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Swiss Observer

Regierung prüft Rabatte auf meistverkaufte Medikamente zur Senkung der Gesundheitskosten

Im Rahmen von Massnahmen zur Eindämmung der steigenden Gesundheitskosten führt die Schweizer Regierung eine Vernehmlassung zu einem Vorschlag durch, für die 100 meistverkauften Medikamente mengenabhängige Rabatte einzuführen. Dadurch sollen jährlich CHF 350 Millionen eingespart werden.

Regierung prüft Rabatte auf meistverkaufte Medikamente zur Senkung der Gesundheitskosten
AISWI swissinfo.ch

Die Schweiz erklärt den stark steigenden Gesundheitskosten mit einer mutigen neuen Strategie den Kampf. Der Bundesrat will offiziell die Preise der am häufigsten verschriebenen Medikamente im Land senken. Dadurch sollen im Gesundheitssystem jährlich beeindruckende CHF 350 Millionen eingespart werden. Es handelt sich nicht bloss um einen Vorschlag, sondern um die dringende Umsetzung eines Auftrags, den das Parlament im vergangenen Jahr verabschiedet hat. Nun beginnt die entscheidende Vernehmlassung zu den erforderlichen Gesetzesänderungen.

Während die Bevölkerung mit dem unaufhaltsamen Anstieg der Krankenkassenprämien ringt, nimmt die Regierung die Schwergewichte der Pharmabranche ins Visier. Der Plan ist präzise und weitreichend: Es sollen verpflichtende mengenabhängige Rabatte eingeführt werden. Indem sie auf die Medikamente mit dem höchsten Absatz zielt, will die Regierung Hunderte Millionen Franken einsparen. Damit vollzieht sie einen klaren Kurswechsel in der Innenpolitik: Die finanzielle Gesundheit der Grundversicherung soll Vorrang haben, ohne dass, wie die Behörden betonen, die Qualität der Versorgung beeinträchtigt wird. Die Zeit drängt, und die Regierung treibt die Massnahmen voran, um ein System zu entlasten, das unter enormem finanziellem Druck steht.

Die Verkaufsschlager: Spitzenmedikamente kosten Milliarden

Die Zahlen zeigen ein frappierendes Ungleichgewicht bei den Ausgaben für Medikamente in der Schweiz. Die nationale Liste der Medikamente, die für die Grundversicherung zugelassen sind, umfasst zwar über 3'000 Produkte, doch ein winziger Teil davon verschlingt einen Grossteil der Mittel. Gerade einmal 80 bis 100 meistverkaufte Medikamente verursachen derzeit mehr als ein Drittel der Gesamtkosten aller vergüteten Medikamente.

Diese Konzentration der Kosten ist enorm. Allein diese Spitzenprodukte verursachen jährlich Kosten von CHF 3 Milliarden (USD 3,87 Milliarden). Der Unterschied ist deutlich: Die grosse Mehrheit der Medikamente auf der Liste belastet das System vergleichsweise wenig, während eine ausgewählte Gruppe von Blockbustern die Kosten in die Höhe treibt. Indem sich die Regierung gezielt auf diese Gruppe mit hohen Kosten und hohem Absatz konzentriert, setzt sie dort an, wo die grössten Ausgaben anfallen. Dieser gezielte Ansatz stellt sicher, dass die regulatorischen Bemühungen nicht für Produkte mit geringer Wirkung eingesetzt werden, sondern sich auf jene Produkte konzentrieren, die die grössten Reserven des Schweizer Gesundheitsbudgets aufzehren.

Menge statt Kosten: Die Preise neu gestalten

Der Mechanismus für diese Einsparungen ist ebenso direkt wie wirksam: Mengenrabatte. Die Überlegung dahinter lautet, dass der Stückpreis, den die Versicherer zahlen, mit steigendem Absatz eines bestimmten Medikaments deutlich sinken sollte. In fast allen anderen Wirtschaftszweigen ist dies gängige Praxis. Nun soll das Parlament sie auch in der Pharmabranche durchsetzen. Die am Donnerstag eröffnete Vernehmlassung soll den rechtlichen Rahmen schaffen, der für verbindliche mengenabhängige Preissenkungen erforderlich ist.

Preissenkungen bei Markenmedikamenten sind jedoch nur ein Teil der Strategie. Gleichzeitig setzt sich die Regierung für einen breiteren Wechsel zu günstigeren Alternativen ein. Dazu gehört, die Abgabe von Generika und Biosimilars zu fördern. Diese Medikamente bieten dieselben therapeutischen Vorteile wie ihre Markenprodukte, sind aber nur einen Bruchteil so teuer. Mit der Kombination aus vorgeschriebenen Rabatten auf die Verkaufsschlager und einem strukturellen Wechsel zu günstigeren Generika versucht die Schweiz, die Preisstruktur der medizinischen Versorgungskette von Grund auf neu zu gestalten.

Versorgung sichern und Prämien senken

Kritiker warnen oft, dass strenge Preiskontrollen zu Engpässen führen können. Diese Sorge ist in einem Land, das stolz auf seine medizinische Exzellenz ist, besonders gross. Die Schweizer Behörden begegnen diesen Bedenken jedoch direkt. Sie betonen ausdrücklich, dass sich die Arzneimittelkosten um CHF 350 Millionen senken lassen, «ohne die Versorgung mit Medikamenten zu beeinträchtigen». Die Regierung zeigt sich zuversichtlich: Die Margen bei diesen meistverkauften Medikamenten seien gross genug, um die Rabatte aufzufangen, ohne die Lieferkette zu stören.

Es ist ein Balanceakt mit hohem Einsatz. Ziel ist es, die Belastung für Prämienzahlende zu verringern, die Jahr für Jahr mit höheren monatlichen Kosten konfrontiert sind. Wenn die Massnahme erfolgreich ist, könnte sie als Vorbild dafür dienen, wie sich die Pharmariesen in die Schranken weisen lassen, ohne den Zugang der Patientinnen und Patienten zu beeinträchtigen. Im Verlauf der Vernehmlassung ist die Botschaft an die Branche klar: Die Zeit der ungebremsten Gewinne durch hohe Absatzmengen geht zu Ende. Im Zentrum steht nun die finanzielle Tragfähigkeit des Schweizer Gesundheitssystems.