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Swiss Observer

Schweiz schliesst eine Fentanyl-Krise wie in den USA aus

Gesundheitsministerin Elisabeth Baume-Schneider versichert dem Parlament, dass das Schweizer Gesundheitssystem über wirksame Massnahmen verfügt, um eine Fentanyl-Epidemie zu verhindern.

Schweiz schliesst eine Fentanyl-Krise wie in den USA aus
AISWI swissinfo.ch

Die Schweiz hält der Opioidwelle stand. In einer entschiedenen Ansprache vor dem Parlament hat Gesundheitsministerin Elisabeth Baume-Schneider die Vorstellung kategorisch zurückgewiesen, die Eidgenossenschaft stehe am Rande einer Fentanyl-Katastrophe wie in den USA. Mit unerschütterlicher Zuversicht räumte sie wachsende Bedenken aus und erklärte, die Situation in der Schweiz unterscheide sich grundlegend von den krisengeplagten Strassen Nordamerikas.

«Ich möchte nicht, dass die Menschen denken, die Schweiz sei denselben Risiken ausgesetzt wie die USA», bekräftigte Baume-Schneider. Ihre Botschaft setzte sich deutlich von der internationalen Panikmache ab. Das ist nicht bloss Rhetorik, sondern eine durchdachte Einschätzung eines Gesundheitssystems, das stolz auf seine Widerstandsfähigkeit ist. Während die Welt den Vereinigten Staaten dabei zusieht, wie sie mit einer beispiellosen Überdosierungsepidemie kämpfen, hält die Schweizer Regierung ihr bestehendes Instrumentarium nicht nur für ausreichend, sondern für robust. Die Botschaft aus Bern ist klar: Panik ist unnötig, und die Lage ist unter strenger Kontrolle.

Gegen eine tödliche globale Epidemie gewappnet

Fentanyl ist eine chemische Gefahr und wirkt sage und schreibe 50-mal stärker als Heroin. Allein diese Zahl lässt Gesundheitsbehörden weltweit erschaudern. In den Vereinigten Staaten richtet dieses synthetische Opioid verheerende Schäden an, zerstört Gemeinschaften und überlastet die Notfalldienste. Die Schweiz weigert sich jedoch, das nächste Opfer zu werden.

Baume-Schneiders Zusicherung kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. Die Substanz ist nicht nur wegen ihrer Stärke gefährlich, sondern auch, weil sie unbemerkt bleibt. Die Ministerin betonte jedoch, dass sich die Schweizer Instrumente zur Schadensminderung und Drogenpolitik über Jahrzehnte fortschrittlichen Handelns «bewährt» hätten. Anders als die andernorts zu beobachtende reaktive Hektik setzt die Schweiz auf eine vorausschauende, etablierte Infrastruktur. Die Bedrohung ist real, doch die Abwehr ist stärker. Die Regierung ignoriert die tödliche Wirkung der Droge nicht. Vielmehr ist sie überzeugt, dass der Schweizer Schutzschild stark genug ist, um eine ähnliche Katastrophe zu verhindern.

Zürich rüstet sich gegen den unsichtbaren Killer

Während der Bund Ruhe ausstrahlt, gehen die Kantone kein Risiko ein. Zürich hat vorsorglich einen grossen Vorrat von 1'000 Dosen Naloxon beschafft, dem lebensrettenden Gegenmittel bei Opioidüberdosierungen. Dieser Schritt signalisiert erhöhte Wachsamkeit in der grössten Stadt der Schweiz und zeigt, dass Zuversicht nicht mit Selbstzufriedenheit gleichzusetzen ist.

Diese Beschaffung ist eine strategische Vorsichtsmassnahme. Die Stadt bereitet sich auf einen Kampf vor, den sie hoffentlich nie führen muss. Auf kommunaler Ebene, wo es auf konkrete Umsetzung ankommt, sind die Sorgen deutlich spürbar. Zwar gibt es im Land keine etablierte «Fentanyl-Szene», doch die Substanz hat die Grenze bereits überschritten. In Zürich wurde sie bei zwei verschiedenen Gelegenheiten nachgewiesen, heimlich mit anderen Drogen vermischt. Diese Einzelfälle sind ein Warnsignal. Indem Zürich die Ersthelfenden jetzt mit Naloxon ausstattet, stellt die Stadt sicher, dass das Gegenmittel bereits zur Hand ist, falls der unsichtbare Killer versuchen sollte, Fuss zu fassen.

Wachsamkeit, obwohl es keine etablierte Szene gibt

Auf den Strassen ist es weiterhin ruhig, doch in den Labors herrscht Betrieb. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) steht in ständigem Austausch mit Städten und Kantonen und unterhält ein Überwachungsnetz, das selbst die geringsten Veränderungen auf dem Drogenmarkt erkennen soll. Es ist ein Informationskrieg.

Dass es in der Schweiz keinen weit verbreiteten Fentanylmarkt gibt, ist ein Beleg für die einzigartige Vier-Säulen-Drogenpolitik des Landes. Der Nachweis verunreinigter Proben in Zürich beweist jedoch, dass die Grenzen nicht hermetisch abgeriegelt sind. Baume-Schneiders Departement ist bereit, die Massnahmen unverzüglich zu verstärken, sollte sich die Suchtproblematik ausbreiten. Die derzeitige Ruhe ist das Ergebnis strenger Wachsamkeit. Die Schweiz hofft nicht einfach auf das Beste, sondern überwacht aktiv, ob das Schlimmste eintritt. So soll sichergestellt werden, dass die verheerenden Szenen jenseits des Atlantiks ein fremder Albtraum bleiben und nie zur Realität im eigenen Land werden.