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Swiss Observer

Schweiz und Frankreich lancieren gemeinsame Initiative zur Rettung eines bedrohten Fisches

Schweizer und französische Behörden arbeiten bei der Wiederherstellung des Ökosystems entlang des Doubs zusammen, um den stark gefährdeten Roi du Doubs zu schützen. Sichtungen der Fischart sind jedoch weiterhin selten.

Schweiz und Frankreich lancieren gemeinsame Initiative zur Rettung eines bedrohten Fisches
AISWI swissinfo.ch

Die Schweiz und Frankreich haben entlang ihrer gemeinsamen Grenze offiziell dem Artensterben den Kampf angesagt. In einem entscheidenden Schritt zur Rettung der Biodiversität des Doubs schliessen sich die Behörden beider Länder zusammen, um ein umfassendes Projekt zur Wiederherstellung des Ökosystems zu lancieren. Dabei geht es nicht bloss um einen diplomatischen Handschlag, sondern um einen Noteingriff für den Roi du Doubs, eine Art, die zum Sinnbild für die ökologische Fragilität des Flusses geworden ist. Die Initiative markiert eine deutliche Intensivierung der grenzüberschreitenden Umweltpolitik und erkennt an, dass die Natur geopolitische Grenzen ignoriert.

Die Dringlichkeit ist spürbar. Der Roi du Doubs, einst ein fester Bestandteil der Biodiversität des Flusses, steht kurz vor dem vollständigen Verschwinden. Diese gemeinsame Aktion ist ein letzter, risikoreicher Versuch, eine Tragödie abzuwenden, die sich seit Jahrzehnten schleichend entfaltet. Indem Bern und Paris Ressourcen und Fachwissen bündeln, versuchen sie, für eine Art ein Wunder zu bewirken, die viele bereits für verloren halten. Die Zusammenarbeit unterstreicht eine ernüchternde Realität: Ohne sofortiges, entschlossenes Handeln wird der «König des Doubs» in den Geschichtsbüchern verschwinden.

Das Scheitern früherer Massnahmen

Die Vergangenheit zeichnet ein düsteres Bild verpasster Gelegenheiten. Bereits 2016 verabschiedeten die Schweizer Bundes- und Kantonsregierungen ehrgeizige Pläne zur Wiederherstellung der mit dem Doubs verbundenen Ökosysteme. Doch fast ein Jahrzehnt später zeigen die Daten, dass es auf katastrophale Weise nicht gelungen ist, den Rückgang aufzuhalten. Obwohl die Vereinbarungen auf dem Papier standen, ist die Population des Roi du Doubs weiter stark geschrumpft. Dies offenbart eine erhebliche Lücke zwischen der Verabschiedung politischer Massnahmen und ihrer ökologischen Wirkung.

Die Realität ist hart: Die Zahlen sind unaufhaltsam zurückgegangen. Der 2016 ausgearbeitete Fahrplan, der das Leben im Wasser der Region retten sollte, war offenbar weder schnell noch umfassend genug, um den Umweltbelastungen entgegenzuwirken, die den Fluss beeinträchtigen. Die neue französisch-schweizerische Initiative ist nicht bloss eine Fortsetzung, sondern eine notwendige Neuausrichtung einer Strategie, die nicht ausreichte. Sie erinnert eindringlich daran, dass gesetzliche Massnahmen ohne greifbare Ergebnisse im Wasser bedeutungslos sind. Seit 2016 läuft die Zeit, und für den Roi du Doubs könnte sie bereits abgelaufen sein.

Die Suche nach einem Phantom im Doubs

Der Roi du Doubs ist praktisch zum Phantom geworden. Die letzte bestätigte Sichtung dieses scheuen Fisches geht auf das Jahr 2023 zurück, eine beunruhigende Zahl, die Naturschützerinnen und Naturschützer verfolgt. Im Sommer jenes Jahres unternahm ein Team des Schweizer Fernsehens RTS eine gründliche nächtliche Suche und konnte die Art filmen, möglicherweise bei ihrem letzten Auftritt. Seit dieser flüchtigen Begegnung ist es im Fluss still geblieben. Damit wächst die beängstigende Möglichkeit, dass wir eine Art zu retten versuchen, die bereits verschwunden ist.

Heute nach dem Roi du Doubs zu suchen, ist, als suche man eine Nadel in einem Heuhaufen, der rasch weggespült wird. Die Sichtung von 2023 ist zugleich ein Hoffnungsschimmer und ein Grabstein: Sie beweist, dass die Fische damals noch da waren, doch ihr seitheriges Ausbleiben deutet auf einen Zusammenbruch der Population hin. Diese Seltenheit macht jede Wiederherstellungsmassnahme zu einem Wagnis. Die Behörden investieren beträchtliche Mittel in einen Lebensraum für einen Bewohner, der vielleicht nicht mehr existiert. Sie werden von der geringen, verzweifelten Hoffnung angetrieben, dass einige Überlebende noch in den trüben Tiefen verborgen sind.

Den Lebensnerv des Flusses wiederherstellen

Der Roi du Doubs ist zwar das Aushängeschild dieser Krise, doch die Aufgabe geht weit über eine einzelne Art hinaus. Es geht um die Gesundheit des gesamten Doubs. Die gemeinsamen Wiederherstellungsmassnahmen sollen das ganze Ökosystem sanieren, die Wasserqualität verbessern und die physische Struktur des Flussbetts wiederherstellen, von der alles Leben im Wasser abhängt. Soll der Roi du Doubs zurückkehren, oder sollte er tatsächlich verschwunden sein, muss der Fluss für alle noch verbliebenen Lebewesen wieder ein geeigneter Lebensraum werden.

Für die Schweiz ist dies eine Bewährungsprobe in Sachen Umweltverantwortung. Der Doubs bildet einen Teil unserer Landesgrenze und prägt unsere Identität. Seine Biodiversität nicht zu schützen, wäre ein Versäumnis gegenüber dem nationalen Erbe. Ob dieser Eingriff eine rechtzeitige Rettung oder ein nachträgliches Denkmal für den Roi du Doubs ist, bleibt abzuwarten. Die entschlossene Wiederherstellung des Flusslaufs und der Pflanzenwelt stellt jedoch sicher, dass selbst dann, wenn der «König» tot ist, sein Reich für künftige Generationen vielleicht noch gerettet werden kann.