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Swiss Observer

Die Schweiz und die EU unterzeichnen nächste Woche ein neues Paket bilateraler Abkommen

Nach jahrelangen Verhandlungen soll am 2. März ein wegweisendes Abkommenspaket offiziell unterzeichnet werden, das die Beziehungen zwischen der Schweiz und der Europäischen Union vereinfachen und harmonisieren soll.

Die Schweiz und die EU unterzeichnen nächste Woche ein neues Paket bilateraler Abkommen
AIThe Local Switzerland

Der Montag, 2. März, markiert einen entscheidenden Wendepunkt in der europäischen Geschichte: Bern und Brüssel bereiten sich darauf vor, das wegweisende Paket «Bilaterale III» zu unterzeichnen. Nach Jahren der Unsicherheit treffen sich der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin und die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, in Brüssel, um das Abkommen offiziell zu besiegeln. Es verspricht, die wirtschaftliche und politische Landschaft des Kontinents neu zu gestalten. Dabei handelt es sich nicht bloss um einen Händedruck, sondern um den Abschluss eines diplomatischen Marathons mit hohen Einsätzen, der die seit über einem Jahrzehnt brüchigen Beziehungen stabilisieren soll.

Die Sprecherin der Europäischen Kommission, Paula Pinho, bestätigte die Tragweite des Ereignisses und bezeichnete es als «sehr gute Nachrichten, die den Bürgerinnen und Bürgern direkt zugutekommen». Die Unterzeichnungszeremonie bedeutet das Ende einer prekären Hängepartie für die Binnenlandschweiz, die fast vollständig von Mitgliedstaaten der EU umgeben ist. Mit dem Abschluss dieses umfassenden Pakets wollen beide Seiten eine Beziehung «vertiefen und ausbauen», die für die wirtschaftliche Gesundheit der Region entscheidend ist. Die Botschaft aus Brüssel ist klar: Die Ära der Zusammenarbeit von Fall zu Fall geht zu Ende, ein neues, solides Rahmenwerk tritt an ihre Stelle.

Von der diplomatischen Eiszeit zu den Bilateralen III

Der Mai 2021 bleibt ein wunder Punkt in der Schweizer Diplomatiegeschichte. Damals verliess die Schweiz einseitig den Verhandlungstisch und stürzte die Beziehungen in eine tiefe Eiszeit. Drei lange Jahre lang waren Schweigen und Unsicherheit bestimmend für das Verhältnis zwischen Bern und Brüssel. Der Abbruch der Gespräche hinterliess ein chaotisches Flickwerk aus über 120 veralteten Abkommen, das Mühe hatte, den Anforderungen der modernen wirtschaftlichen Realität gerecht zu werden. Es war ein riskantes Spiel, das die Schweizer Branchen einer ungewissen Zukunft aussetzte.

Doch die Widerstandsfähigkeit hat sich durchgesetzt. Drei Jahre später wurden die Verhandlungen mit neuer Dringlichkeit wieder aufgenommen und führten im Dezember 2024 zu einem weitgehenden Abschluss. Das Paket «Bilaterale III» ist das Ergebnis dieses mühsamen Prozesses und soll das veraltete Flickwerk durch ein gestrafftes, umfassendes System ersetzen. Diese Wiederbelebung der Diplomatie zeigt eine entscheidende Erkenntnis: Die Schweiz und die EU sind zu eng miteinander verflochten, um im Streit zu bleiben. Die bevorstehende Unterzeichnung ist ein Beleg dafür, dass pragmatische Notwendigkeit die politische Blockade überwinden kann.

Das Abkommenspaket: mehr als Handel

Dieses Abkommen ist weit mehr als ein einfaches Handelsabkommen. Es ist ein umfassender Fahrplan für die Zukunft der Schweizer Innovation und Gesellschaft. Auch wenn der vollständige Text umfangreich ist, sind wichtige Bestandteile bereits aktiviert worden. Das zeigt die ganze Breite der Agenda «Stabilisierung und Weiterentwicklung». Besonders wichtig ist, dass das Paket das Abkommen über die EU-Programme (EUPA) einschliesst, das bereits wichtige Protokolle für die Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung, Forschung, Innovation und Gesundheit ermöglicht hat.

Mit der Sicherung der Teilnahme in diesen wichtigen Bereichen bewahrt die Schweiz ihren Status als globale Forschungsmacht. Das Abkommen stellt sicher, dass Schweizer Hochschulen und Labors weiterhin in das europäische Netzwerk eingebunden bleiben und verhindert so einen «Brain-Drain», den Fachleute während des diplomatischen Stillstands befürchtet hatten. Zudem wird die Unterzeichnung von einer gemeinsamen Erklärung begleitet, die einen «hochrangigen Dialog» einrichtet und sicherstellt, dass die Kommunikationskanäle offen und lebendig bleiben. Damit erfolgt eine strategische Neuausrichtung: Weg von statischen Abkommen, hin zu einer lebendigen Partnerschaft, die sich an künftige Herausforderungen anpassen kann.

Die demokratische Bewährungsprobe steht bevor

Während am Montag in Brüssel vielleicht der Champagner fliesst, beginnt der eigentliche Kampf zu Hause erst jetzt. Die Unterzeichnung ist lediglich der Auftakt; das Ratifizierungsverfahren stellt eine beträchtliche demokratische Hürde dar. Die Schweizer Regierung dürfte das Paket nächsten Monat dem Parlament vorlegen, wo eine heftige Debatte so gut wie sicher ist. Jede Klausel der «Bilateralen III» wird von Parlamentarierinnen und Parlamentariern genau geprüft werden, die davor zurückschrecken, Souveränität abzugeben.

Die ultimative Prüfung steht jedoch dem Volk bevor. Gemäss Schweizer Tradition wird dieses Paket den Stimmberechtigten in einer Volksabstimmung vorgelegt werden. Paula Pinho räumte diese Realität ein und wies darauf hin, dass zum Verfahren auch der «Einbezug der Bevölkerung» gehört. Die Regierung muss nun von den Verhandlungen zur Überzeugungsarbeit übergehen und eine skeptische Wählerschaft davon überzeugen, dass dieses Abkommen den Wohlstand der Schweiz sichert, ohne ihre Unabhängigkeit zu gefährden. Die Tinte wird am 2. März trocknen, doch der Kampf um die Herzen und Köpfe der Schweizer Bevölkerung beginnt jetzt.