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Swiss Observer

UBS erhält nationale Banklizenz und baut Dienstleistungen in den USA aus

Der Schweizer Bankengigant UBS hat einen wichtigen Meilenstein erreicht: Die US-Behörden haben ihr eine nationale Banklizenz erteilt. Damit kann die Bank ihr Dienstleistungsangebot für vermögende Kundinnen und Kunden in den USA ausbauen, mehr alltägliche Bankprodukte anbieten und ihr langfristiges Engagement auf dem amerikanischen Markt stärken.

UBS erhält nationale Banklizenz und baut Dienstleistungen in den USA aus
AIThe Local Switzerland

Die UBS hat offiziell eine regulatorische Obergrenze durchbrochen, die ihre operative Flexibilität auf dem lukrativsten Markt der Welt lange eingeschränkt hat. In einem entscheidenden Schritt, der an diesem Freitag bekannt gegeben wurde, sicherte sich der Schweizer Bankenriese eine begehrte nationale Banklizenz des US Office of the Comptroller of the Currency (OCC). Dabei handelt es sich nicht bloss um eine bürokratische Formalität, sondern um eine klare Absichtserklärung. Mit dieser Lizenz wandelt sich die UBS von einer ausländischen Bank, die über ein Netz einzelner Niederlassungen tätig ist, zu einer vollständig lizenzierten nationalen Anbieterin. Damit signalisiert sie ein umfassendes, langfristiges Engagement in den Vereinigten Staaten.

Robert Karofsky, Präsident von UBS Americas, betonte umgehend die Tragweite dieses Erfolgs. «Dieser Meilenstein positioniert uns sehr gut für die nächste Wachstumsphase», erklärte Karofsky und bezeichnete die Genehmigung als Startpunkt für eine neue Ära. Der Antrag, der erst im vergangenen Oktober eingereicht worden war, wurde vom unabhängigen Amt des Finanzministeriums im Schnellverfahren bearbeitet. Das unterstreicht die Entschlossenheit der Bank, ihre Stellung zu festigen. Während Wettbewerber zögern, baut die UBS die Verbindung zwischen Zürich und New York entschlossen aus und sorgt dafür, dass ihre Infrastruktur ebenso solide ist wie ihr Ruf.

Zielgruppe: Vermögende, aber nicht extrem Reiche

Der Schweizer Bankenriese richtet seine Strategie neu aus, um einen grösseren Anteil am amerikanischen Markt zu gewinnen. Jahrzehntelang war die UBS die Festung der Superreichen, doch die neue Lizenz erschliesst eine wichtige Kundengruppe: vermögende Menschen. Wie The Wall Street Journal festhält, ermöglicht die Lizenz der UBS, «über ihre traditionelle Kundschaft der Superreichen hinaus auch vermögende und nicht ganz so extrem reiche Kundinnen und Kunden zu erreichen». Das bedeutet, dass die Bank nun gezielt alltägliche Bankdienstleistungen wie Sicht- und Privatkonten sowie Kreditprodukte anbieten kann, deren Einführung zuvor umständlich war.

Das ist eine strategische Weiterentwicklung. Indem die UBS einfache Bankdienstleistungen mit der gehobenen Vermögensverwaltung verbindet, will sie für Kundinnen und Kunden, die wohlhabend, aber vielleicht noch keine Milliardäre sind, zur zentralen Finanzdrehscheibe werden. Karofsky betonte, diese Entwicklung biete «bedeutende Chancen», das Kredit- und Einlagengeschäft zu stärken. Die Botschaft ist klar: Die UBS will nicht mehr nur Anlageportfolios verwalten, sondern auch die tägliche Liquidität der wohlhabendsten Bevölkerungsschicht Amerikas betreuen. So will sie die Kundenbeziehungen vertiefen und Vermögen an sich binden, das sonst bei US-Banken im Inland liegen würde.

Der Einsatz: Billionen

Nordamerika ist nicht einfach ein weiterer Markt, sondern unbestritten der Motor des weltweiten Vermögens. Dort befinden sich beeindruckende 42% des privaten Finanzvermögens der Welt. Damit liegt die Region deutlich vor dem asiatisch-pazifischen Raum mit 35%, während Europa, der Nahe Osten und Afrika mit 21% zurückliegen. Die UBS weiss: Um weltweit führend zu sein, muss sie lokal in den USA dominieren. Der Einsatz ist enorm: Allein 2025 beliefen sich die investierten Vermögen der UBS-Vermögensverwaltung auf schwindelerregende 4,753 Billionen Dollar.

Die Bank gab zudem bekannt, dass fast die Hälfte dieser gewaltigen Vermögenswerte in den Amerikas verbucht ist. Schon diese Zahl rechtfertigt das entschlossene Streben nach einer nationalen Lizenz. Der US-Markt ist das Lebenselixier der globalen Strategie der UBS. Mit der Lizenz stärkt die Bank die rechtlichen und operativen Strukturen, die Billionen an Kundenvermögen schützen. Bei diesem Schritt geht es ebenso sehr um Verteidigung wie um Angriff: Die Plattform, die die Hälfte der anvertrauten Vermögenswerte der Bank verwaltet, soll auf dem stärkstmöglichen regulatorischen Fundament stehen, das in den Vereinigten Staaten verfügbar ist.

Gegenwind in den USA

Trotz dieses regulatorischen Erfolgs sieht sich die UBS mit einer schwierigen Realität vor Ort konfrontiert. Die Bank kämpft derzeit in den Amerikas mit erheblichen Gegenwinden. Belegt wird dies durch einen besorgniserregenden Nettoabfluss von 14,1 Milliarden Dollar im vierten Quartal 2025. Hinzu kommt eine schrumpfende Belegschaft: Ende 2025 beschäftigte die Bank in den USA rund 200 Beraterinnen und Berater weniger als im Vorjahr. Die nationale Lizenz kommt gerade noch rechtzeitig. Sie ist eine entscheidende Gegenmassnahme, um diese Verluste einzudämmen.

Die Anlegerinnen und Anleger blieben vorsichtig: Nach der Ankündigung gaben die UBS-Aktien um 1% nach. Das deutet auf eine abwartende Haltung des Marktes hin, der erst Ergebnisse sehen will. Die Lizenz schafft die Voraussetzungen für Wachstum, garantiert es aber nicht. Die UBS muss ihren neuen Status nun nutzen, um den Trend der Abflüsse umzukehren und Spitzenkräfte zurückzugewinnen. Die nötigen Strukturen stehen nun bereit, doch die Umsetzung wird zeigen, ob dieses Schweizer Institut die volatile und umkämpfte amerikanische Bankenlandschaft tatsächlich erobern kann.