Finanzen
UBS-Chef wird Europas bestbezahlter Bank-CEO
UBS-CEO Sergio Ermotti führt die Rangliste der Bankvergütungen in Europa mit einem jährlichen Gesamtpaket von 14,9 Millionen CHF an. Dies spiegelt die grossen Veränderungen in der Führung der Schweizer Banken wider.

14,9 Millionen CHF. Das ist der schwindelerregende Preis für Führung an der Spitze des Schweizer Bankwesens heute. Sergio Ermotti hat nicht einfach das Ruder bei der UBS übernommen, sondern die europäische Bankenlandschaft vollständig dominiert und sich den Titel des bestbezahlten Bank-CEOs des Kontinents für 2024 gesichert. Der Manager aus dem Kanton Tessin definiert neu, was es bedeutet, einen globalen Finanzkonzern zu führen. Sein Vergütungspaket beläuft sich auf umgerechnet 16,9 Millionen Dollar.
Das ist nicht bloss ein Gehalt, sondern ein klares Signal. Ermottis Einkommen liegt deutlich über dem Durchschnitt seiner Kollegen, die die zehn grössten Banken Europas führen. Während die UBS durch die komplexe Zeit nach der Übernahme der Credit Suisse navigiert, hat der Verwaltungsrat unmissverständlich sein Vertrauen in den erfahrenen Chef bekundet. Während andere Führungskräfte bescheidene Zuwächse verzeichnen, steht Ermotti allein an der Spitze und symbolisiert die entschiedene Rückkehr der Schweizer Banken auf die globale Bühne. Die Zahl ist kühn, die Botschaft klar: Spitzenleistungen verlangen Spitzenvergütungen.
Die Konkurrenz abgehängt: Europas Vergütungsgefälle
Während Ermotti auf dem Thron sitzt, zeigt der Kampf um den zweiten Platz einen heftigen, wenn auch weit entfernten Wettbewerb. Andrea Orcel, CEO der italienischen UniCredit, ist der einzige Rivale in Reichweite. Er erhält ein Vergütungspaket von 13,2 Millionen Euro (12,6 Millionen CHF). Orcel legt kräftig zu und kann eine Erhöhung seiner Vergütung um satte 32 Prozent vorweisen, den grössten Sprung unter den zehn Spitzenverdienern. Dennoch liegt er mehr als zwei Millionen Franken hinter dem UBS-Chef.
Nach diesen beiden Schwergewichten fällt die Vergütung steil ab. Christian Sewing von der Deutschen Bank, der den deutschen Finanzriesen führt, belegt mit 9,8 Millionen Euro weit abgeschlagen den dritten Platz. Damit knackt er nicht einmal die Schwelle von zehn Millionen Euro. Die von Bloomberg berechneten Daten machen die wachsende Kluft zwischen der Schweizerisch-italienischen Bankenelite und ihren nördlichen Konkurrenten sichtbar. Santander-Chef Hector Grisi folgt mit 8,3 Millionen Euro. Das ist eine beachtliche Summe, die im Vergleich zum Geldsegen in Zürich dennoch verblasst. Die Rangordnung steht fest: Die Schweiz führt, Italien folgt und der Rest Europas versucht aufzuschliessen.
Der Gewinnmotor: Warum die Vergütungen in die Höhe schnellen
Diese astronomischen Beträge fallen nicht vom Himmel. Der europäische Bankensektor profitiert derzeit von einer beispiellosen Gewinnwelle, die durch eine ideale Kombination wirtschaftlicher Bedingungen angetrieben wird. Die gestiegenen Zinssätze haben die Bilanzen verändert und den Banken ermöglicht, aussergewöhnlich hohe Gewinne zu erzielen, die in der Zeit der Negativzinsen undenkbar waren. Dieser finanzielle Geldsegen hat sich direkt auf die Vergütung der Führungskräfte ausgewirkt, da Verwaltungsräte jene belohnen, die dieses Umfeld erfolgreich nutzen.
Die Märkte reagieren ebenso begeistert. Die Aktienkurse im gesamten Sektor sind stark gestiegen, und im ersten Quartal dieses Jahres hat sich die Rally noch beschleunigt. Dieser Aufwärtstrend schafft eine Rückkopplung zwischen Wertschöpfung und Belohnung. Wenn die Aktienkurse in die Höhe schnellen, lösen leistungsabhängige Anreize massive Auszahlungen aus. Ermotti und seine Kollegen ernten die Früchte eines Sektors, der über reichlich Geld verfügt und seiner Entwicklung zuversichtlich entgegenblickt. Der sprunghafte Anstieg des Vermögens von Führungskräften steht jedoch in starkem Kontrast zu den allgemeinen wirtschaftlichen Belastungen der Arbeitnehmenden und verleiht diesen glänzenden Zahlen eine zusätzliche Brisanz.
Ein markanter Unterschied: Das Ende der Rangliste
Die Unterschiede fallen besonders stark ins Auge, wenn man die untere Hälfte der zehn Spitzenverdiener betrachtet. Während Ermotti fast 15 Millionen CHF erhält, verdienen die CEOs grosser französischer und niederländischer Institute nur einen Bruchteil davon. Slawomir Krupa von der Société Générale erhielt 5 Millionen Euro, während Jean-Laurent Bonnafé von BNP Paribas 4,2 Millionen Euro verdiente. Diese Beträge wirken nur im Vergleich zum Schweizer Grosskonzern bescheiden.
Am Ende der Liste wird aus der Kluft ein tiefer Graben. Steven van Rijswijk von der ING erhielt 2,7 Millionen Euro, und Philippe Brassac von Crédit Agricole schloss die Liste mit 2,6 Millionen Euro ab. Zur Einordnung: Sergio Ermotti verdient mehr als fünfmal so viel wie Brassac pro Jahr. Diese enorme Diskrepanz verweist nicht nur auf die individuelle Leistung, sondern auch auf grundlegende Unterschiede in der Unternehmenskultur und der Vergütungsphilosophie über die europäischen Grenzen hinweg. In der Hochrisikowelt des Schweizer Bankwesens sind die Belohnungen grenzenlos. Wie die Zahlen zeigen, spielt der Rest Europas jedoch ein völlig anderes Spiel.