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Swiss Observer

Schweiz verzeichnete 2025 Rekordzahl an Unternehmensgründungen

Trotz wirtschaftlicher Gegenwinde verzeichnete die Schweiz 2025 ein Rekordjahr bei den Unternehmensgründungen: Es wurden über 55'000 neue Unternehmen gegründet, ein Anstieg von mehr als 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Beratung, Handwerk und Immobilien waren die führenden Branchen bei den Neugründungen.

Schweiz verzeichnete 2025 Rekordzahl an Unternehmensgründungen
AISWI swissinfo.ch

Die Schweiz hat der globalen wirtschaftlichen Unsicherheit getrotzt und frühere Höchstwerte übertroffen: 2025 wurden beeindruckende 55'654 neue Unternehmen gegründet. Das entspricht einem Anstieg von mehr als 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr und signalisiert eine beispiellose Welle unternehmerischen Vertrauens im ganzen Land. Während andere europäische Volkswirtschaften mit Stagnation kämpfen, pulsiert der Schweizer Markt mit neuer Energie, getragen von Risikofreudigen und Innovatoren, die nicht an der Seitenlinie stehen bleiben wollen.

Das IFJ Institut für Jungunternehmen bestätigte die Zahlen am Mittwoch und bezeichnete 2025 als historisches Rekordjahr für Unternehmensgründungen in der Schweiz. Das ist keine statistische Eintagsfliege, sondern ein Beleg für das robuste Fundament der Schweizer Wirtschaft. Von den belebten Strassen Genfs bis zu den Technologiezentren in Zug ist die Botschaft klar: Die Schweiz bleibt ein erstklassiger Standort, um Ideen in die Tat umzusetzen. Die grosse Zahl neuer Eintragungen zeigt, dass der Wunsch nach Selbstständigkeit und geschäftlichem Erfolg trotz Gegenwinds noch nie so gross war.

Beratung und Handwerk dominieren den Markt

Der Anstieg der Neugründungen verteilt sich nicht gleichmässig, sondern wird von bestimmten Branchen mit hoher Nachfrage getragen. Beratung, Handwerk und Immobilien erwiesen sich 2025 als die klaren Spitzenreiter. Diese drei Branchen lagen an der Spitze, dicht gefolgt vom Dienstleistungssektor, der Architektur und dem Ingenieurwesen. Dieser Branchenmix zeigt eine duale Wirtschaft: Das eine Standbein ist fest in der wissensbasierten Dienstleistungsbranche verankert, das andere bewahrt den langjährigen Ruf der Schweiz für präzises Handwerk und Infrastrukturausbau.

Die starke Stellung der Beratungsbranche deutet auf eine rasche Hinwendung zu spezialisiertem Fachwissen hin, da Unternehmen Unterstützung suchen, um sich in komplexen globalen Märkten zurechtzufinden. Der Aufschwung im Handwerk und bei den Immobilien verweist derweil auf eine konkrete, physische Entwicklung der Schweizer Landschaft. Unternehmerinnen und Unternehmer bieten nicht nur Beratung an, sondern gestalten auch die bauliche und strukturelle Zukunft des Landes. Diese Diversifizierung ist entscheidend: Sie stellt sicher, dass der Gründungsboom keine Blase ist, die von einem einzelnen Trend abhängt, sondern eine breit abgestützte wirtschaftliche Expansion.

Die Zentralschweiz gibt den Ton an

Während der nationale Durchschnitt beeindruckend ist, nahm die Geschäftstätigkeit in der Zentralschweiz besonders stark zu: Die Zahl der Neugründungen stieg dort um 13,3 Prozent. Damit lässt die Region den Rest des Landes weit hinter sich. Insbesondere die Kantone Zug, Appenzell Innerrhoden, Obwalden und Schaffhausen haben sich zu Wachstumszonen entwickelt und verzeichneten jeweils Zuwächse von mehr als 15 Prozent. Zug, seit Langem für sein unternehmensfreundliches Steuerumfeld bekannt, festigt damit weiter seinen Status als internationaler Magnet für Unternehmensansiedlungen.

Auch in der Westschweiz ist die Dynamik deutlich spürbar. Genf und das Wallis bleiben dynamische Zentren und verzeichneten Zuwächse von 8,6 beziehungsweise 4,8 Prozent. Freiburg und der Jura folgten diesem Trend. Das Bild ist jedoch nicht überall positiv. Das Tessin ist ein klarer Ausreisser und kämpft mit einem Rückgang der Unternehmensgründungen um 2,5 Prozent. Diese regionalen Unterschiede ergeben ein komplexes Bild der Wirtschaftslage: Während die Zentralschweiz an Fahrt gewinnt, tut sich der italienischsprachige Süden schwer, im aktuellen Boom Tritt zu fassen.

Das Konkursparadox erklärt

Neben der Rekordzahl an Neugründungen ist auch die Zahl der Unternehmensschliessungen gestiegen. Die Konkurse nahmen um beinahe ein Drittel zu und erreichten 2025 insgesamt 14'958 Fälle. Auf den ersten Blick wirkt diese Zahl alarmierend und deutet auf eine zugrunde liegende Instabilität hin. Entscheidend ist jedoch der Kontext. Ein beträchtlicher Teil des Anstiegs ist künstlich bedingt und geht auf eine am 1. Januar 2025 in Kraft getretene Gesetzesänderung zurück. Gemäss den neuen Regeln müssen öffentliche Verwaltungen und öffentlich-rechtliche Unternehmen nun Konkurs anmelden, was die Statistik deutlich ansteigen lässt.

Claude Federer, Direktor des Gläubigerverbands Creditreform, betont, dass diese «neue Regelung zu einem deutlichen Anstieg» formeller Verfahren geführt und die Vergleiche mit dem Vorjahr verzerrt habe. Zwar besteht wirtschaftlicher Druck, doch die Rohdaten zeichnen ein düstereres Bild, als es der Realität entspricht. Der Anstieg der Insolvenzen ist teilweise eine bürokratische Korrektur und kein Zeichen für einen systemischen Zusammenbruch. Dennoch bleibt der Markt mit beinahe 15'000 gescheiterten Unternehmen ein wettbewerbsintensives Umfeld, in dem das Überleben keineswegs garantiert ist.

Wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit in Bewegung

Die doppelte Entwicklung von Rekordzahlen bei den Neugründungen und steigenden Konkursen zeigt, was die Schweizer Wirtschaft 2025 auszeichnet: extreme Anpassungsfähigkeit. Wie das IFJ Institut festhält, veranschaulicht diese Dynamik ein System im ständigen Wandel, in dem Altes Platz für Neues macht. Dass der Schweizer Markt regulatorische Schocks auffangen und gleichzeitig über 55'000 neue Unternehmen hervorbringen kann, zeugt von einer Widerstandsfähigkeit, mit der nur wenige andere europäische Länder mithalten können.

Die Dynamik von 2025 setzt die Messlatte für die Zukunft hoch. Da zwanzig der 26 Kantone ein Wachstum meldeten, ist der Unternehmergeist kein auf wenige wohlhabende Regionen beschränktes Phänomen, sondern im ganzen Land zu beobachten. Die Herausforderung wird nun darin bestehen, das starke Wachstum in der Zentralschweiz und in Genf aufrechtzuerhalten und zugleich die rückläufigen Werte im Tessin wieder zu beleben. Vorläufig bleibt die Schweizer Wirtschaft ein dynamischer Motor der Entwicklung und beweist einmal mehr, dass Innovation auch in unsicheren Zeiten ihren Weg findet.