Sicherheit
Schweiz erhöht Mittel zum Schutz religiöser Minderheiten
Die Regierung erhöht die Sicherheitsfinanzierung für die Jahre 2026 und 2027 auf jährlich 6 Millionen CHF, um jüdische und muslimische Gemeinschaften sowie LGBTQ+-Gemeinschaften angesichts zunehmender Sicherheitsbedenken zu schützen.

Die Schweiz stellt sich kompromisslos gegen Intoleranz. Mit einem entschlossenen Schritt zum Schutz ihrer besonders gefährdeten Gemeinschaften hat der Bundesrat eine entscheidende Aufstockung der Mittel für die nationale Sicherheit angekündigt. Die Regierung erhöht die Finanzierung für die Jahre 2026 und 2027 auf jährlich 6 Millionen CHF. Das sind 1 Million CHF mehr als bisher. Dabei handelt es sich nicht bloss um eine administrative Anpassung, sondern um eine direkte Reaktion auf eine zerrissene globale Sicherheitslage, deren Schatten inzwischen auch auf die Schweizerische Eidgenossenschaft fallen. Die Botschaft aus Bern ist unmissverständlich: Die Sicherheit religiöser Minderheiten und der LGBTQ+-Gemeinschaft steht nicht zur Verhandlung. Während andere Länder mit der Frage ringen, wie sie dem zunehmenden Hass begegnen sollen, setzt die Schweiz konkrete finanzielle Mittel für ihr Schutzversprechen ein. Die Aufstockung soll ausdrücklich einen «wichtigen Beitrag zum Schutz gefährdeter Minderheiten vor terroristischen oder gewaltextremistischen Angriffen» leisten. Damit signalisiert die Regierung, dass sie nicht länger passiv zusieht, sondern aktiv Schutzmassnahmen verstärkt.
Bedrohungslage: Eine angespannte Sicherheitsrealität
Die Zahlen zeichnen ein deutliches und alarmierendes Bild der aktuellen gesellschaftlichen Lage. Der Entscheid, die Finanzierung aufzustocken, hat einen ernsten Grund: Der Schutzbedarf übersteigt die verfügbaren Ressourcen deutlich. Die Gesuche um Sicherheitsfinanzierung haben stark zugenommen und übersteigen inzwischen die bisherigen Möglichkeiten der Regierung, darauf zu reagieren. Der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) hat eine ernüchternde Einschätzung abgegeben und bestätigt, dass jüdische und muslimische Organisationen sowie die LGBTQ+-Gemeinschaft nun «einen besonderen Schutzbedarf» haben. Diese Eskalation kommt nicht aus dem Nichts. Sie folgt auf einen beunruhigenden Trend: 2024 nahm die Zahl rassistischer Vorfälle in der Schweiz allein um 20 Prozent zu. Die Sicherheitslage wird offiziell als «angespannt» eingestuft. Das ist eine diplomatische Umschreibung für ein instabiles Umfeld mit steigender Bedrohungslage. Indem die Regierung anerkennt, dass aus allen drei betroffenen Gemeinschaften mit mehr Unterstützungsgesuchen zu rechnen ist, räumt sie ein, dass die Gefahr von gewalttätigem Extremismus keine ferne theoretische Möglichkeit mehr, sondern ein dringendes innenpolitisches Anliegen ist.
Schutzmassnahmen: Konkrete Vorkehrungen für gefährdete Gruppen
Die zusätzlichen Mittel sind für konkrete, greifbare Schutzmassnahmen vorgesehen. Der Bund verteilt nicht einfach Geld, sondern finanziert den strukturellen Schutz gefährdeter Einrichtungen. Die Mittel sind für private und öffentliche Organisationen bestimmt, die damit wichtige bauliche, technische und organisatorische Massnahmen umsetzen können. Dazu gehören etwa bessere Überwachungssysteme, gesicherte Eingänge und professionelle Sicherheitskonzepte, die mögliche Angriffe abschrecken und ihnen standhalten sollen. Die Initiative ermöglicht es diesen Gemeinschaften, mit Unterstützung des Staates selbst für ihre Sicherheit zu sorgen. Ob es sich um eine Synagoge in Zürich, eine Moschee in Genf oder ein LGBTQ+-Zentrum in Bern handelt: Die Beiträge stellen wichtige Ressourcen bereit, um Sicherheitsinfrastrukturen zu verbessern, die derzeit stark beansprucht werden. Das ist ein pragmatischer Ansatz für ein komplexes Problem. Er soll sicherstellen, dass Orte, an denen diese Gemeinschaften zusammenkommen, um zu beten oder Zeit miteinander zu verbringen, nicht zu Schauplätzen einer Tragödie werden.
Ausblick: Vorübergehender Schutz oder neue Normalität?
Die unmittelbare Reaktion ist umfassend, doch Fragen zur langfristigen Entwicklung der Sicherheitslage in der Schweiz bleiben offen. Der Bundesrat bezeichnet die Aufstockung als befristete Massnahme. Für 2028 ist geplant, das Budget wieder auf 5 Millionen CHF zu senken. Das deutet darauf hin, dass die Regierung davon ausgeht, die derzeit «angespannte Sicherheitslage» werde sich in den nächsten drei Jahren entspannen. Angesichts des deutlichen Anstiegs rassistischer Vorfälle um 20 Prozent im Jahr 2024 könnte sich dieser Zeitplan jedoch als ehrgeizig erweisen. Sollte sich die Bedrohungslage weiter verschärfen, könnte die Regierung gezwungen sein, diese ausserordentliche Finanzierung zum neuen Richtwert zu machen. Die Jahre 2026 und 2027 werden nun als entscheidende Testphase dienen. Der Erfolg der Massnahmen wird sich nicht nur an den ausgegebenen Franken messen lassen, sondern auch daran, wie sicher sich die Minderheiten in der Schweiz fühlen und wie viel Vertrauen sie gewinnen, während sie sich in einer zunehmend unberechenbaren Welt bewegen.