Umwelt
Zwanzig Jahre Bären in der Schweiz: ein Meilenstein im Artenschutz
Die Schweiz begeht den 20. Jahrestag der ersten Bärensichtung seit dem Aussterben der Art. Seit 2005 wurden 22 Bären dokumentiert, derzeit lebt jedoch nur einer im Unterengadin.

Der 25. Juli 2005 markierte einen Wendepunkt in der Geschichte des Schweizer Artenschutzes: Nach 101 Jahren Abwesenheit wurde erstmals wieder ein Bär im Land gesichtet. Diese historische Sichtung kündigte die natürliche Rückkehr einer Art an, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf Schweizer Gebiet vollständig ausgerottet worden war. Die Rückkehr der Bären in die Schweiz zählt zu den bemerkenswertesten Comeback-Geschichten der europäischen Tierwelt und unterstreicht den Erfolg regionaler Schutzbemühungen sowie die Bedeutung grenzüberschreitender Wildtierkorridore.
Zwanzig Jahre Überwachung
In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben Schweizer Wildtierbehörden 22 Bären dokumentiert, die alle aus dem italienischen Trentino stammten. Die Überwachungsdaten zeigen, dass die meisten Bären nur vorübergehend hier waren und lediglich fünf länger als ein Jahr blieben. Bei diesen Bären handelte es sich ausschliesslich um junge Männchen, die bei Eintritt der Geschlechtsreife in der Regel nach Italien zurückkehrten. Derzeit besteht der Bärenbestand aus einem einzigen Tier, das im Unterengadin in der Nähe des Schweizerischen Nationalparks lebt. Dies verdeutlicht, wie schwierig es ist, eine dauerhafte Population aufzubauen.
Herausforderungen beim Artenschutz
Trotz der erfolgreichen Rückkehr der Bären auf Schweizer Gebiet ist der Aufbau einer dauerhaften Population mit mehreren Herausforderungen verbunden. Das grösste Hindernis ist das Fehlen von Bärinnen, wodurch eine natürliche Fortpflanzung in der Schweiz verhindert wird. Zudem deutet der vorübergehende Aufenthalt der meisten Bären darauf hin, dass die Vernetzung von Lebensräumen und der Umgang mit Konflikten zwischen Mensch und Tier entscheidend dafür sind, eine nachhaltige Bärenpopulation zu fördern. Die Schweizer Behörden haben Massnahmen zum Schutz von Nutztieren und Bienenstöcken umgesetzt und zeigen damit ihr Engagement für das Zusammenleben von Bären und menschlichen Aktivitäten.
Aussichten für die Zukunft
Die Zukunft der Bären in der Schweiz scheint vielversprechend, auch wenn weiterhin Herausforderungen bestehen. Fachleute der Gruppe Wolf Schweiz (GWS) weisen darauf hin, dass die wachsende Bärenpopulation im benachbarten Trentino dazu führen könnte, dass künftig Bärinnen auf Schweizer Gebiet gelangen und möglicherweise eine fortpflanzungsfähige Population entsteht. Diese Aussicht unterstreicht, wie wichtig es ist, grenzüberschreitende Schutzbemühungen aufrechtzuerhalten und auszubauen. Während die Schweiz ihre Strategien für das Wildtiermanagement weiter anpasst, könnten die nächsten zwanzig Jahre entscheidend dafür sein, ob Bären wieder dauerhaft zum Schweizer Alpenökosystem gehören.