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Swiss Observer

UBS drohen zwei Jahre nach der Übernahme der Credit Suisse strengere Kapitalanforderungen

Die Schweizer Regierung bereitet nach der Übernahme der Credit Suisse durch UBS neue Kapitalvorschriften vor, die UBS möglicherweise zu zusätzlichem Kapital von 25 Milliarden Dollar verpflichten.

UBS drohen zwei Jahre nach der Übernahme der Credit Suisse strengere Kapitalanforderungen
AISWI swissinfo.ch

Zwei Jahre nach der historischen Übernahme der Credit Suisse sieht sich UBS einer beispiellosen regulatorischen Prüfung durch die Schweizer Behörden gegenüber. Die Schweizer Regierung bereitet strengere Kapitalanforderungen für die grösste Bank des Landes vor, was einen bedeutenden Wandel in der Regulierungslandschaft markiert. Diese Entwicklung fällt in eine Zeit, in der sich die Schweiz mit den Folgen eines einzelnen Bankriesen auseinandersetzt, dessen Bilanzsumme inzwischen die gesamte Wirtschaftsleistung des Landes übersteigt.

Vorgeschlagene Kapitalanforderungen

Die vorgeschlagenen regulatorischen Änderungen könnten UBS verpflichten, zusätzliches Kapital von 25 Milliarden Dollar zu halten, was die Finanzstruktur der Bank erheblich beeinflussen würde. Die wichtigste Änderung würde verlangen, dass die Bank ihre ausländischen Tochtergesellschaften zu 100 Prozent mit Eigenkapital unterlegt, statt wie bisher zu 60 Prozent. Dadurch würde die harte Kernkapitalquote von UBS von rund 14 Prozent auf 19 Prozent der risikogewichteten Aktiven steigen. Damit läge sie bei den Kapitalanforderungen deutlich über vielen globalen Konkurrenten. Die FINMA, die Schweizer Finanzmarktaufsicht, und die Schweizerische Nationalbank haben sich hinter diese Vorschläge gestellt und damit eine geschlossene Haltung der Aufsichtsbehörden demonstriert.

Reaktion von UBS und Einschätzungen der Branche

Die Führung von UBS hat auf die vorgeschlagenen Änderungen deutlich reagiert. CEO Sergio Ermotti bezeichnete sie als «absolut übertrieben». Die Bank hat Gespräche auf hoher Ebene mit dem Eidgenössischen Finanzdepartement geführt, wobei dieses ausdrücklich erklärt hat, es handle sich «nicht um Verhandlungen». UBS anerkennt zwar die Notwendigkeit von Massnahmen zur Gewährleistung der Finanzstabilität, lehnt aber ab, was sie als «unverhältnismässige Massnahmen» betrachtet. Beobachter der Branche, darunter Führungskräfte anderer europäischer Banken, haben nur wenig Verständnis für die Haltung von UBS gezeigt. Sie deuteten an, dass die strengeren Anforderungen angesichts der grösseren systemischen Bedeutung der Bank angemessen seien.

Sorgen um die Finanzstabilität in der Schweiz

Die strengeren Anforderungen spiegeln die wachsenden Sorgen um die Finanzstabilität in der Schweiz nach dem Zusammenbruch der Credit Suisse wider. Da die Bilanzsumme von UBS inzwischen grösser ist als die Schweizer Wirtschaft, konzentrieren sich die Aufsichtsbehörden darauf, eine künftige Krise zu verhindern, die staatliche Eingriffe erforderlich machen könnte. Die Situation hat eine öffentliche Debatte über die Risiken im Bankensektor ausgelöst. Schweizer Bürgerinnen und Bürger sowie Politikerinnen und Politiker äussern sich besorgt über die Konzentration der Bankenmacht. Die neue FINMA-Führung unter Stefan Walter vertritt in Regulierungsfragen eine deutlich strengere Haltung als während der Credit-Suisse-Krise.

Mögliche Folgen

Die Umsetzung dieser neuen Kapitalanforderungen könnte weitreichende Folgen für die Geschäftstätigkeit und Strategie von UBS haben. Analysten gehen davon aus, dass die höheren Kapitalanforderungen die Profitabilität der Bank beeinträchtigen und eine Überprüfung ihrer langfristigen Pläne erzwingen könnten. Der Aktienkurs der Bank hat die regulatorische Unsicherheit bereits zu spüren bekommen und sich schlechter entwickelt als jener vergleichbarer US-amerikanischer und europäischer Banken. Die Situation verdeutlicht, wie sorgfältig die Schweizer Behörden die Finanzstabilität sichern und zugleich die Wettbewerbsfähigkeit des für die Schweiz wichtigen Bankensektors erhalten müssen.