Technologie
Schweiz investiert 730 Millionen Franken in den Internetzugang auf dem Land
Der Bund lanciert ein ehrgeiziges siebenjähriges Programm, um abgelegene Regionen der Schweiz mit einem schnellen Breitbandanschluss zu versorgen.

Die Schweiz unternimmt einen entscheidenden Schritt, um die digitale Kluft zu überwinden. In einer mutigen Ankündigung am Freitag stellte der Bund eine umfangreiche Strategie im Umfang von 730 Millionen Franken vor. Damit sollen auch die abgelegensten Gebiete des Landes an schnelles Internet angeschlossen werden. Es geht nicht bloss um den Ausbau der Infrastruktur, sondern um die klare Ansage, dass die geografische Lage in der Schweizerischen Eidgenossenschaft künftig nicht mehr über die digitalen Möglichkeiten entscheidet.
Die Vorlage des Bundes, die bis zum 23. Juni in die Vernehmlassung geht, stellt sich einer klaren Realität: Die Marktkräfte allein haben es nicht geschafft, die dünn besiedelten Regionen anzuschliessen, die einen grossen Teil der Schweizer Landschaft prägen. Während die Städte von enorm hohen Geschwindigkeiten profitieren, drohten ländliche Gemeinden im digitalen Mittelalter zurückzubleiben. Mit diesem entschlossenen Eingreifen stellt der Bund sicher, dass die «ganze Schweiz» von den belebten Strassen Zürichs bis zum abgelegensten Alpendorf an der modernen digitalen Wirtschaft teilhaben kann. Die Botschaft ist klar: Konnektivität ist heute ein Grundrecht und kein geografisches Privileg.
Gigabit-Geschwindigkeiten für jedes Tal
Das Ziel ist ehrgeizig: Jeder einzelne Haushalt und jeder Betrieb im Land soll eine Downloadgeschwindigkeit von mindestens 1 Gbit/s erhalten. Dieses Ziel bedeutet einen Quantensprung für die Infrastruktur auf dem Land. Die Geschwindigkeiten sollen mit jenen der modernsten städtischen Netze weltweit mithalten können. Mit diesem hohen Anspruch macht der Bund das Land fit für die stark wachsende Datennachfrage des nächsten Jahrzehnts.
Die Initiative richtet sich gezielt an die «weissen Flecken» auf der Landkarte, also an Gebiete, in denen private Telekommunikationsunternehmen den kommerziellen Ausbau von Glasfasernetzen als wirtschaftlich nicht tragbar erachten. Ohne staatliches Eingreifen wären diese Regionen dauerhaft benachteiligt. Mit der Vorgabe von Gigabit-Geschwindigkeiten stellt die Schweiz sicher, dass eine Grafikdesignerin in einem abgelegenen Dorf im Kanton Graubünden über dieselben digitalen Möglichkeiten verfügt wie ein Banker in Genf. Eine solche Verbindung ist für die moderne Landwirtschaft und die Arbeit im Homeoffice unverzichtbar und trägt dazu bei, die Berggemeinden wirtschaftlich lebendig zu halten.
Die Zukunft finanzieren
Zur Finanzierung dieser digitalen Revolution hat der Bund eine strategische Partnerschaft auf die Beine gestellt. Die Kosten von 730 Millionen Franken werden zu gleichen Teilen getragen: Bund und Kantone übernehmen je 50 Prozent. Diese gemeinsame Last unterstreicht die nationale Bedeutung des Projekts und setzt die Unterstützung aller Ebenen des Schweizer Bundesstaats voraus.
Der Bundesanteil wird nicht aus den aktuellen Steuereinnahmen finanziert. Stattdessen werden dafür künftige Konzessionsgebühren für Mobilfunkfrequenzen zweckgebunden eingesetzt. Das ist eine sinnvolle Kreislaufinvestition: Einnahmen aus dem Telekommunikationssektor fliessen direkt zurück in die Stärkung des Telekommunikationsnetzes des Landes. Dieses Finanzierungsmodell führt die Mittel wieder dem Sektor zu und stellt die langfristige Gesundheit der Infrastruktur über kurzfristige finanzielle Vorteile.
Ein Sprint über sieben Jahre
Die Zeit drängt. Der Bund hat die Initiative als zeitlich befristetes, intensives Förderprogramm ausgestaltet, das genau sieben Jahre dauern soll. Es handelt sich nicht um eine unbefristete Subvention, sondern um einen gezielten Sprint, um die technische Infrastruktur des Landes aufzurüsten. Die Frist schafft für Kantone und Auftragnehmende einen spürbaren Anreiz, sofort mit der Mobilisierung zu beginnen.
Mit der Begrenzung auf sieben Jahre signalisiert der Bund, dass es sich um eine einmalige Korrektur des Marktes handelt, die den Netzausbau rasch in Gang bringen soll. Während die Vernehmlassung bis im Juni läuft, tickt die Uhr bereits. Die Beteiligten müssen schnell handeln, um sich ihren Anteil an den Fördermitteln zu sichern und zu gewährleisten, dass ihre Regionen nicht zurückbleiben. Dieses siebenjährige Zeitfenster dürfte die digitale Landschaft der ländlichen Schweiz für Generationen prägen.