Sicherheit
Zehn Ermittlungen mit Terrorismusbezug in der Schweiz
Die Bundespolizei gibt bekannt, dass derzeit rund zehn Ermittlungen mit Terrorismusbezug laufen. Im Zentrum stehen dschihadistische Propaganda und Terrorismusfinanzierung, während die Besorgnis über die Radikalisierung Jugendlicher wächst.

Die Schweiz steht derzeit vor einer erheblichen sicherheitspolitischen Herausforderung: Das Fedpol bestätigt, dass rund zehn Ermittlungen mit Terrorismusbezug laufen. In einer deutlichen Offenlegung räumte Fedpol-Direktorin Eva Wildi-Cortés mit der Vorstellung einer stillen Neutralität auf. Sie erklärte unmissverständlich, dass die Bundesbehörden aktiv Fälle im Zusammenhang mit dschihadistischer Propaganda und der Finanzierung des Terrorismus verfolgen. Dabei handelt es sich nicht um ein theoretisches Risiko, sondern um eine konkrete Lage, die sofortige Ressourcen erfordert.
Die Bekanntgabe erfolgt zu einem entscheidenden Zeitpunkt für die nationale Sicherheit der Schweiz. Während die Öffentlichkeit die Schweiz oft als Zufluchtsort vor den Turbulenzen der Welt betrachtet, lassen diese Ermittlungen einen dunkleren Unterton erkennen. Der Fokus auf die Finanzierung ist besonders bedeutsam: Er macht deutlich, welche Rolle die Schweiz als Finanzplatz spielt und wie wichtig es ist, die Ausnutzung ihrer Systeme durch extremistische Netzwerke zu verhindern. Wildi-Cortés’ Ankündigung ist ein Weckruf: Die Bedrohung ist da, sie ist aktiv, und die Bundespolizei arbeitet unter hohem Einsatz daran, diese Netzwerke zu zerschlagen, bevor sie zuschlagen können.
Radikalisierung Jugendlicher nimmt stark zu
Ein besonders grosses Sorgenkind der Strafverfolgungsbehörden ist die rasch zunehmende Radikalisierung Jugendlicher, die Wildi-Cortés als «sehr besorgniserregend» bezeichnet. Wie dringend diese Bedrohung ist, zeigte sich erst letzte Woche, als bekannt wurde, dass ein Anschlag mit Beteiligung eines 18-jährigen Schweizer Staatsangehörigen verhindert worden war. Dabei handelt es sich nicht um einen Einzelfall, sondern um ein Symptom einer weit verbreiteten digitalen Ansteckung. Der Verdächtige befindet sich nun in Untersuchungshaft und steht beispielhaft für eine Bevölkerungsgruppe, die zunehmend anfällig für extremistische Erzählungen im Internet ist.
Das Internet ist zur neuen Front geworden. Minderjährige werden in der Privatsphäre ihres eigenen Zuhauses gezielt angesprochen, manipuliert und radikalisiert, wobei traditionelle Schutzmechanismen im sozialen Umfeld umgangen werden. Dieser Wandel zwingt die Strafverfolgungsbehörden, von der physischen Überwachung zu einer komplexen digitalen Überwachung überzugehen. Der verhinderte Anschlag im Frühling zeigt auf erschreckende Weise, wie schnell Aussagen im Internet in reale Gewalt münden können. Die Behörden versuchen nun, diese digitalen Wege rechtzeitig zu unterbrechen, bevor weitere junge Schweizerinnen und Schweizer von Ideologien von aussen instrumentalisiert werden.
Organisierte Kriminalität wirft lange Schatten
Neben ideologischen Bedrohungen sieht sich die Schweiz mit einer zunehmenden Welle organisierter Kriminalität konfrontiert, die das Sicherheitsgefüge des Landes zu verändern droht. Bundesanwalt Stefan Blättler hat eine düstere Prognose abgegeben und davor gewarnt, dass die Schweiz ohne entschlossenes Handeln innerhalb der nächsten 10 bis 15 Jahre von gewalttätigen Bandenkriegen ähnlich wie in Schweden heimgesucht werden könnte. Diese dramatische Vorhersage aus den höchsten Justizkreisen signalisiert, dass die aktuelle Entwicklung nicht nachhaltig ist.
Die Lage vor Ort stützt diese düstere Einschätzung. Wildi-Cortés zufolge ist die Zahl der innerhalb der Schweizer Grenzen tätigen kriminellen Organisationen «sehr gross». Ihre Netzwerke sind fest im Drogenhandel, Waffenschmuggel und Menschenhandel verankert. Dabei geht es nicht um Kleinkriminalität, sondern um die Aktivitäten hochentwickelter internationaler Syndikate. Das Zusammentreffen von Terrorismusfinanzierung und organisierter Kriminalität bildet eine komplexe Hydra, die Bundesanwaltschaft und Polizei zerschlagen müssen. Die Warnung ist klar: Das Zeitfenster, um eine tief verwurzelte Bandenkriminalität zu verhindern, schliesst sich.
Die Zukunft der Schweiz sichern
Das Zusammentreffen von radikalisierten Jugendlichen, Terrorismusfinanzierung und Syndikaten der organisierten Kriminalität bringt die Schweiz an einen entscheidenden Punkt. Die Behörden beobachten diese Entwicklungen nicht bloss, sie gehen aktiv dagegen vor. Der Weg nach vorn erfordert jedoch mehr als Polizeiarbeit: Er verlangt eine gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem Wandel der Sicherheitslage. Die zehn laufenden Ermittlungen sind nur die Spitze des Eisbergs in einem umfassenderen Kampf um die Aufrechterhaltung des Schweizer Sicherheitsstandards.
Während Fedpol und die Bundesanwaltschaft ihre Bemühungen verstärken, lautet die Botschaft an die Öffentlichkeit: Wachsam bleiben. Die von Blättler vorausgesagte «düstere Zukunft» ist nicht unvermeidlich. Um sie zu verhindern, muss jedoch anerkannt werden, dass der Handel mit Drogen, Waffen und Menschen Realität ist, und keine ferne Fiktion. Die Schweiz hält stand, doch der Kampf zum Schutz ihrer Grenzen und ihrer Jugend vor Radikalisierung und Kriminalität verschärft sich von Tag zu Tag.