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Swiss Observer

UBS untersucht mögliche nicht offengelegte, mit den Nazis verbundene Konten

Schweizer Bank arbeitet mit einem unabhängigen Ombudsmann zusammen, um mögliche nicht gemeldete Konten aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs zu untersuchen

UBS untersucht mögliche nicht offengelegte, mit den Nazis verbundene Konten
AISWI swissinfo.ch

Der Schweizer Bankenkonzern UBS hat eine umfassende Untersuchung zu möglichen nicht offengelegten, mit den Nazis verbundenen Konten eingeleitet und arbeitet dabei mit einem unabhängigen Ombudsmann zusammen. Diese bedeutende Entwicklung folgt auf die Übernahme der Credit Suisse durch die UBS im Jahr 2023. Der ehemalige US-Staatsanwalt Neil Barofsky, der wieder als unabhängiger Ombudsmann eingesetzt wurde, leitet die Untersuchung eines umfangreichen Bestands bislang ungeprüfter Dokumente.

Historischer Hintergrund und frühere Untersuchungen

Die laufende Untersuchung baut auf der grundlegenden Arbeit der Bergier-Kommission auf, die der Schweizer Bundesrat 1996 eingesetzt hatte. Die Kommission war bis 2001 tätig und sollte die Rolle der Schweiz während des Zweiten Weltkriegs sowie die Frage nachrichtenloser Vermögen untersuchen. Wie der Historiker Marc Perrenoud aufzeigte, wurde die Arbeit der Kommission jedoch durch zeitliche Einschränkungen und die begrenzte Zusammenarbeit der Finanzinstitute erschwert. Angesichts der umfangreichen Dokumentation war es besonders schwierig, innerhalb des fünfjährigen Mandats der Kommission alles vollständig zu prüfen.

Umfang und Herausforderungen

Die laufende Untersuchung umfasst 3'600 Schachteln mit Akten, die von früheren Untersuchungsgremien nicht geprüft worden waren. Diese Dokumente, darunter Akten mit dem Vermerk «Amerikanische schwarze Liste», einer Bezeichnung für Unternehmen, die mit den Nazis verbundenen Parteien Handel trieben, lassen die Möglichkeit einer früheren Vertuschung bei vorangegangenen Untersuchungen vermuten. Die Untersuchung steht vor der komplexen Aufgabe, Jahrzehnte alte Unterlagen zu prüfen und gleichzeitig Transparenz und Rechenschaftspflicht sicherzustellen. Der Fund dieser Akten wirft Fragen zur Vollständigkeit früherer Untersuchungen und zum möglichen Umfang nicht gemeldeter Konten auf.

Reaktion des Schweizer Bankensektors

Der Entscheid der UBS, diese Untersuchung voranzutreiben, ist ein bedeutendes Bekenntnis dazu, die historische Verantwortung des Schweizer Bankensektors anzugehen. Die Zusammenarbeit der Bank mit einem unabhängigen Ombudsmann zeigt einen Wandel hin zu mehr Transparenz im Umgang mit Konten aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Die Untersuchung kommt für den Schweizer Bankensektor zu einem entscheidenden Zeitpunkt, da sich die Branche weiterhin auf moderne Erwartungen an Rechenschaftspflicht und historische Verantwortung einstellt. Die Ergebnisse könnten weitreichende Folgen sowohl für den Ruf der Bankenbranche als auch für ihren Umgang mit historischer Verantwortung haben.