Beziehungen USA-Schweiz
Schweiz genehmigt Mandat für Zollverhandlungen mit den Vereinigten Staaten
Der Schweizer Bundesrat hat grünes Licht für formelle Verhandlungen mit Washington über ein Handelsabkommen zur Abschaffung von Industriezöllen gegeben. Dies ist ein wichtiger Schritt zur Stärkung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Ländern.

Das Warten hat endlich ein Ende. In einem entscheidenden Schritt, der monatelangen Spekulationen ein Ende setzt, hat der Schweizer Bundesrat formelle Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten offiziell genehmigt. Ziel ist ein umfassendes Abkommen über Industriezölle. Es handelt sich nicht länger nur um diplomatisches Gerede, sondern um ein konkretes Mandat, das die Schweiz ins Zentrum einer wirtschaftsdiplomatischen Auseinandersetzung mit viel auf dem Spiel bringt. Am Mittwoch bestätigte die Regierung, dass der Weg für den Beginn der Gespräche nun frei ist. Damit bekräftigt sie ihr Engagement, die Beziehungen zu ihrem zweitgrössten Handelspartner zu stärken.
Dieses Mandat ist kein Blankoscheck. Ihm gingen intensive Konsultationen mit den aussenpolitischen Kommissionen des Parlaments und den Kantonen voraus, die zu wichtigen Präzisierungen führten. Die Regierung hat ihre Zuständigkeit geltend gemacht, bleibt aber an der kurzen Leine: Sollten die Verhandlungen vom vereinbarten Umfang abweichen und neue Themen oder nicht genehmigte Bereiche umfassen, werden die Kantone und Kommissionen nicht nur informiert, sondern erneut konsultiert. Diese Schutzvorkehrung stellt sicher, dass Bern zwar verhandeln will, sich aber nicht überrollen lässt. Die Botschaft an Washington ist unmissverständlich: Die Schweiz ist gesprächsbereit, aber nur zu Bedingungen, die den inneren Konsens respektieren.
Die Zeit drängt: Frist bis zum 31. März
Washington bittet nicht um ein Abkommen, sondern fordert eines, und die Zeit drängt. Die Vereinigten Staaten haben ein klares Ultimatum gestellt: Bis zum 31. März muss ein rechtlich bindendes Zollabkommen abgeschlossen werden. Wird diese straffe Frist verpasst, könnte dies schwerwiegende Folgen haben. Das Weisse Haus droht, die für Schweizer Exporte geltenden Zollsätze zu überprüfen und möglicherweise neu festzulegen. Damit stehen die Schweizer Verhandlungsführer unter enormem Druck, in kürzester Zeit Ergebnisse zu erzielen.
Die Grundlage für diese Dringlichkeit wurde im November mit einer Absichtserklärung gelegt, die die wirtschaftliche Lage bereits deutlich verändert hat. Diese Erklärung, die rückwirkend ab Anfang Dezember gilt, senkte die Zölle von drastischen 39 % auf nur noch 15 %. Diese massive Senkung gibt einen verlockenden Vorgeschmack darauf, was ein umfassendes Abkommen bewirken könnte. Die Haltung der USA ist jedoch klar: Die derzeitige Vereinbarung ist lediglich ein Auftakt. Wird in den nächsten Monaten kein dauerhaftes, verbindliches Abkommen unterzeichnet, könnte die wirtschaftliche Entlastung, von der Schweizer Exporteure derzeit profitieren, so schnell wieder verschwinden, wie sie gekommen ist.
Rote Linien: Keine Einschränkungen bei Fleisch oder Motorfahrzeugen
Während die Tür für Verhandlungen offen ist, hat die aussenpolitische Kommission des Nationalrats sie bei bestimmten Fragen zugeschlagen und nicht verhandelbare rote Linien gezogen. Zum Schutz der inländischen Interessen lehnte die Kommission Vorschläge mit Bezug zur ökologischen Nachhaltigkeit kategorisch ab, die Einschränkungen bei Fleischimporten und Fahrzeugzulassungen vorgesehen hätten. Diese Ablehnung macht eine zentrale Spannung deutlich: Die Schweiz strebt eine wirtschaftliche Integration an, ohne ihre Regulierungsautonomie oder ihre landwirtschaftlichen Standards aufzugeben.
Zudem verlangte die Kommission klare Angaben zu finanziellen Engagements. Sie betonte, dass eine mögliche Investition von 200 Milliarden CHF in den Vereinigten Staaten ausschliesslich privat bleiben müsse. Jede Vorstellung von staatlich gestütztem Kapitalfluss über den Atlantik wurde zurückgewiesen. Diese Unterscheidung ist wichtig, um die finanzielle Neutralität der Schweiz zu wahren. Die Kommission des Ständerats hat sich unterdessen für Schweigen entschieden und keine öffentlichen Einzelheiten zu ihren Beratungen bekannt gegeben. Dieses bewusste Zurückhalten soll die Verhandlungsposition der Regierung stärken und nicht offenlegen.
Skepsis in der Bevölkerung steigt auf 63 %
Trotz des Drängens der Regierung auf ein Abkommen ist die Schweizer Bevölkerung nach wie vor zutiefst skeptisch. In einer kürzlich durchgeführten Umfrage des öffentlich-rechtlichen Senders RTS hielten 63 % der Befragten das Abkommen für schlecht für die Schweiz. Diese überwältigende Skepsis steht in starkem Gegensatz zum diplomatischen Optimismus in Bern. Während der Bundesrat eine Chance sieht, den Zugang für die Industrie zu sichern, befürchten Durchschnittsbürgerinnen und -bürger offenbar, dass Schweizer Werte oder die wirtschaftliche Sicherheit aufs Spiel gesetzt werden könnten.
Diese Diskrepanz stellt die Regierung vor eine grosse Herausforderung. Ein Handelsabkommen auszuhandeln ist schon schwierig genug, es einer misstrauischen Bevölkerung zu vermitteln, ist ein ganz anderer Kampf. Während die Verhandlungsführer versuchen, die amerikanische Frist einzuhalten, müssen sie sich zugleich damit auseinandersetzen, dass fast zwei Drittel der Bevölkerung, die sie vertreten, dem Vorhaben mit Misstrauen begegnen. Sollten die endgültigen Bedingungen diese Bedenken in der Öffentlichkeit nicht berücksichtigen, könnten die politischen Folgen ebenso schwerwiegend sein wie die wirtschaftlichen Auswirkungen.