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Swiss Observer

UBS zahlt 300 Millionen Dollar zur Beilegung des US-Altlastenfalls der Credit Suisse

Die UBS hat mit dem US-Justizministerium eine Einigung im Fall der hypothekarisch besicherten Wertpapiere der Credit Suisse erzielt und zahlt 300 Millionen Dollar, um ausstehende Verpflichtungen zu begleichen.

UBS zahlt 300 Millionen Dollar zur Beilegung des US-Altlastenfalls der Credit Suisse
AISWI swissinfo.ch

Die UBS hat einen langwierigen juristischen Albtraum endgültig hinter sich gelassen und sich bereit erklärt, dem US-Justizministerium die enorme Summe von 300 Millionen Dollar (242 Millionen Franken) zu zahlen. Die am Montag bekannt gegebene Zahlung beseitigt die letzten Spuren eines Streits, der den Schweizer Bankensektor fast zwei Jahrzehnte lang verfolgt hat. Die Vereinbarung betrifft ausdrücklich die ausstehenden Verpflichtungen, die mit dem Zusammenbruch der Credit Suisse auf die UBS übergingen. Damit zeigt sich einmal mehr, dass die UBS bereit ist, einen hohen Preis zu zahlen, um mit der Vergangenheit aufzuräumen.

Dabei handelt es sich nicht einfach um eine Busse, sondern um einen kalkulierten Schritt zur Stabilisierung der Position der Bank in den USA. Mit der Zahlung von 300 Millionen Dollar begleicht die UBS Verpflichtungen, die zwar bereits 2017 formell geregelt worden waren, für das fusionierte Unternehmen aber weiterhin eine Belastung darstellten. Die Führung der Bank sendet eine klare Botschaft: Die chaotische Ära der Credit Suisse ist vorbei, und die UBS hat die Kontrolle fest in der Hand. Die Summe ist beträchtlich, stellt aber die Geschäftskosten eines Finanzkonzerns dar, der die Vergangenheit hinter sich lassen und sich auf seine führende Stellung in der globalen Vermögensverwaltung konzentrieren will.

Die Altlasten der «Schrottpapiere» bereinigen

Die Wurzeln dieser Einigung reichen tief in den toxischen Boden der Finanzkrise von 2008. Im Zentrum des Streits stehen hypothekarisch besicherte Wohnimmobilien-Wertpapiere, berüchtigt als «Schrottpapiere auf Hypotheken». Diese hochriskanten Finanzprodukte waren ein Auslöser des weltweiten wirtschaftlichen Zusammenbruchs, und die Credit Suisse war stark in deren Handel verwickelt. Jahrelang lagen diese toxischen Vermögenswerte wie eine tickende Zeitbombe im Altlastenportfolio der Bank.

Das US-Justizministerium hat unnachgiebig darauf gedrängt, für den Fehlverkauf dieser Wertpapiere Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen. Die Credit Suisse versuchte zwar bereits vor Jahren, diese Angelegenheiten beizulegen, doch die endgültige Regelung liegt nun bei der UBS. Die Vereinbarung erfüllt nicht nur die Forderungen des US-Justizministeriums, sondern begleicht auch alle ausstehenden Verpflichtungen gegenüber Kundinnen und Kunden, die diese Produkte halten. Sie erinnert eindrücklich an die gefährlichen Risiken, die in der Bankenwelt vor 2008 eingegangen wurden und die die UBS nun systematisch abbaut. Indem sie sich diesen «Schrott»-Altlasten direkt stellt, beseitigt die UBS die Spuren der Finanzkrise aus den neu übernommenen Vermögenswerten.

Ein strategischer finanzieller Erfolg

In einer Wendung, die das konservative Risikomanagement der UBS unterstreicht, wird sich die Zahlung von 300 Millionen Dollar im dritten Quartal tatsächlich positiv auf das Ergebnis der Bank auswirken. Wie ist das möglich? Die Bank hatte mit einer deutlich höheren Belastung gerechnet. Die Rückstellungen, die bei der Übernahme der Credit Suisse zur Deckung dieser konkreten rechtlichen Verpflichtungen gebildet worden waren, lagen deutlich über der endgültigen Vergleichssumme. Die Differenz fliesst deshalb in die Kassen der Bank zurück und trägt positiv zum Bereich «Non-core and Legacy» bei.

Diese finanzielle Alchemie belegt die Umsicht der Übernahmestrategie der UBS. Sie rechnete mit den schlimmstmöglichen Szenarien bezüglich der rechtlichen Altlasten der Credit Suisse und traf entsprechende Vorsorge. «Mit dieser Vereinbarung hat die UBS ein weiteres Altlastenthema der Credit Suisse erledigt. Damit handelt sie im Einklang mit ihrer Absicht, Altlasten zeitnah, fair und ausgewogen zu bereinigen», erklärte die Bank mit unverkennbarer Zuversicht. Eine Ablösezahlung von 300 Millionen Dollar ist zwar hoch, doch die Auflösung der Rückstellungen macht aus einem juristischen Problem einen Erfolg für die Bilanz. Das zeigt, dass das Integrationsteam der Bank das Minenfeld mit chirurgischer Präzision durchquert.

Die konsequente Aufarbeitung geht weiter

Diese Einigung ist nur ein Gefecht in der umfassenderen Auseinandersetzung der UBS, das gefallene Imperium der Credit Suisse zu integrieren und von Altlasten zu befreien. Sie folgt unmittelbar auf ein starkes zweites Quartal, in dem die UBS einen beachtlichen Gewinn von 2,4 Milliarden Dollar auswies. Der Kontrast ist deutlich: Während die Bank mit der einen Hand für die Fehler der Vergangenheit bezahlt, erwirtschaftet sie mit der anderen enorme Gewinne. Die Dynamik verschiebt sich unbestreitbar von der Schadensbegrenzung hin zu offensivem Wachstum.

Für die Schweiz ist dies ein wichtiger Meilenstein. Das Reputationsrisiko des Zusammenbruchs der Credit Suisse lastete wie eine dunkle Wolke über dem Finanzplatz Schweiz. Mit jeder Einigung gewinnt die UBS ein Stück des verlorenen Vertrauens zurück. Die Bank arbeitet mit hohem Tempo daran, diese Altlasten zu bereinigen, und stellt dabei das «beste Interesse aller Anspruchsgruppen» in den Vordergrund. Mit Blick auf Ende 2025 entwickelt sich die UBS nicht nur zu einer Überlebenden der Fusion, sondern zu einem schlankeren und schlagkräftigeren Giganten der globalen Finanzwelt, der nicht mehr durch die toxische Geschichte seiner früheren Konkurrentin belastet ist.