
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Seit dem Tod Friedrich Nietzsches sind 125 Jahre vergangen, doch die geistigen Erschütterungen, die er ausgelöst hat, bringen die Grundfesten des modernen Denkens noch immer ins Wanken. Diesen Monat setzt sich die Universität Basel direkt mit diesem gewaltigen Vermächtnis auseinander. Zum 125. Todestag am 25. August erinnert die Institution nicht bloss an einen ehemaligen Mitarbeiter, sondern besinnt sich auf ihre zentrale Rolle im Leben eines der umstrittensten Denker der Geschichte.

Während andere Institutionen möglicherweise vor der Komplexität seines Rufs zurückschrecken würden, stürzt sich Basel mitten hinein. Die Universität hat eine Reihe mutiger Veranstaltungen sowie eine sorgfältig kuratierte Ausstellung angekündigt, die mit den Mythen rund um den Philosophen aufräumen sollen. Für die Stadt ist dies ein entscheidender Moment, in dem sie sich erneut als geistige Wiege positioniert, in der Nietzsche sich vom Philologen zu einer philosophischen Sprengkraft entwickelte. Das Gedenken erinnert eindringlich daran, dass Nietzsche vor dem Wahnsinn und dem weltweiten Ruhm in erster Linie Professor in Basel war.

Ein Vermächtnis entsteht: Das Basler Jahrzehnt

Von 1869 bis 1879 hatte Nietzsche an der Universität Basel nicht einfach einen Lehrstuhl inne, sondern prägte eine ganze Epoche. Zehn prägende Jahre lang war er Professor für griechische Sprache und Literatur und unterrichtete gleichzeitig am Basler Pädagogium. Es war keineswegs eine untätige Zeit. Genau in diesem Jahrzehnt entfaltete sich sein Denken, und es entstanden wegweisende Werke, die den Lauf der Philosophie verändern sollten.

In den Räumen dieser Schweizer Institution verfasste Nietzsche Die Geburt der Tragödie, Unzeitgemässe Betrachtungen und das bahnbrechende Werk Menschliches, Allzumenschliches. Diese Texte entstanden nicht im luftleeren Raum, sondern reiften im intellektuellen Klima des Basler akademischen Umfelds. Die Stadt bot ihm die Stabilität, wenn auch nur vorübergehend, die sein Genie zur Entfaltung brachte, bevor ihn seine Gesundheit zum Rücktritt zwang. Heute bewahrt die Universität dieses produktive Jahrzehnt und verfügt in ihren Archiven über greifbare Belege für seine Tätigkeit.

Den Menschen entmystifizieren: Wahrheit statt Verzerrung

Basel führt einen Kampf gegen die Verfälschung der Geschichte. Der Ansatz der Universität bildet einen deutlichen und bewussten Gegensatz zu den «verherrlichenden und politisch vereinnahmenden» Erzählungen, die Nietzsches Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche in Weimar verbreitete. Während die Weimarer Tradition die Worte des Philosophen oft verdrehte, um politische Ziele zu verfolgen, bietet Basel eine «sachliche und nüchterne Auseinandersetzung» mit dem Menschen hinter dem Schnurrbart.

Die Belege sind unbestreitbar und zugänglich. Die Universitätsbibliothek Basel und das Staatsarchiv haben ihre Bestände geöffnet und bieten digitalen Zugang zu Manuskripten, Briefen und persönlichen Dokumenten, die ein unverfälschtes Bild zeichnen. Besonders erschütternd sind die Krankenakten aus dem Jahr 1889, als seine geistigen Fähigkeiten zusammenbrachen. Diese Dokumente verklären ihn nicht, sondern zeigen ihn als Menschen. Indem Basel Primärquellen gegenüber vorgefassten Deutungen den Vorrang gibt, ermöglicht es der Öffentlichkeit, sich mit der unverblümten Realität von Nietzsches Leben und seinem Abgleiten in den Wahnsinn auseinanderzusetzen.

Philosophie auf der Leinwand: Von Manuskripten zum Kino

Das Gedenken geht weit über staubige Archive hinaus. Am Jahrestag wird der deutsche Wissenschaftler David Marc Hoffmann den «Basler Nietzsche» vorstellen und den Philosophen in seinem lokalen Kontext verorten. Die Universität ist sich jedoch bewusst, dass Nietzsches Einfluss bis in die moderne Popkultur reicht. Bei einer Veranstaltung im November wird deshalb der bedeutende Einfluss des Philosophen auf die Kinoleinwand beleuchtet.

Nietzsches Themen, darunter existenzielle Angst, der Übermensch und der Tod Gottes, haben das Werk bedeutender Filmschaffender geprägt. Hoffmann wird untersuchen, wie Regisseure wie Alfred Hitchcock, Roman Polanski und Martin Scorsese Nietzscheanische Motive in ihre filmische Erzählweise eingeflochten haben. Diese zukunftsgerichtete Analyse zeigt, dass Nietzsche auch 125 Jahre später nicht nur eine historische Figur für die Schweiz ist, sondern eine lebendige und wirksame Kraft der globalen Kultur.