Politik
Die ranghöchste Schweizer Wirtschaftsbeamtin tritt zurück
SECO-Direktorin Helene Budliger Artieda, eine der ranghöchsten Schweizer Handelsbeamtinnen, verlässt ihr Amt im März 2027. Während ihrer Amtszeit wurden wichtige Abkommen mit Indien und dem Mercosur abgeschlossen und Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten geführt.

Helene Budliger Artieda verlässt die Schweizer Wirtschaftsverwaltung Ende März 2027. Die Direktorin des Staatssekretariats für Wirtschaft, kurz SECO, hat dem Eidgenössischen Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung mitgeteilt, dass sie eine neue berufliche Herausforderung annehmen möchte.
Ihr Rücktritt folgt auf eine Zeit, in der die Schweiz bedeutende Handelsgeschäfte mit Partnern in verschiedenen Regionen abgeschlossen hat. Budliger Artieda leitet das SECO seit August 2022 und verantwortete den Abschluss von Freihandelsabkommen mit Indien und den Mercosur-Staaten. Ihr Amt spielte zudem eine zentrale Rolle in den Gesprächen der Schweiz mit Washington über Zölle.
Die Ankündigung gibt dem Bundesrat Zeit, eine Nachfolge zu bestimmen, bevor Budliger Artieda ihr Amt verlässt. Dieser Übergang ist wichtig für Exporteure, Hersteller und Unternehmen, die auf einen verlässlichen Zugang zu ausländischen Märkten angewiesen sind. Das SECO koordiniert einen grossen Teil der Wirtschafts- und Handelsverwaltung des Bundes. Damit steht seine Direktorin im Zentrum von Verhandlungen, die Schweizer Unternehmen weit über Bern hinaus betreffen.
Das Departement gab den Rücktritt am Mittwoch bekannt. Swissinfo veröffentlichte den Bericht am 17. September 2026 und berief sich dabei auf die Mitteilung des Departements.
Indien und der Mercosur prägen ihre Bilanz
Indien und der Mercosur wurden zu den wichtigsten handelspolitischen Erfolgen während Budliger Artiedas Amtszeit beim SECO. Während sie das Staatssekretariat leitete, unterzeichnete die Schweiz mit beiden Partnern Freihandelsabkommen und setzte damit ihre Bemühungen fort, den Marktzugang über Europa hinaus zu sichern.
Die Abkommen sind für eine kleine, exportorientierte Volkswirtschaft besonders bedeutsam. Schweizer Pharma-, Maschinenbau-, Lebensmittel- und Präzisionsfertigungsunternehmen sind auf internationale Lieferketten und Verkäufe im Ausland angewiesen. Die ursprüngliche Mitteilung enthält jedoch weder Zahlen nach Branchen noch eine Schätzung der wirtschaftlichen Auswirkungen der Abkommen.
Der Mercosur bringt die Schweiz den Mitgliedstaaten des südamerikanischen Staatenbunds handelspolitisch näher. Das Abkommen mit Indien eröffnet einen weiteren Zugang zu einer der grössten Volkswirtschaften der Welt. Beide Abkommen zeigen auch die Bandbreite der Aufgaben des SECO, von Zollregelungen bis hin zu den umfassenderen Regeln für den Handel zwischen der Schweiz und ausländischen Märkten.
Budliger Artiedas Amtszeit wird daher auch an Abkommen gemessen werden, die nach ihrem Rücktritt weiterhin gelten. Der nächste SECO-Direktor übernimmt die Verantwortung für deren Umsetzung und für die praktischen Anliegen der Schweizer Unternehmen. Dazu gehören die Pflege der Kontakte zu den Partnerregierungen und die Unterstützung von Unternehmen beim Verständnis der Bedingungen für den neuen Marktzugang.
US-Zölle stellen die Schweizer Handelsdiplomatie auf die Probe
Der Zollkonflikt mit den USA war einer der folgenreichsten Momente in Budliger Artiedas Amtszeit. Die Schweiz und die Vereinigten Staaten einigten sich im November 2025 auf Zölle. Darauf folgte eine Absichtserklärung, die eine Senkung der US-Einfuhrzölle auf zahlreiche Schweizer Produkte anstrebte.
Ziel war eine Senkung von 39 % auf 15 %. Aus der Mitteilung geht weder hervor, welche Produkte betroffen waren, noch ob die Senkung vollständig umgesetzt wurde. Sie zeigt jedoch, unter welchem Druck die Schweizer Wirtschaftsdiplomatie steht, wenn Zölle die Wettbewerbsfähigkeit der Exporteure auf dem amerikanischen Markt gefährden.
Die Gespräche unterstrichen zudem, wie wichtig der direkte Austausch zwischen Bern und Washington ist. Die Schweizer Handelspolitik muss ihre engen Beziehungen zu den europäischen Märkten mit dem wirtschaftlichen Gewicht der Vereinigten Staaten und den Anforderungen anderer wichtiger Partner in Einklang bringen. Die SECO-Direktorin arbeitet bei der Pflege dieses Beziehungsnetzes mit dem Aussendepartement und dem Wirtschaftsdepartement zusammen.
Budliger Artiedas Nachfolgerin oder Nachfolger übernimmt die weitere Umsetzung der Vereinbarung mit den USA sowie allfällige zusätzliche Verhandlungen mit Washington. Für Schweizer Unternehmen zeigt sich das Ergebnis in Zollrechnungen, Lieferverträgen und dem Zugang zu Kundinnen und Kunden. Die Zahlen verdeutlichen die Tragweite, auch wenn die Mitteilung den finanziellen Wert der Vereinbarung nicht beziffert.
Die Nachfolge muss die Agenda weiterführen
Budliger Artieda tritt nach mehr als vier Jahrzehnten im Schweizer Bundesdienst zurück. Ihre Laufbahn begann sie 1985 beim Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten. Danach war sie an mehreren Auslandsposten tätig und leitete eine Abteilung im EDA.
Zu ihren diplomatischen Stationen gehörten Botschafterinnenposten in Südafrika und Thailand, bevor sie 2022 die Leitung des SECO übernahm. Ihr Werdegang verschaffte ihr Erfahrung sowohl in der traditionellen Diplomatie als auch in den wirtschaftlichen Verhandlungen, die die internationalen Beziehungen der Schweiz zunehmend prägen.
Die Regierung hat noch nicht bekannt gegeben, wer ihre Nachfolge antreten wird, und auch keinen Zeitplan für das Auswahlverfahren genannt. Bis Ende März 2027 bleibt Budliger Artieda für das SECO und dessen Arbeit in den Bereichen Handelsbeziehungen und Wirtschaftspolitik sowie für die Umsetzung bereits abgeschlossener Abkommen verantwortlich.
Ihre Nachfolgerin oder ihr Nachfolger übernimmt eine Institution mit einem breiten Aufgabengebiet. Die Schweiz muss ihre bestehenden Handelsbeziehungen pflegen und zugleich neue Möglichkeiten in grossen und schnell wachsenden Märkten erschliessen. Zur Amtsübergabe gehört auch die praktische Umsetzung der Abkommen mit Indien, dem Mercosur und den Vereinigten Staaten. Bislang steht nur das Rücktrittsdatum fest. Wie es weitergeht, hängt von der Wahl der SECO-Leitung durch den Bundesrat ab.