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Swiss Observer

Schweiz erwägt digitale Unterschriftensammlung für Referenden

Der Ständerat unterstützt eine Motion zur Einführung eines E-Collecting-Systems für Volksinitiativen. Dies könnte die demokratische Beteiligung in der Schweiz grundlegend verändern.

Schweiz erwägt digitale Unterschriftensammlung für Referenden
AISWI swissinfo.ch

Die Schweiz, bekannt für ihr direktdemokratisches System, steht vor einem bedeutenden Schritt ins digitale Zeitalter. Der Schweizer Ständerat hat kürzlich eine Motion zur Einführung der digitalen Unterschriftensammlung für Volksinitiativen und Referenden unterstützt. Damit könnte sich die Art und Weise, wie sich die Bürgerinnen und Bürger an demokratischen Prozessen beteiligen, grundlegend verändern. Diese Entwicklung ist Teil der umfassenderen Digitalisierungsstrategie der Schweiz, zu der auch die geplante Einführung einer digitalen Identität (E-ID) bis 2026 gehört.

Der Weg zum E-Collecting

Die Einführung von E-Collecting bedeutet eine deutliche Abkehr von der herkömmlichen Unterschriftensammlung auf Papier. Das vorgeschlagene System würde die künftige E-ID-Infrastruktur nutzen und es den Bürgerinnen und Bürgern ermöglichen, ihre Unterschriften elektronisch zu verifizieren. Während sich der Ständerat klar für eine rasche Umsetzung ausgesprochen hat, plädiert die Bundesregierung für ein bedächtigeres Vorgehen und schlägt Pilotversuche vor, bevor das System flächendeckend eingeführt wird. Der Übergang soll die Unterschriftensammlung vereinfachen und das Sammeln auf der Strasse durch digitale Ansprache ersetzen.

Mögliche Auswirkungen und Bedenken

Der Wechsel zur digitalen Unterschriftensammlung eröffnet Chancen, wirft aber auch Fragen auf. Der Politikanalyst Mark Balsiger meint: «Volksinitiativen könnten noch beliebter werden.» Dies könnte zu einer stärkeren demokratischen Beteiligung führen. Die einfachere Sammlung hat jedoch eine Diskussion darüber ausgelöst, ob die derzeitige Schwelle von 100 000 Unterschriften weiterhin angemessen ist. Ein Blick in die Geschichte zeigt eine deutliche Veränderung: 1891 mussten Volksinitiativen von 7,5 Prozent der Stimmberechtigten unterzeichnet werden, während die heutige Vorgabe weniger als 2 Prozent der Stimmberechtigten entspricht.

Politische Folgen

Die Digitalisierung der Unterschriftensammlung könnte die politische Landschaft der Schweiz erheblich beeinflussen. Wie Balsiger festhält: «Wer viele Daten hat, hat echtes Gold.» Dies deutet darauf hin, dass Parteien und Organisationen mit weitreichenden digitalen Netzwerken zusätzliche Vorteile erhalten könnten. Sowohl die grossen Parteien, die Schweizerische Volkspartei und die Sozialdemokratische Partei, als auch verschiedene Verbände haben Interesse daran bekundet, sich auf diesen digitalen Wandel einzustellen. Zugleich zeigten sie sich offen dafür, über angepasste Unterschriftenschwellen zu diskutieren.

Ausblick

Der Weg zur digitalen Unterschriftensammlung ist zwar klar, der Zeitplan für die Umsetzung bleibt jedoch ungewiss. Das vorsichtige Vorgehen der Bundesregierung, bei dem Pilotversuche und eine schrittweise Einführung im Vordergrund stehen, deutet auf einen bedachten Übergang hin. Der Erfolg der für 2026 geplanten E-ID wird für die breitere Einführung von E-Collecting entscheidend sein. Während die Schweiz diesen digitalen Wandel gestaltet, bleibt es zentral, die demokratische Integrität zu wahren und zugleich technologische Innovationen zu nutzen.