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Swiss Observer

Schweiz stärkt WHO mit Zusage von 80 Millionen Dollar

Die Schweizer Regierung stellt der WHO für den Zeitraum 2025 bis 2028 angesichts der finanziellen Herausforderungen und der Umstrukturierungsbemühungen der Organisation zusätzliche 80 Millionen Dollar zur Verfügung.

Schweiz stärkt WHO mit Zusage von 80 Millionen Dollar
AISWI swissinfo.ch

Die Schweiz verstärkt ihr Engagement für die globale Gesundheitssicherheit. In einem am Montag angekündigten entschiedenen Schritt sagte die Schweizer Regierung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für den wichtigen Zeitraum 2025 bis 2028 weitere 80 Millionen Dollar (67 Millionen Franken) zu. Dies ist keine blosse symbolische Geste, sondern eine beträchtliche Finanzspritze, die eine Organisation stabilisieren soll, die mit erheblichen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Gesundheitsministerin Elisabeth Baume-Schneider machte an der Weltgesundheitsversammlung in Genf unmissverständlich klar, dass Bern nicht zulassen will, dass die globale Gesundheitsarchitektur unter finanziellem Druck zusammenbricht.

Dieses neue Paket kommt zusätzlich zum obligatorischen Beitrag der Schweiz an das ordentliche Budget der WHO und bedeutet eine deutliche Erhöhung der freiwilligen Unterstützung. Als Gastland der WHO setzt die Schweiz ihr wirtschaftliches Gewicht dafür ein, dass die Organisation handlungsfähig bleibt. Während andere Länder sich zurückziehen oder zögern, springt die Schweiz ein und stellt die nötigen Mittel bereit, damit die WHO ihre Arbeit für die nächsten vier Jahre planen kann. Der Zeitpunkt ist entscheidend, denn die Organisation sieht sich einer schwierigen Kombination aus steigenden Betriebskosten und politischer Instabilität gegenüber.

Umstrukturierung ums Überleben: Die Reform der WHO

Die WHO nimmt derzeit eine tiefgreifende Umstrukturierung vor, um angesichts ihrer finanziellen Lage zu überleben. Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus leitet eine umfassende Reform, bei der die Zahl der internen Abteilungen von 76 auf nur noch 34 gesenkt werden soll. Das ist keine geringfügige Anpassung, sondern eine massive Zusammenlegung von Zuständigkeiten und Ressourcen, mit der eine Bürokratie gestrafft werden soll, die viele als aufgebläht kritisiert haben. Baume-Schneider begrüsste diese weitreichenden Reformen ausdrücklich und knüpfte die Schweizer Finanzierung an die Erwartung einer schlankeren und effizienteren Organisation.

Der Hintergrund dieser Umstrukturierung ist ernst. Die Organisation steht vor einem grossen Budgetloch, das durch den Rückzug der Vereinigten Staaten unter der Regierung von Donald Trump noch vergrössert wurde. Da die USA nicht mehr mitwirken, lastet auf den verbleibenden Mitgliedstaaten eine grosse finanzielle Verantwortung, um einen Zusammenbruch der globalen Gesundheitssteuerung zu verhindern. Die Zusage der Schweiz ist ein Vertrauensbeweis für Tedros’ Strategie, mit weniger Mitteln mehr zu erreichen. Mit der Unterstützung dieser Zusammenlegung fordert die Schweiz eine Modernisierung und will sicherstellen, dass jeder beigesteuerte Franken zu konkreten gesundheitlichen Verbesserungen führt und nicht in Verwaltungskosten fliesst.

Genf verteidigen: Der Kampf um die Führungsrolle in der globalen Gesundheit

Genfs Status als unbestrittene Hauptstadt der globalen Gesundheit steht unter Druck. Gesundheitsministerin Baume-Schneider nahm kein Blatt vor den Mund und erklärte, die Rolle der Stadt werde durch die zunehmenden wirtschaftlichen und politischen Spannungen «auf die Probe gestellt». «Wir brauchen eine starke, agile und wirksame WHO», betonte sie und stellte damit einen direkten Zusammenhang zwischen der Leistung der Organisation und dem internationalen Ruf Genfs her. Für die Schweiz geht es dabei ebenso sehr um strategische Diplomatie wie um die öffentliche Gesundheit. Die Wirksamkeit des internationalen Genf ist ein Eckpfeiler der Schweizer Aussenpolitik, und eine geschwächte WHO gefährdet dieses Fundament.

Der Druck nimmt zu. Angesichts wachsender geopolitischer Spannungen ist es entscheidend, dass Genf als neutraler Ort für die Gesundheitsdiplomatie dienen kann. Die Investition der Schweiz von 80 Millionen Dollar ist ein Abwehrschritt zum Schutz dieses Ökosystems. Indem Baume-Schneider die WHO stärkt, bekräftigt sie die Botschaft, dass der Multilateralismus die gegenwärtige Phase des Isolationismus überstehen muss. Die Schweizer Regierung setzt damit darauf, dass eine gut finanzierte, agile WHO ihre Kritiker zum Schweigen bringen und Genfs unverzichtbare Stellung auf der Weltbühne bekräftigen wird.

Geschichte schreiben: Das Pandemieabkommen steht bevor

Mitten in den finanziellen Verhandlungen zeichnet sich ein historischer diplomatischer Erfolg ab. Baume-Schneider verwies auf die für diesen Dienstag erwartete Verabschiedung eines globalen Pandemieabkommens, das die weltweite Reaktion auf künftige Gesundheitskrisen neu gestalten könnte. Dieses Abkommen ist ein Erfolg des Multilateralismus in einer Zeit, die oft von Uneinigkeit geprägt ist. Es soll die durch COVID-19 offengelegten systemischen Mängel beheben und einen gerechten Zugang zu Ressourcen sowie einen schnelleren Informationsaustausch zwischen den Ländern gewährleisten.

Für die Schweiz wäre die erfolgreiche Verabschiedung dieses Abkommens auf ihrem Boden ein grosser diplomatischer Erfolg. Sie würde zeigen, dass die internationale Gemeinschaft trotz des Rückzugs der USA und der Budgetkürzungen weiterhin verbindliche Vereinbarungen zum Schutz der Menschheit schliessen kann. Das Abkommen ist ein Beleg für die Widerstandsfähigkeit der globalen Gesundheitsarchitektur, deren Erhalt die Schweiz mitfinanziert. Während die Weltgesundheitsversammlung bis zum 27. Mai weitergeht, richtet sich der Blick der Welt auf Genf. Dort wird sich zeigen, ob dieser neue rechtliche Rahmen sein Versprechen einer sichereren Zukunft tatsächlich einlösen kann.