Infrastruktur
Der Modernisierungsplan für das Schweizer Stromnetz: 5,5 Milliarden Franken
Swissgrid kündigt bis 2040 massive Investitionen in die Strominfrastruktur an, darunter 31 Grossprojekte zur Stärkung der nationalen Stromversorgung.

Das Rückgrat der Schweizer Energieversorgung steht vor einer historischen Finanzspritze von 5,5 Milliarden Franken. Swissgrid hat einen umfangreichen Investitionsplan vorgestellt, mit dem die Stromversorgung des Landes bis 2040 gesichert werden soll. Damit vollzieht sich ein klarer Wandel: weg von der Instandhaltung, hin zu einer umfassenden Modernisierung. Es geht nicht bloss um eine Aufrüstung, sondern um die entscheidende Stärkung der nationalen Infrastruktur gegen die dreifache Herausforderung durch Dekarbonisierung, Digitalisierung und Dezentralisierung.
Das Vorhaben hat enorme Ausmasse. Swissgrid macht sich daran, 31 Grossprojekte umzusetzen, eine strategische Mischung aus 25 bestehenden Vorhaben und sechs ganz neuen Projekten. Während Europa mit den Herausforderungen der Energiewende ringt, verfolgt die Schweiz einen proaktiven Ansatz und stellt sicher, dass ihr Stromnetz den schwankenden Anforderungen erneuerbarer Energien und der zunehmenden Elektrifizierung gewachsen ist. Dieses Engagement in Milliardenhöhe unterstreicht eine klare Tatsache: Das Stromnetz der Vergangenheit kann die Schweiz der Zukunft nicht versorgen. Die Investition ist ein mutiges Bekenntnis dazu, dass die Versorgungssicherheit nicht verhandelbar ist. Damit positioniert sich das Schweizer Stromnetz als leistungsfähige, zukunftssichere Lebensader im Herzen Europas.
Die Karte neu zeichnen: Ausbau und Spannung
Swissgrid nimmt nicht bloss kleinere Anpassungen am System vor, sondern zeichnet die Energielandschaft physisch neu. Der Netzbetreiber plant den Bau von 790 Kilometern völlig neuer Leitungen. Diese massive Erweiterung ist nötig, um Energie durch das anspruchsvolle Schweizer Gelände zu transportieren. Obwohl der Bund Freileitungen bevorzugt, bleiben die technischen Herausforderungen beträchtlich. Der Ausbau ist entscheidend, um Engpässe zu beseitigen, die derzeit die Effizienz der nationalen Versorgung gefährden.
Gleichzeitig holt der Netzbetreiber mehr Leistung aus der bestehenden Infrastruktur heraus. Geplant ist, Spannung und Leistung auf 400 Kilometern des heutigen, 6700 Kilometer langen Netzes deutlich zu erhöhen. Dieser doppelte Ansatz, neue Leitungen zu bauen und bestehende auszubauen, ist für ein Stromnetz unerlässlich, das sich an schwankende erneuerbare Energiequellen wie Sonne und Wind anpassen muss. Durch die Verstärkung dieser Übertragungskorridore stellt Swissgrid sicher, dass Strom aus abgelegenen alpinen Stauseen oder dezentralen Solaranlagen die städtischen Zentren ohne Verluste oder Unterbrüche erreicht.
Das Herzstück des Stromnetzes: Intelligente Steuerung der Stromflüsse
Strom allein genügt nicht, wenn er nicht gesteuert werden kann. Deshalb investiert Swissgrid stark in die «Steuerzentrale» des Betriebs. Die Strategie sieht den Einsatz von 21 neuen regelbaren Transformatoren vor. Diese hochentwickelte Technologie ermöglicht es, die Stromflüsse präzise zu steuern. Derzeit verfügt das Netz über lediglich 22 solcher Anlagen. Im Rahmen des neuen Plans sollen 11 neue Transformatoren ins Netz aufgenommen und 10 veraltete Anlagen ersetzt werden.
Diese Transformatoren sind entscheidend für die moderne Versorgungssicherheit. Sie fungieren als Verkehrsleitstellen des Stromnetzes, lenken den Strom dorthin, wo er am dringendsten benötigt wird, und verhindern Überlastungen. Besonders wichtig ist ihre Rolle beim Stromimport, der für die Schweiz eine strategische Notwendigkeit darstellt, vor allem in den energieintensiven Wintermonaten. Mit verstärkten Investitionen in diese Technologie verbessert Swissgrid die Möglichkeit, das Schweizer Netz in das grössere europäische Stromnetz zu integrieren. So soll die Schweiz ein stabiler Energieknotenpunkt bleiben und nicht zu einer isolierten Insel werden.
Gegen den Verschleiss: Eine dringende Erneuerung
Die Zeit drängt angesichts der alternden Schweizer Infrastruktur, und Swissgrid kämpft gegen den Verschleiss. Erstaunliche zwei Drittel der Übertragungsleitungen des Landes sind mittlerweile mehr als 60 Jahre alt. Diese Zahl zeigt, wie anfällig das heutige System ist. Um dem entgegenzuwirken, sieht die Netzstrategie 2040 eine umfassende Erneuerung von 1300 Kilometern des Stromnetzes vor.
Dabei handelt es sich nicht um optionale Instandhaltung, sondern um einen entscheidenden Eingriff. Sich in einer Zeit hoher digitalisierungsbedingter Nachfrage auf eine überalterte Infrastruktur zu verlassen, ist ein Risiko, das sich die Schweiz nicht leisten kann. Die Erneuerungsarbeiten werden parallel zu den Ausbauprojekten durchgeführt und stellen den Netzbetreiber vor komplexe logistische Herausforderungen. Das Ergebnis wird jedoch ein erneuertes Stromnetz sein, das eine weitere Generation lang bestehen kann. Indem Swissgrid diese «Verschleisskrise» mit Milliardeninvestitionen direkt angeht, stellt das Unternehmen sicher, dass das Licht brennt, die Züge weiterfahren und die Schweizer Wirtschaft über ein zuverlässiges, modernisiertes Netz mit Strom versorgt wird.