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Swiss Observer

Schweiz nimmt als Beobachterin an Sitzung des US-geführten Gaza-«Friedensrats» teil

Die Schweiz wird als Beobachterin an der ersten Sitzung des «Friedensrats» in Washington teilnehmen, einer von den USA geleiteten Initiative mit Schwerpunkt auf dem Wiederaufbau des Gazastreifens. Das Aussendepartement hat die Teilnahme bestätigt und damit die Unterstützung für den US-Friedensplan bekräftigt. Über eine formelle Mitgliedschaft wird später entschieden.

Schweiz nimmt als Beobachterin an Sitzung des US-geführten Gaza-«Friedensrats» teil
AISWI swissinfo.ch

Die Schweiz tritt diesen Donnerstag in Washington aus dem Schatten und direkt ins geopolitische Rampenlicht. In einem bedeutenden Schritt hat das Aussendepartement ihre Teilnahme an der ersten Sitzung des von den USA geleiteten «Friedensrats» als Beobachterin bestätigt. Damit stellt Bern sicher, dass die Schweiz vor Ort Einblick in eine der wichtigsten diplomatischen Initiativen des Jahres 2026 erhält. Während sich der Bundesrat mit einer Vollmitgliedschaft zurückhält, ist die Delegation alles andere als unauffällig. Angeführt wird sie von den Schwergewichten Monika Schmutz Kirgöz, Leiterin der Abteilung Naher Osten und Nordafrika, und Ralf Heckner, dem Schweizer Botschafter in Washington.

Das ist nicht bloss ein Höflichkeitsbesuch, sondern ein gezieltes Zeichen der Präsenz. Mit einem Platz am Verhandlungstisch stellt die Schweiz sicher, dass sie in den sich entwickelnden Geschehnissen im Nahen Osten eine relevante Rolle spielt. Der Beobachterstatus ermöglicht es der Schweiz, sich sofort einzubringen, ohne die Mitgliedschaft verbindlich zu besiegeln. Dieser taktische Schritt bewahrt ihre Flexibilität und gewährt zugleich Zugang zum inneren Kreis der US-amerikanischen Entscheidungsfindung. Während die Welt auf Washington blickt, stellt die Schweiz sicher, dass sie Teil des Gesprächs ist und nicht bloss im Nachhinein als Zuschauerin das Protokoll liest.

Die Milliardenhürde für den Beitritt

Eine Milliarde US-Dollar (770 Millionen Franken): So hoch ist der Preis für eine permanente Mitgliedschaft in Präsident Trumps «Friedensrat». Die Initiative wurde im vergangenen Januar am Weltwirtschaftsforum in Davos mit grossem Pomp lanciert. Sie verlangt eine finanzielle Verpflichtung, die in der internationalen Gemeinschaft für Aufsehen gesorgt hat. Während die US-Regierung dies als notwendige Investition in die globale Stabilität darstellt, hat die schiere Höhe des Beitrags unter potenziellen Verbündeten eine deutliche Kluft geschaffen.

Die Europäische Union leistet bereits Widerstand. In einem Schritt, der die Spannungen zwischen Brüssel und Washington verdeutlicht, kündigte die EU am Montag an, eine Beobachterin zu entsenden, der Organisation jedoch kategorisch nicht beizutreten. Sie begründete dies mit erheblichen Bedenken hinsichtlich der Führung und der Vereinbarkeit mit der Charta der Vereinten Nationen. Die Schweiz steht nun vor derselben Weggabelung. Der Bundesrat muss eine entscheidende Frage beantworten: Verpflichtet er sich mit fast 800 Millionen Franken zu einer von Trump geleiteten Initiative, um die Rolle der Schweiz als Vermittlerin zu festigen, oder folgt er dem vorsichtigen Kurs der EU? Vorerst verschafft der Beobachterstatus Aufschub bei dieser milliardenschweren Frage.

Ausrichtung an der US-Strategie

Die Tagesordnung in Washington ist klar auf den Wiederaufbau des Gazastreifens ausgerichtet. Die Teilnahme der Schweiz signalisiert eine deutliche Übereinstimmung mit der aktuellen Ausrichtung der US-Aussenpolitik in der Region. Das Aussendepartement hat ausdrücklich erklärt, dass die Teilnahme die Unterstützung für den Gaza-Friedensplan der Vereinigten Staaten und die Resolution 2803 des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen bekräftigt. Dies ist eine bedeutende Neuausrichtung: Der von den USA vorgelegte «Umfassende Plan zur Beendigung des Konflikts in Gaza» wird als künftiger Fahrplan unterstützt.

Beim Wiederaufbau geht es nicht nur um Ziegel und Mörtel, sondern auch um die politische Architektur. Indem sich die Schweiz im Friedensrat engagiert, erkennt sie an, dass der Weg zu Stabilität in Gaza derzeit über Washington führt. Die Sitzung soll die weit gefassten Ziele der Resolution 2803 in konkrete Massnahmen überführen und damit den Schritt vom diplomatischen Text zum praktischen Handeln ermöglichen. Die Erfahrung der Schweiz in der humanitären Hilfe und der Infrastrukturentwicklung macht sie zu einer wichtigen potenziellen Partnerin. Der politische Kontext des von den USA geleiteten Plans bleibt jedoch die treibende Kraft hinter dem Gipfeltreffen.

Diplomatische Gratwanderung

Bern verfolgt eine ausgeklügelte langfristige Strategie. Das Aussendepartement betrachtet die Sitzung als ausgezeichnete Gelegenheit, «Kontakte zu Entscheidungsträgern in der US-Regierung zu stärken» und die Schweiz in ihrer historischen Rolle als Vermittlerin und Mediatorin zu positionieren. Der innenpolitische und europäische Druck ist jedoch spürbar. Während ehemalige Ministerinnen und Minister die Regierung auffordern, den Friedensrat vollständig abzulehnen, stellt die EU dessen Legitimität infrage. Die Schweizer Delegation muss daher eine äusserst schmale Gratwanderung zwischen Engagement und Zustimmung bewältigen.

Die Charta des «Friedensrats» reicht weit über Gaza hinaus und zielt darauf ab, bewaffnete Konflikte weltweit zu lösen. Dieser Geltungsbereich könnte mit den traditionellen Mechanismen der UNO kollidieren. Mit ihrer Teilnahme als Beobachterin gewinnt die Schweiz Zeit. So kann der Bundesrat den tatsächlichen Einfluss und die Führungsstruktur des Friedensrats beurteilen, bevor er eine verbindliche Entscheidung trifft. Während sich die geopolitische Lage verändert, setzt die Schweiz darauf, dass es sicherer ist, im Raum zu sein, auch ohne Stimmkarte, als ausgeschlossen zu bleiben.