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Swiss Observer

Schweiz stellt Entwicklungshilfe für drei Länder ein

Die Schweizer Regierung kündigt an, die Entwicklungszusammenarbeitsprogramme in Albanien, Bangladesch und Sambia bis 2028 einzustellen, nachdem das Parlament Budgetkürzungen beschlossen hat.

Schweiz stellt Entwicklungshilfe für drei Länder ein
AISWI swissinfo.ch

Bis 2028 werden die Schweizer Entwicklungsgelder für Albanien, Bangladesch und Sambia versiegen. Der Bundesrat hat das Ende einer Ära für diese langjährigen Partnerschaften offiziell eingeläutet. Der Schritt unterstreicht eine dramatische Verschiebung der aussenpolitischen Prioritäten in Bern. Es handelt sich nicht um eine vorübergehende Pause, sondern um die definitive Beendigung bilateraler Entwicklungsprogramme, die von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) umgesetzt werden. Der am Mittwoch gefällte Entscheid ist eine unmittelbare Reaktion auf den zunehmenden Spardruck beim Bundeshaushalt, den das Parlament ausübt.

Für diese drei Länder läuft nun die Zeit, während die Schweiz einen schrittweisen Rückzug einleitet. Die diplomatischen Beziehungen bleiben bestehen, doch die finanzielle Lebensader der Entwicklungshilfe wird gekappt. Diese einschneidende Neuausrichtung zeigt, wie die Regierung versucht, den haushaltspolitischen Konservatismus im Inland mit ihren internationalen Verpflichtungen in Einklang zu bringen. Die Botschaft aus Bern ist unmissverständlich: Angesichts knapper werdender Ressourcen schrumpft die Liste der Empfängerländer, und schwierige Entscheidungen werden nicht länger aufgeschoben, sondern sofort umgesetzt.

Sparpolitik schlägt zu: Millionen beim Budget gestrichen

Die Zahlen zeichnen ein drastisches Bild der Sparpolitik. Das Parlament hat gezielt gekürzt und allein beim Budget für die internationale Zusammenarbeit 2025 satte 110 Millionen Franken gestrichen. Diese unmittelbare Kürzung ist erst der Auftakt. Der Finanzplan für die Jahre 2026 bis 2028 fällt noch deutlich knapper aus: Er wurde um massive 321 Millionen Franken gekürzt. Dabei handelt es sich nicht um geringfügige Anpassungen, sondern um einen deutlichen Rückgang des finanziellen Engagements der Schweiz in den Entwicklungsländern.

Die Regierung hatte mehr beantragt, doch das Parlament verlangte weniger. Diese Diskrepanz hat den Bundesrat zum Handeln gezwungen und Kürzungen nötig gemacht, die sich auf die bilaterale, wirtschaftliche und thematische Zusammenarbeit auswirken. Auch multilaterale Organisationen, die aufgrund ihrer Grösse oft geschützt sind, werden die Folgen des Schweizer Rückzugs spüren. Das Ausmass der Kürzungen, die sich in den kommenden vier Jahren auf insgesamt mehr als 430 Millionen Franken belaufen, zeigt den Willen des Parlaments, die Ausgaben einzudämmen, ungeachtet möglicher diplomatischer Spannungen im Ausland.

Strategische Neuausrichtung: Ukraine und Nothilfe bleiben verschont

Während die Entwicklungsgelder gekürzt werden, bleiben bestimmte Pfeiler der Schweizer Aussenpolitik unangetastet. In einer deutlichen strategischen Priorisierung sind die humanitäre Hilfe und die Friedensförderung von den Kürzungen ausgenommen. Entscheidend ist auch, dass die Hilfe für die Ukraine unverändert bleibt und von den Sparmassnahmen, die andere Programme massiv treffen, nicht betroffen ist. So entsteht ein scharfer Kontrast: Während die langfristige Entwicklung im Globalen Süden auf der Kippe steht, werden Krisenhilfe und die europäischen Sicherheitsinteressen konsequent geschützt.

Diese Zweiteilung des Budgets zeigt, wo die aktuellen Sorgen der Schweiz liegen. Der Krieg in der Ukraine hat eine Neuausrichtung der Prioritäten erzwungen und Bern dazu veranlasst, an seinen Verpflichtungen zur Stabilität auf dem europäischen Kontinent festzuhalten. Auch die humanitäre Hilfe, bei der es oft um Leben und Tod geht, bleibt verschont. Damit wird der Ruf der Schweiz als neutrale Verfechterin der Menschenrechte gewahrt. Für Albanien, Bangladesch und Sambia ist diese Unterscheidung jedoch kein Trost. Sie fallen auf die falsche Seite dieser neuen strategischen Trennlinie und werden der «Entwicklung» statt der «Nothilfe» zugeordnet. In den Augen der Sparbefürworter sind ihre Mittel damit verzichtbar.

Globale Realitäten zwingen die Schweiz zur Neuausrichtung

Dabei geht es nicht bloss um eine Budgetanpassung, sondern um eine grundlegende strategische Neuausrichtung. Die Schweiz bewegt sich in einer zerrissenen Welt, in der die traditionellen Modelle breit angelegter Entwicklungshilfe unter dem Druck geopolitischer Umwälzungen zerfallen. Die DEZA muss nun mit weniger Mitteln mehr erreichen. Dadurch werden die Ressourcen konzentriert, was zwangsläufig ehemalige Partner zurücklässt. Der Rückzug aus Albanien, Bangladesch und Sambia steht beispielhaft für einen breiteren Trend unter reichen Ländern, die mit wirtschaftlichem Druck im Inland und Instabilität in ihrer Region kämpfen.

Je näher die Frist im Jahr 2028 rückt, desto gewichtiger werden die Folgen für die Schweizer Diplomatie. Das Land tauscht seine weitreichende globale Präsenz gegen eine stärker fokussierte, möglicherweise defensivere Ausrichtung ein. Der Bundesrat setzt den finanzpolitischen Auftrag des Parlaments um, doch der Schritt birgt das Risiko, den Einfluss der Schweiz in Regionen zu schwächen, die sich rasch entwickeln und neue Bündnisse suchen. Bern hat entschieden: Die künftige internationale Zusammenarbeit der Schweiz wird schlanker, gezielter und kompromisslos priorisiert sein. Für bestehende Programme, die den neuen Sparvorgaben nicht genügen, bleibt in dieser neuen Ära kein Platz.