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Swiss Observer

Schweiz und Indien besiegeln historisches Freihandelsabkommen

Das Schweizer Parlament genehmigt ein umfassendes Freihandelsabkommen zwischen der EFTA und Indien und sichert Zollentlastungen für 94,7 % der Schweizer Exporte.

Schweiz und Indien besiegeln historisches Freihandelsabkommen
AISWI swissinfo.ch

Nach 16 Jahren diplomatischer Blockade ist der Durchbruch endlich gelungen: Das Schweizer Parlament hat das wegweisende Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) und Indien offiziell ratifiziert. Dabei geht es nicht bloss um eine Unterschrift auf Papier, sondern um eine entscheidende «diplomatische Meisterleistung», die den wirtschaftlichen Fussabdruck der Schweiz in Asien neu definiert. Nach einer zermürbenden Verhandlungsphase, die die Entschlossenheit der Diplomatinnen und Diplomaten von Bern bis Neu-Delhi auf die Probe stellte, haben beide Parlamentskammern grünes Licht gegeben und damit eine neue Ära der Zusammenarbeit eingeläutet.

Das Abkommen, das vor einem Jahr gemeinsam mit den EFTA-Partnern Island, Liechtenstein und Norwegen unterzeichnet wurde, wird nun von einer Möglichkeit zur Realität. Parlamentarierinnen und Parlamentarier bezeichneten den Schritt als «Meilenstein» und «historisches Abkommen» und betonten die enorme Tragweite dieses Durchbruchs. Während andere Länder in einer zersplitterten Weltwirtschaft Mühe haben, eine gemeinsame Basis zu finden, hat die Schweiz erfolgreich ein Abkommen besiegelt, das beispiellose Chancen verspricht. Das Warten hat ein Ende: Die Türen zu einem der dynamischsten Märkte der Welt stehen der Schweizerischen Eidgenossenschaft nun weit offen.

Handelsschranken fallen

Zollentlastungen für beeindruckende 94,7 % der Schweizer Exporte sind nun gesichert. Damit fallen die beträchtlichen Zollschranken, die den indischen Markt lange abgeschirmt haben. Diese Zahl bedeutet einen tiefgreifenden Wandel für die Schweizer Industrie. Jahrzehntelang hatten Schweizer Exporteure mit den notorisch hohen indischen Zöllen zu kämpfen, die ihre Wettbewerbsfähigkeit einschränkten und das Wachstum bremsten. Nun fallen diese Hürden.

Die Auswirkungen auf die Schweizer Wirtschaft sind unmittelbar und erheblich. Von hochpräzisen Maschinen bis zu Luxusgütern können künftig die allermeisten Produkte, die von den Alpen auf den Subkontinent gelangen, die erdrückenden Abgaben umgehen. Das verschafft Schweizer Unternehmen unmittelbar mehr Wettbewerbsfähigkeit und ermöglicht ihnen, ihre Konkurrenz preislich zu unterbieten und mit neuem Schwung in den indischen Konsumentenmarkt vorzudringen. Während andere Handelsabkommen oft in Einzelheiten stecken bleiben, zeugt das Ausmass dieser Zollsenkungen, die fast 95 % der Exporte abdecken, vom ehrgeizigen Vorgehen der Schweizer Handelsunterhändler. Die Botschaft an die Schweizer Industrie ist klar: Der indische Markt steht euch offen.

Politische Spannungen meistern

Trotz der feierlichen Rhetorik verlief der Weg zur Ratifizierung nicht reibungslos: Die politische Linke konfrontierte die Regierung mit den ethischen Folgen des Abkommens. Während die Mehrheit den wirtschaftlichen Gewinn begrüsste, äusserten linke Parlamentarierinnen und Parlamentarier deutliche Unzufriedenheit, insbesondere mit den Kapiteln zur Investitionsförderung. Sie argumentierten, dass dem Abkommen trotz eines Kapitels über nachhaltige Entwicklung ausreichende griffige Bestimmungen fehlten, um Investitionen zu verhindern, die Umwelt und Gesellschaft schaden könnten.

Der Dissens zeigte sich in einer teilweisen Enthaltung bei der Abstimmung und machte ein zentrales Spannungsfeld der modernen Schweizer Aussenpolitik deutlich: das Gleichgewicht zwischen einer offensiven wirtschaftlichen Expansion und globaler Verantwortung. Die Zurückhaltung der Linken erinnert daran, dass die moralische Debatte trotz der rechtlichen Besiegelung des Abkommens weiter schwelt. Die parlamentarische Mehrheit hielt jedoch an ihrer Position fest und gab dem «historischen» Marktzugang Vorrang vor diesen Bedenken. Die Regierung muss nun beweisen, dass dieser wirtschaftliche Meilenstein nicht auf Kosten der Gesellschaft geht.

Diversifizierung über traditionelle Grenzen hinaus

Die Schweiz wendet sich mit Nachdruck von einer übermässigen Abhängigkeit von traditionellen westlichen Märkten ab. Dieses Abkommen ist ein Dreh- und Angelpunkt dieser Strategie. Mit dieser «diplomatischen Meisterleistung» stärkt Bern nicht nur den Handel, sondern diversifiziert strategisch auch seine geopolitischen Risiken. Der Zugang zum indischen Markt ermöglicht es der Schweiz, sich gegen eine wirtschaftliche Stagnation in Europa und die Volatilität in anderen Regionen abzusichern.

Dieser Schritt bringt die Schweiz und ihre EFTA-Partner an die Spitze des europäischen wirtschaftlichen Engagements mit Indien. Während die EU ihre eigenen komplexen Verhandlungen mit Neu-Delhi fortsetzt, hat die Schweiz die Hindernisse aus dem Weg geräumt und sich einen Vorteil als Vorreiterin gesichert. Die Ratifizierung ermöglicht es Schweizer Unternehmen, Fuss zu fassen, bevor ihre Konkurrenten aufholen können. Während sich die globalen Handelsdynamiken unvorhersehbar verändern, hat sich die Schweiz fest mit einer der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt verbunden. So bleibt das Land auf der globalen Bühne ein wendiger und einflussreicher Akteur.