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Swiss Observer

Die Schweiz steigt im weltweiten Gleichstellungsranking auf

Die Schweiz verbessert sich im WEF-Index zur Gleichstellung der Geschlechter um drei Plätze auf Rang 17. Trotz weiterhin bestehender Herausforderungen verzeichnet sie damit seit der Pandemie den schnellsten Fortschritt.

Die Schweiz steigt im weltweiten Gleichstellungsranking auf
AISWI swissinfo.ch

Die Schweiz kämpft sich zurück an die Spitze. Mit einem entscheidenden Schritt, der eine robuste Erholung von der gesellschaftlichen Stagnation signalisiert, hat sich das Land im renommierten Index des Weltwirtschaftsforums (WEF) zur Gleichstellung der Geschlechter um drei Plätze auf Rang 17 vorgearbeitet. Das ist nicht bloss eine kleine Veränderung, sondern der weltweit stärkste Fortschritt in Richtung Gleichstellung seit den Turbulenzen der Covid-19-Pandemie.

Während sich die Welt nur langsam erholt, legt die Schweiz an Tempo zu. Der am Donnerstag in Genf veröffentlichte Bericht markiert einen entscheidenden Stimmungswandel beim WEF. War im vergangenen Jahr noch Frustration über die schleppenden Fortschritte zu spüren, herrscht dieses Jahr vorsichtiger Optimismus. Die weltweite Geschlechterlücke ist inzwischen zu 68,8 Prozent geschlossen, und die Schweiz trägt aktiv dazu bei, diesen Wert zu steigern. Doch die Freude muss durch die Realität gedämpft werden: Trotz dieses Aufschwungs hat das Land den renommierten 10. Rang von 2021 noch nicht zurückerobert. Die Dynamik ist unbestreitbar, doch für den Sprung zurück in die Top Ten braucht es anhaltende, unermüdliche Anstrengungen.

Der Abstand zum Norden und die Realität in Europa

Während die Schweiz ihren Aufstieg feiert, zeigt der internationale Vergleich ein hart umkämpftes Umfeld. Derzeit liegt sie in Europa auf Rang 12. Das ist eine respektable Position, macht aber zugleich den Abstand zwischen dem Alpenland und den führenden Ländern des Kontinents deutlich. Der Index wird erneut von den nordischen Ländern dominiert: Island behauptet den Spitzenplatz, dicht gefolgt von Finnland und Norwegen. Diese Länder setzen weiterhin den Massstab, an dem sich die Schweiz orientieren muss.

Die globale Uhr tickt, und zwar langsam. Das WEF schätzt, dass es bei der aktuellen Entwicklung erstaunliche 123 Jahre dauern wird, bis weltweit vollständige Gleichstellung erreicht ist. Dieser Zeitrahmen ist nicht hinnehmbar. Der jüngste Aufstieg der Schweiz trägt zwar dazu bei, diesen Zeitraum zu verkürzen, doch der Abstand zwischen dem Schweizer Rang und den nordischen Spitzenreitern macht deutlich, wie viel noch zu tun ist. Wir bewegen uns in die richtige Richtung, aber um unsere nördlichen Nachbarn zu überholen, müssen schrittweise Veränderungen durch exponentielle Fortschritte bei politischen Massnahmen und gesellschaftlichem Wandel ersetzt werden.

Die gläserne Decke in Unternehmen bleibt bestehen

Die Schweizer Wirtschaft läuft mit einem Ungleichgewicht, das sich nicht länger ignorieren lässt. Frauen machen inzwischen beachtliche 41,2 Prozent der Erwerbsbevölkerung aus, doch je höher man auf der Karriereleiter blickt, desto seltener sind sie vertreten. Eine ernüchternde Zahl trübt den Fortschritt des Landes: Frauen besetzen weniger als 30 Prozent der Kaderpositionen. Das ist der entscheidende Engpass, der echte Gleichstellung verhindert.

Diese Diskrepanz führt zu einer frappierenden Realität: Frauen tragen von der Basis aus die Wirtschaft, sind aber systematisch in den Verwaltungsräten kaum vertreten. Die «unerklärte» Lohnlücke bleibt ein umstrittenes Thema. Die Schweiz erhält zwar international zunehmend Aufmerksamkeit für ihren Kampf gegen die Lohnungleichheit, doch der Mangel an weiblichen Entscheidungsträgerinnen bleibt eine offensichtliche Schwäche. Die Erwerbsbeteiligung steigt, aber ohne eine entsprechende Veränderung bei der Vertretung in Führungspositionen bleibt das Machtverhältnis unausgewogen. Die Botschaft an die Schweizer Unternehmen ist klar: Frauen einzustellen reicht nicht, sie zu befördern ist der einzige Weg zu echter Gleichstellung.

Politischer Wille als Motor für die Zukunft

Der Grund für den jüngsten Aufstieg der Schweiz ist kein Zufall, sondern struktureller Natur. Das WEF führt die Verringerung der Geschlechterlücke vor allem auf Fortschritte bei der politischen Emanzipation und der wirtschaftlichen Teilhabe zurück. Das zeigt: Wenn die Schweiz Gesetze erlässt und politisch mobilisiert, bewegt sich etwas. Die Erholung von den Rückschlägen der Pandemie beweist, dass das System reagiert, aber es ist noch nicht vollständig genesen.

Der Ausblick ist positiv, aber unsicher. Um einen Platz in den globalen Top Ten zurückzuerobern, muss die Schweiz diese politische Dynamik nutzen, um die gläserne Decke in Unternehmen zu durchbrechen. Die Voraussetzungen für Gleichstellung werden geschaffen, doch das Tempo muss sich beschleunigen, damit die weltweite Prognose von 123 Jahren nicht Wirklichkeit wird. Mit Blick auf die Zukunft bleibt die Frage: Gibt sich die Schweiz damit zufrieden, «besser als früher» zu sein, oder strebt sie entschlossen danach, «weltweit führend» zu werden? Der Aufstieg auf Rang 17 ist ein Erfolg, doch der Gipfel liegt noch weit vor uns.