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Swiss Observer

Schweiz nimmt Verhandlungen mit den USA über ein Zollabkommen auf

Die Schweizer Regierung hat ein Verhandlungsmandat für ein neues Handelsabkommen mit den Vereinigten Staaten genehmigt. Ziel ist es, die derzeitigen Industriezölle durch einen günstigeren Pauschalsatz zu ersetzen, gestützt auf eine Absichtserklärung vom November.

Schweiz nimmt Verhandlungen mit den USA über ein Zollabkommen auf
AISWI swissinfo.ch

Der Bundesrat hat sein Zögern offiziell beendet und ist zur Tat geschritten. Am Freitag genehmigte die Schweizer Regierung formell den Entwurf des Verhandlungsmandats für ein wegweisendes Handelsabkommen mit den Vereinigten Staaten. Damit signalisiert sie eine drastische Wende in den transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen. Dabei handelt es sich nicht bloss um eine diplomatische Formalität, sondern um einen entscheidenden Schritt, um die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Industrie in einem zunehmend protektionistischen Weltmarkt zu sichern. Auf Grundlage der am 14. November unterzeichneten Absichtserklärung ist Bern nun auf einen Kurs festgelegt, der darauf abzielt, die Spielregeln mit seinem wichtigsten Wirtschaftspartner ausserhalb der EU neu zu bestimmen.

Die Dringlichkeit ist spürbar. Mit der Genehmigung dieses Mandats will die Regierung eine unverbindliche Absichtserklärung in verbindliches Recht überführen. Für die Schweizer Exporteure, die mit prohibitiv hohen Kosten zu kämpfen haben, steht viel auf dem Spiel. Dieser entschlossene Vorstoss leitet eine gründliche Konsultationsphase mit den parlamentarischen Kommissionen und den Kantonen ein. Die Botschaft der Regierungsspitze ist jedoch klar: Die Schweiz ist bereit zu verhandeln, und zwar sofort.

Zölle senken: Der milliardenschwere Handel

Die Zahlen, die diesen Verhandlungen zugrunde liegen, sind enorm. Im Zentrum des Mandats steht das wichtige Ziel, die drückenden Abgaben auf Schweizer Industrieexporte von erdrückenden 39 Prozent auf einen tragbaren Pauschalsatz von 15 Prozent zu senken. Diese massive Reduktion könnte Schweizer Herstellern einen erheblichen Vorteil verschaffen, nachdem sie lange unter überhöhten US-Zöllen gelitten haben. Washington macht jedoch keine Geschenke, sondern verlangt Gegenseitigkeit. Als deutliches Zeichen ihres wirtschaftlichen Engagements haben Schweizer Unternehmen angekündigt, in den nächsten fünf Jahren mindestens 200 Milliarden Dollar in die US-Wirtschaft zu investieren.

Der Bundesrat bewegt sich jedoch auf einem schmalen Grat. Während die USA Zugeständnisse verlangen, hat Bern bei der digitalen Souveränität eine klare Grenze gezogen. Die Regierung bestätigte ausdrücklich, dass sie auf die Einführung einer Digitalsteuer verzichten wird, sodass elektronische Übertragungen zollfrei bleiben. Dieser Balanceakt, eine Entlastung bei den Industriezöllen gegen Investitionszusagen einzutauschen und zugleich den digitalen Sektor zu schützen, prägt die komplexe Ausgestaltung des Abkommens. Zudem müssen allfällige Zollzugeständnisse an die USA strikt mit der heiklen Schweizer Agrarpolitik vereinbar sein, einem unverzichtbaren Pfeiler der innenpolitischen Stabilität.

Vertrauen in der Bevölkerung schwindet angesichts der Vorwürfe der «Goldbarren-Diplomatie»

Während die Regierung vorwärtsdrängt, regt sich in der Bevölkerung Widerstand. Eine aufsehenerregende Umfrage zeigt, dass fast zwei Drittel der Schweizer Bevölkerung erhebliche Bedenken gegen dieses Handelsabkommen haben. Die Skepsis ist spürbar und wird von der Befürchtung genährt, die Schweiz gebe zu viel für zu wenig auf. Kritiker haben die Verhandlungen als «Goldbarren-Diplomatie» bezeichnet. Der abwertende Ausdruck legt nahe, dass nationale Interessen geopfert würden, um der amerikanischen Wirtschaftspolitik nachzugeben. Diese Kluft zwischen dem Ehrgeiz des Bundesrats und der Zurückhaltung der Stimmberechtigten sorgt für ein angespanntes politisches Klima.

Die Skepsis kommt nicht von ungefähr. Das enorme Ausmass der Investitionszusage von 200 Milliarden Dollar steht den unsicheren Zugeständnissen der USA gegenüber und lässt viele fragen, ob Bern übervorteilt wird. Die Debatte um ein «Handelsabkommen mit Trump» überschattet die Verhandlungen. Die Regierung steht nun vor einem doppelten Kampf: Sie muss mit Washington hart verhandeln und zugleich im Inland um Zustimmung werben, um eine misstrauische Bevölkerung davon zu überzeugen, dass das Abkommen wirtschaftlich notwendig und keine Kapitulation ist.

Durch das parlamentarische Minenfeld navigieren

Die Tinte auf dem Entwurf des Verhandlungsmandats ist kaum trocken, doch die eigentliche Herausforderung beginnt erst jetzt. Der Bundesrat muss sich durch die zuständigen parlamentarischen Kommissionen und die Kantone navigieren. Die Konsultation ist keine blosse Formsache, sondern eine Belastungsprobe für das gesamte Abkommen. Jedes Zugeständnis an die USA, insbesondere solche mit Auswirkungen auf die Landwirtschaft, wird genauestens geprüft. Die Kantone setzen sich mit Nachdruck für ihre lokalen Wirtschaftsinteressen ein und haben erheblichen Einfluss. Werden ihre Interessen bedroht, könnten sie den Prozess ausbremsen.

Der Zeitplan ist ehrgeizig. Die in der Absichtserklärung festgehaltenen Punkte müssen rasch umgesetzt werden, damit das aktuelle politische Zeitfenster genutzt werden kann. Angesichts der schwindenden Zustimmung in der Bevölkerung und der zunehmenden Kritik politischer Gegner ist jedoch keineswegs sicher, dass die Regierung ein endgültiges Abkommen zustande bringt. Die Schweiz steht an einem Scheideweg: Sie kann einen modernisierten Handelsrahmen sichern, der ihre Exportwirtschaft belebt, oder internem Druck nachgeben und eine historische Chance verstreichen lassen.