Landwirtschaft
Bund warnt vor «hohem Risiko» einer Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest in die Schweiz
Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) warnt vor einem hohen Risiko, dass die Afrikanische Schweinepest die Schweiz erreicht. Es fordert Reisende und Jägerinnen und Jäger zu strengen Desinfektionsmassnahmen auf und rät davon ab, Schweinefleisch aus betroffenen europäischen Regionen einzuführen.

Die Schweiz steht einer unmittelbar drohenden biologischen Gefahr gegenüber: Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) hat für die Afrikanische Schweinepest (ASP) eine Warnung der Stufe «hohes Risiko» herausgegeben. Es handelt sich nicht um eine weit entfernte Gefahr, sondern um eine konkrete und gegenwärtige Bedrohung für das Rückgrat der Schweizer Landwirtschaft. Während die Schweiz derzeit frei vom Erreger ist, warnt der Bund, dass eine Übertragung auf Hausschweinbestände nun «jederzeit möglich» sei. Anlass zur Sorge ist das erschreckende Wiederaufflammen des Virus in Italien im vergangenen April, das die jahrelang sinkenden Fallzahlen auf dem Kontinent zunichtemachte. Der Schatten des Virus liegt über einem Land, das stolz auf seine hohen Standards in der Nutztierhaltung ist. Das BLV mahnt nicht bloss zur Vorsicht, sondern fordert Jägerinnen und Jäger, Reisende und Landwirtinnen und Landwirte zu höchster Wachsamkeit auf. Es steht viel auf dem Spiel: Ein Ausbruch könnte die Schweizer Schweinefleischindustrie schwer treffen, zu massenhaften Keulungen und sofortigen Exportverboten führen und der Wirtschaft Verluste in Millionenhöhe bescheren. Während sich das Virus der Grenze nähert, wird das Zeitfenster für vorbeugende Massnahmen rasch kleiner.
Ein widerstandsfähiges tödliches Virus
Das ASP-Virus ist ein biologischer Überlebenskünstler, der von der Natur darauf ausgelegt ist, auch unter härtesten Bedingungen zu überdauern. In Blut, Tierkadavern und sogar verarbeiteten Fleischprodukten bleibt es aussergewöhnlich lange ansteckend. Genau diese Widerstandsfähigkeit in der Umwelt ist der Grund, weshalb der Bund menschliches Verhalten als wichtigsten Übertragungsweg ins Visier nimmt. Ein einziges weggeworfenes Schinkensandwich aus einer betroffenen Region oder ein Paar ungewaschene Jagdstiefel könnte eine nationale Krise auslösen. In seiner Risikoanalyse bezeichnet das BLV den Menschen als risikoreiche Brücke, über die das Virus in die Schweiz gelangen könnte. Das nationale Früherkennungsprogramm läuft derzeit auf Hochtouren: Alle 25 kürzlich untersuchten Wildschweine wurden negativ getestet. Diese 25 Tests bilden jedoch nur eine dünne Verteidigungslinie gegen ein Virus, das sich unbemerkt ausbreiten kann. Die Behörden fordern Schweinehalterinnen und Schweinehalter auf, «unklare Symptome» umgehend einer Tierärztin oder einem Tierarzt zu melden. In diesem Wettlauf gegen die Zeit ist Schweigen der grösste Verbündete der Krankheit, und eine rasche Meldung der einzige Schutz, der der Schweizer Landwirtschaft zur Verfügung steht.
Rückschläge in Europa schlagen Alarm
Die Fortschritte in Europa sind an eine verheerende Grenze gestossen. Im deutschen Sachsen erlitt der Kampf gegen die ASP diesen Frühling einen schweren Rückschlag, nachdem die Behörden die Krankheit nach einem ganzen Jahr ohne Fälle zuvor für «erfolgreich getilgt» erklärt hatten. Diese Kehrtwende zeigt, dass das Virus nicht nur hartnäckig, sondern auch opportunistisch ist: Es wartet darauf, dass die Biosicherheit nachlässt. Spanien kämpft unterdessen mit einem Anstieg der Fallzahlen und muss die Sperrzonen ausweiten. Diese Rückschläge im Ausland zeigen auf düstere Weise, was die Schweiz verhindern muss. Das BLV hält fest, dass die Zahl der Fälle bei Wildschweinen in Europa weiterhin hoch ist und mit weiteren Meldungen zu rechnen sei. Der «Rückschlag» in Sachsen ist ein Weckruf für die Schweiz: Ein Sieg über die ASP ist nie von Dauer. Das Virus kennt weder Grenzen noch Abkommen. Während Nachbarländer neue Sperrzonen einrichten und mit der Eindämmung der Ausbreitung kämpfen, gerät die Schweiz zunehmend in eine isolierte und prekäre Lage. Sie ist umgeben von Regionen, in denen das Virus wieder die Oberhand gewinnt.
Die Schweizer Grenze schützen
Der Auftrag des Bundes ist klar: desinfizieren, erkennen und unterlassen. Das BLV rät nun dringend davon ab, Schweinefleisch oder Wildschweinfleisch aus betroffenen europäischen Regionen einzuführen. Für die Schweizer Jägerschaft sind die Vorgaben unmissverständlich: Schuhe, Kleidung, Ausrüstung und Fahrzeuge müssen vor der Rückkehr in die Schweiz sorgfältig gereinigt und desinfiziert werden. Es geht nicht mehr um persönliche Vorlieben, sondern um die Biosicherheit des Landes. Der Blick richtet sich nun auf die Wildschweinbestände in den Schweizer Wäldern. Die 25 negativen Tests sind zwar ein Anlass für vorübergehende Erleichterung, machen aber nur einen winzigen Teil der Gesamtpopulation aus. Die Strategie des Bundes hängt von einem engmaschigen «nationalen Früherkennungsnetz» ab, das straff gespannt bleiben muss. Sollte das Virus die Grenze überwinden, würde der Wechsel von der «Prävention» zum «Krisenmanagement» unmittelbar erfolgen. Die Botschaft an alle ist einfach: Mit den eigenen Reiseentscheidungen und Hygienestandards trägt jede und jeder dazu bei, die Schweizer Landschaft zu schützen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Schweiz eine sichere Insel bleibt oder zum nächsten Opfer der Schweinepest in Europa wird.