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Swiss Observer

Schweiz ernennt angesichts der Handelskrise einen Sondergesandten für die USA

Die Schweiz ernennt Botschafter Gabriel Lüchinger zum Sondergesandten, um die eskalierenden US-Handelsspannungen und Zollfragen zu bewältigen.

Schweiz ernennt angesichts der Handelskrise einen Sondergesandten für die USA
AISWI swissinfo.ch

Die Schweiz schaut nicht länger tatenlos zu. In einem entschlossenen Schritt zum Schutz der nationalen Interessen hat der Bundesrat Botschafter Gabriel Lüchinger offiziell zum Sondergesandten für die Vereinigten Staaten ernannt. Das ist keine gewöhnliche Diplomatie, sondern Krisenmanagement. Die am Mittwoch nach einer wichtigen Sitzung in Neuenburg bekannt gegebene Ernennung Lüchingers signalisiert einen dramatischen Kurswechsel in Berns Strategie angesichts des eskalierenden Handelskriegs, den US-Präsident Donald Trump ausgelöst hat.

Die Botschaft der Regierung ist klar: Mit passivem Beobachten ist Schluss. Mit der Schaffung dieser befristeten, aber einflussreichen Funktion richtet die Schweiz einen direkten, gezielten Kommunikationskanal nach Washington ein. Lüchinger, derzeit der erfahrene Leiter der Abteilung Internationale Sicherheit im Aussendepartement, soll sich in den schwierigen Gewässern der internationalen Sicherheit und des Handels zurechtfinden. Der Bundesrat setzt seine besten Kräfte ein, um sicherzustellen, dass die Schweiz nicht zum Kollateralschaden in Trumps wirtschaftlichem Kreuzfeuer wird.

Die Bedrohung durch 31 Prozent: Schockwellen wegen der Zölle

Erstaunliche 31 Prozent. Diese Zahl versetzte die Schweizer Wirtschaft vergangene Woche in Aufruhr. Die von der Trump-Regierung auf Schweizer Waren erhobenen Strafzölle stellten eine existenzielle Bedrohung für Schweizer Exporteure dar, bevor sie «offenbar ausgesetzt» wurden. Diese Volatilität zeigt, wie prekär die aktuelle Wirtschaftslage ist. Die Schweiz steht einem Partner gegenüber, der bereit ist, die Handelspolitik über Nacht als Waffe einzusetzen.

Die Zölle sind zwar vorerst auf Eis gelegt, doch die Bedrohung bleibt gross. Die Ernennung eines Sondergesandten ist eine direkte Reaktion auf diese Instabilität. Die Schweizer Regierung ist sich bewusst, dass eine Abgabe von 31 Prozent nicht bloss eine Steuer ist, sondern eine Barriere, die wichtige Branchen lahmlegen könnte. Die Lage bleibt unbeständig, und die «Aussetzung» bietet lediglich eine fragile Atempause. Bern kämpft nun gegen die Zeit, um diese vorübergehende Pause in eine dauerhafte Lösung umzuwandeln, bevor der wirtschaftliche Hammer erneut fällt.

Direkter Draht zwischen den Präsidenten: Keller-Sutter greift ein

Die Diplomatie hat die höchste Ebene erreicht. Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter hat sich telefonisch direkt mit Donald Trump ausgetauscht. Das Gespräch mit hohem Einsatz scheint unmittelbare Ergebnisse gebracht zu haben. Im Anschluss an das Gespräch setzte Trump die höheren Zölle aus, die den Schweizer Handel zu ersticken drohten. Dies zeigt, wie wichtig der direkte Austausch auf höchster Regierungsebene im aktuellen geopolitischen Klima ist.

Keller-Sutter hörte nicht nur zu, sondern vertrat die Position der Schweiz mit Nachdruck und schlug zugleich Wege vor, wie sich die Bedenken der USA angehen lassen. In einem Beitrag auf der Plattform X zeigte sie sich zuversichtlich, «in sehr naher Zukunft» Lösungen auszuarbeiten. Die Einzelheiten einer möglichen Einigung bleiben jedoch im Dunkeln. Die beiden Präsidenten haben vereinbart, die Gespräche fortzusetzen, doch der Druck ist gross. Die Schweiz hat Zeit gewonnen, aber eine Einigung ist noch lange nicht unter Dach und Fach.

Der ganze Apparat wird mobilisiert: Cassis übernimmt das Kommando

Hier müssen alle anpacken. Über die Ernennung Lüchingers hinaus hat der Bundesrat eine umfassende Projektorganisation zur Steuerung der Beziehungen zu den USA eingesetzt, die von Aussenminister Ignazio Cassis geleitet wird. Dabei handelt es sich nicht um ein kleines Komitee, sondern um einen departementsübergreifenden Krisenstab, der die diplomatische, wirtschaftliche und finanzielle Reaktion der Schweiz koordinieren soll.

Die Initiative läuft bis zum Jahresende und unterstreicht den Ernst der Lage. Die Regierung baut ressortübergreifende Hindernisse ab, um sicherzustellen, dass alle Departemente, von den Finanzen bis zu den auswärtigen Angelegenheiten, am gleichen Strick ziehen. Unter der Leitung von Cassis versucht die Schweiz, Washington geschlossen gegenüberzutreten. Die Zeit einer zersplitterten Diplomatie ist vorbei: Die Schweiz mobilisiert ihren gesamten Bundesapparat, um ihre wirtschaftliche Zukunft gegen eine unberechenbare US-Politik abzusichern.