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Swiss Observer

Touristenausgaben in der Schweiz erreichen trotz starkem Franken neuen Höchststand

Ausländische Besucherinnen und Besucher gaben 2024 in der Schweiz CHF 19,6 Milliarden aus, was einem Wachstum von 2,2 % trotz währungsbedingter Herausforderungen entspricht, während die Ausgaben der Schweizer Bevölkerung im Ausland um 7,8 % stiegen.

Touristenausgaben in der Schweiz erreichen trotz starkem Franken neuen Höchststand
AISWI swissinfo.ch

Der Schweizer Tourismussektor hat einmal mehr seine Widerstandskraft bewiesen und die Erwartungen mit einem beachtlichen Umsatz von CHF 19,6 Milliarden im Jahr 2024 übertroffen. Trotz der anhaltenden Stärke des Schweizer Frankens, die jeden Kaffee und jede Bergbahnfahrt für Besucherinnen und Besucher teurer macht, stiegen die Ausgaben ausländischer Gäste solide um 2,2 %. Dies ist nicht bloss eine Erholung, sondern ein Zeichen für die anhaltende Anziehungskraft des Landes.

Das Bundesamt für Statistik (BFS) bestätigte am Montag, dass sich internationale Reisende von den Preisen nicht abschrecken lassen, wenn es sich um erstklassige Schweizer Gastfreundschaft handelt. Die wirtschaftliche Logik legt nahe, dass eine starke Währung die Tourismusexporte ersticken sollte, doch die "Marke Schweiz" hat sich dieser Schwerkraft widersetzt. Der Kapitalzufluss ist entscheidend und zeigt, dass Reisende mit hohem Budget Erlebnisse über Wechselkurse stellen. Dieser Erfolg hat jedoch einen Haken: Der Spielraum für Fehler wird kleiner. Da der globale Wettbewerb zunimmt, hängt die Fähigkeit der Schweiz, diese Premiumpreise zu verlangen, vollständig davon ab, dass sie gleichbleibend hohe Dienstleistungsstandards aufrechterhält.

Schweizer Portemonnaies fliessen über die Grenzen

Während Geld hereinfliesst, fliesst noch schneller Geld hinaus. Die Ausgaben der Schweizer Wohnbevölkerung im Ausland stiegen alarmierend um 7,8 % und erreichten gewaltige CHF 18,9 Milliarden. Die Lücke schliesst sich rasch. Die "Tourismusbilanz" des Landes, also der Überschuss der eingehenden Tourismusgelder gegenüber den ausgehenden Ausgaben der Wohnbevölkerung, ist auf nur noch CHF 720 Millionen gesunken. Im Vorjahr lag der gesunde Überschuss noch bei CHF 1,7 Milliarden, und der Trend ist unübersehbar: Die Schweizerinnen und Schweizer tragen ihre starken Franken anderswo aus.

Diese dramatische Entwicklung zeigt ein zweischneidiges Schwert. Dieselbe Währungsstärke, die den Tourismus im Inland unter Druck setzt, ermöglicht es Schweizer Bürgerinnen und Bürgern, über die Grenze hinweg ein komfortables Leben zu führen. Bei einer Kaufkraft auf Rekordniveau ist die Verlockung ausländischer Ferien unwiderstehlich. Die Daten des BFS zeichnen das Bild einer Bevölkerung, die ihren wirtschaftlichen Vorteil nutzen möchte, und lassen die einheimischen Gastgewerbebetriebe um lokale Kundschaft kämpfen. Setzt sich diese Entwicklung fort, könnte die Schweiz bald mit einem Handelsdefizit im Tourismus konfrontiert sein, ein Szenario, das früher undenkbar gewesen wäre.

Hotels und Spitäler treiben den Boom an

Was treibt den Zufluss von CHF 19,6 Milliarden an? Es sind nicht nur Sehenswürdigkeiten, sondern eine strukturelle Zunahme der Nachfrage. Das BFS meldet einen kräftigen Anstieg der Logiernächte in Hotels und Apartments um 3,8 %. Die Betten sind belegt, und die Kassen klingeln. Dieses Volumen ist der Haupttreiber des Umsatzwachstums und gleicht aus, dass einzelne Reisende bei den täglichen Ausgaben sparsamer sind.

Ausserdem bleibt die Schweiz ein globaler Knotenpunkt für spezialisierte Dienstleistungen. Die Einnahmen aus Spital- und Studienaufenthalten stiegen um 3,0 % und unterstreichen die Stellung des Landes als führendes Ziel für Medizintourismus und hochwertige Bildung. Dabei handelt es sich nicht um Gelegenheitstouristen, sondern um Gäste mit hoher Wertschöpfung, die länger bleiben und deutlich mehr ausgeben. Die Daten zeigen jedoch eine gespaltene Wirtschaft: Während Übernachtungsgäste und Medizintouristen grosszügig ausgeben, sind die Ausgaben von Tagesausflüglern leicht gesunken. Die Botschaft ist klar: Die Schweiz festigt ihre Position als Luxusdestination und verdrängt faktisch den Markt der einfachen Tagesbesucher.

Der Aufschwung der Schnäppchenjäger

Die dynamischste Wachstumskennzahl im Bericht 2024 entfällt auf die grenzüberschreitenden Einkäufer. Die Ausgaben von Schweizer Tagesbesucherinnen und -besuchern im Ausland, sogenannte Einkaufstouristen, schossen um 9,4 % in die Höhe. Das ist nicht bloss eine Statistik, sondern ein Verhaltenswandel. Mit einem starken Franken im Rücken plündern Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten zunehmend häufig Supermärkte und Einkaufszentren in den Nachbarländern Deutschland, Frankreich und Italien.

Diese Daten, bei denen das BFS anmerkt, dass sie durch eine grössere Revision der Berechnung der Haushaltsbudgeterhebungen beeinflusst wurden, zeigen einen kritischen Abfluss in der einheimischen Detailhandelswirtschaft auf. Während die Schweizer Hotels ein Rekordjahr feiern, kämpfen lokale Händler in Grenzstädten mit einer Abwanderung ihrer Kundschaft. Der Anstieg der Ausgaben für kurze Übernachtungsreisen ins Ausland um 7,2 % verschärft das Problem zusätzlich. Die Richtung für 2025 ist damit vorgegeben: Der Kampf um das Schweizer Portemonnaie wird nicht in den Alpen, sondern an den Grenzübergängen ausgetragen.