Finanzen
UBS erhält mit nationaler Banklizenz wichtigen Schub in den USA
Der Schweizer Bankenriese UBS hat bekannt gegeben, dass er in den USA eine nationale Banklizenz erhalten hat. Dieser Schritt ist bedeutend und dürfte es der Bank ermöglichen, ihre Position und ihre Geschäftstätigkeit im umkämpften US-Markt zu stärken.

UBS hat eine entscheidende regulatorische Hürde überwunden und damit ihre ehrgeizigen Bestrebungen bekräftigt, den amerikanischen Vermögensverwaltungsmarkt zu dominieren. Mit dem Erhalt einer nationalen Banklizenz von den US-Behörden hat der Schweizer Bankengigant signalisiert, dass er nicht länger nur ein Besucher in der grössten Volkswirtschaft der Welt ist. Er ist gekommen, um zu bleiben und vor Ort zu konkurrieren. Dies ist ein entscheidender Erfolg für die Bank, die seit dem vergangenen Herbst unermüdlich auf diesen Status hingearbeitet hat.
Der Erhalt dieser Lizenz ist nicht bloss eine administrative Angelegenheit, sondern eine Absichtserklärung. Er unterstreicht ein starkes, langfristiges Engagement im US-Markt und verändert die operativen Möglichkeiten der Bank grundlegend. Rob Karofsky, Präsident von UBS Americas, bezeichnete den Schritt als entscheidenden Moment, der «bedeutende Chancen» für den Ausbau des Geschäfts eröffnet. Mit diesem grünen Licht der Aufsichtsbehörden kann UBS ihr gesamtes Angebot an Finanzdienstleistungen einsetzen und sich über die spezialisierte Vermögensverwaltung hinaus zu einer umfassenden Bankpartnerin für die amerikanische Elite entwickeln.
Vermögende Kundschaft im Alltag gewinnen
Die Strategie ist kühn und klar: Das gesamte Finanzleben der Kundinnen und Kunden soll abgedeckt werden. Mit der neuen Lizenz reisst UBS die Grenzen ein, die ihr Dienstleistungsangebot bisher eingeschränkt haben. Die Bank kann nun «alltägliche Bankdienstleistungen» anbieten, darunter Sichteinlagen und eine breitere Palette von Kreditprodukten, die ihr zuvor nicht zugänglich waren. Damit will sie ihre Verankerung bei der bestehenden Kundschaft vertiefen und zugleich gezielt neue vermögende Kundinnen und Kunden gewinnen.
Die «Superreichen» bleiben zwar eine zentrale Zielgruppe, doch Expertinnen und Experten erwarten, dass UBS mit dieser Expansion auch breitere Kreise wohlhabender Amerikanerinnen und Amerikaner erreichen kann, die eine nahtlose Rundum-Betreuung wünschen. Indem UBS Kredit- und Einlagenangebote direkt in ihre Vermögensverwaltungsplattform integriert, schliesst sie den Kreis. Ziel ist es, sicherzustellen, dass vermögende Privatpersonen keinen Grund haben, sich für ihren Liquiditätsbedarf an andere Anbieter zu wenden. Wie Karofsky festhielt, wird diese Entwicklung «das Gesamtangebot von UBS stärken» und die Bank in Amerika zu einer zentralen Anlaufstelle für Finanzdienstleistungen machen.
Gegenwind bewältigen
Dieser Erfolg kommt jedoch zu einem Zeitpunkt, an dem UBS in der Region mit erheblichen Turbulenzen zu kämpfen hat. Die Zahlen zeichnen ein deutliches Bild: Die Bank versucht, einen alarmierenden Vermögensabfluss umzukehren. Allein im vierten Quartal 2025 meldete UBS in Amerika Nettoabflüsse von 14,1 Milliarden Dollar (11,1 Milliarden Franken). Dieser massive Abfluss unterstreicht die dringende Notwendigkeit der neuen Strategie.
Erschwerend kommt eine schrumpfende Belegschaft hinzu. Ende 2025 beschäftigte die Bank in den USA fast 200 Beraterinnen und Berater weniger als im Vorjahr. Dieser Rückgang wirft Fragen zur Kapazität auf, während die Bank gleichzeitig auf Wachstumskurs gehen will. Die nationale Banklizenz ist die Gegenmassnahme, ein strategischer Hebel, um die Abflüsse einzudämmen und die Rentabilität wieder anzukurbeln. UBS setzt darauf, dass eine breitere Produktpalette nicht nur zögernde Kundinnen und Kunden hält, sondern auch neues Kapital anzieht und die erschöpften Reserven wieder auffüllt.
Das Urteil der Märkte
Trotz des strategischen Erfolgs reagierten die Märkte mit ihrer typischen Skepsis. Am Freitag der Bekanntgabe gaben die UBS-Aktien in einem insgesamt schwachen Markt um 1 Prozent nach. Das deutet darauf hin, dass Anlegerinnen und Anleger Ergebnisse statt Versprechungen abwarten. Die von der Führung angepriesenen «bedeutenden Chancen» haben sich bisher nicht in unmittelbares Vertrauen der Investorinnen und Investoren niedergeschlagen.
Für die Schweiz ist diese Entwicklung dennoch von grosser Bedeutung. Sie vertieft die wirtschaftlichen Beziehungen und trägt Schweizer Bankenstabilität in den volatilen US-Markt. Gelingt es UBS, die Lizenz zu nutzen, um den Abflusstrend umzukehren und ihr Beraternetz zu stabilisieren, wird sie ihre Stellung als globales Schwergewicht festigen. Die Instrumente sind nun vorhanden, doch die Umsetzung bleibt die entscheidende Bewährungsprobe. Während die Bank durch unruhige Gewässer navigiert, richten Zürich und die Wall Street ihren Blick gleichermassen auf den nächsten Schritt.