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Swiss Observer

Schweiz verstärkt den Kampf gegen Femizide

Die Regierung kündigt neue Notfallmassnahmen an, darunter eine spezielle Hotline, die nächstes Jahr in Betrieb genommen wird, während die Zahl der Femizide 2025 einen Rekord erreicht.

Schweiz verstärkt den Kampf gegen Femizide
AISWI swissinfo.ch

Die Schweiz sieht sich mit einem beispiellosen Anstieg der Femizide konfrontiert. 2025 wurde mit 22 Fällen ein erschreckender Rekord verzeichnet. Diese alarmierende Situation hat auf höchster Regierungsebene umgehend Aufmerksamkeit ausgelöst und stellt den Ruf der Schweiz als eines der sichersten Länder der Welt infrage. Die Krise hat insbesondere die Gefahren im häuslichen Umfeld deutlich gemacht, wo Frauen und Kinder trotz des fortschrittlichen Sozialsystems des Landes zunehmend Risiken ausgesetzt sind.

Notfallmassnahmen der Regierung

Als Reaktion auf die Krise hat Gesundheitsministerin Elisabeth Baume-Schneider umfassende Notfallmassnahmen angekündigt. Eine wichtige Initiative ist die Einrichtung einer speziellen Notfallhotline im Jahr 2026, die gefährdeten Personen umgehend Unterstützung bieten soll. Die Regierung plant zudem für November eine gezielte Sensibilisierungskampagne, die gefährdete Personen über verfügbare Unterstützungsangebote informieren soll. Bund, Kantone und Gemeinden haben sich gemeinsam verpflichtet, Lücken bei den Notunterkünften zu schliessen und die Unterstützungsangebote auszubauen.

Jüngster tragischer Vorfall

Wie dringend die Lage ist, zeigte auf tragische Weise ein kürzlicher Vorfall in Corcelles, bei dem ein 52-jähriger Mann seine Ex-Frau und seine beiden Töchter tötete. Dieses verheerende Ereignis hat die Forderungen nach raschem Handeln verstärkt und verdeutlicht, wie gravierend die Femizidkrise in der Schweiz ist. Der Vorfall hat insbesondere die Gefährdung von Frauen und Kindern im häuslichen Umfeld sowie den dringenden Bedarf an wirksameren Präventionsmassnahmen aufgezeigt.

Reaktionen in der Öffentlichkeit und Proteste

Die steigende Zahl der Femizide hat in der Öffentlichkeit wachsende Besorgnis und Aktivismus ausgelöst. In Neuenburg versammelten sich rund 80 Menschen zu einer stillen Mahnwache, um der Opfer der Tragödie von Corcelles zu gedenken. Die Bewegung des Frauenstreiks engagiert sich besonders stark, organisiert Demonstrationen und fordert dringende Massnahmen des Parlaments. Die Demonstrierenden trugen eindringliche Botschaften wie «Feminismus stört, das Patriarchat tötet» und machten damit auf den breiteren gesellschaftlichen Kontext geschlechtsspezifischer Gewalt aufmerksam.

Künftige Präventionsmassnahmen

Mit Blick auf die Zukunft verstärkt die Schweiz ihre Bemühungen zur Verhinderung von Femiziden auf verschiedenen Ebenen. Der Bundesrat beschleunigt die Revision des Bundesgesetzes über die Hilfe an Opfer von Straftaten. In der Präventionsarbeit sollen zusätzliche Fachpersonen eingesetzt werden, zudem liegt erneut ein Schwerpunkt auf einer besseren Koordination zwischen den Behörden. Ministerin Baume-Schneider betont, dass Gesetzesänderungen allein nicht ausreichen. Sie fordert eine verstärkte Zusammenarbeit aller Behörden und einen besseren Zugang zu rechtzeitiger Hilfe für gefährdete Personen.