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Swiss Observer

Swisscoms strategische Neuausrichtung: Stellen wandern in die Niederlande und nach Lettland

Umfassender Umbau: Der Schweizer Telekommunikationsriese plant, wichtige IT-Entwicklungsarbeiten zu verlagern

Swisscoms strategische Neuausrichtung: Stellen wandern in die Niederlande und nach Lettland
AISWI swissinfo.ch

Swisscom schreibt ihre operativen Abläufe mit einem entschlossenen Schritt neu, der in der lokalen Tech-Branche für Aufsehen sorgt. Der Telekommunikationsriese hat eine strategische Neuausrichtung bestätigt: Zentrale IT-Entwicklungsaufgaben sollen aus der Schweiz in die aufstrebenden Tech-Zentren Rotterdam und Riga verlagert werden. Dabei handelt es sich nicht um eine geringfügige Anpassung, sondern um eine gezielte Verlagerung von Know-how, die das Entwicklungsfundament des Unternehmens neu gestalten soll.

Die Bestätigung gegenüber der Nachrichtenagentur AWP läutet für den renommierten Anbieter eine neue Ära ein. Die Schweiz war lange Zeit das Zentrum von Swisscoms Geschäftstätigkeit, doch die digitale Landkarte wird neu gezeichnet. Mit dem Schritt in die Niederlande und nach Lettland erschliesst sich Swisscom neue Talentreserven und Möglichkeiten zur Kosteneffizienz. Damit signalisiert das Unternehmen, dass selbst nationale Marktführer über die Landesgrenzen hinausschauen müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Folgen zeigen sich bereits: Der Schwerpunkt bestimmter anspruchsvoller IT-Aufgaben verlagert sich, und die Entwicklung gewinnt jetzt an Dynamik.

Deutlicher Zuwachs im Norden

Das Ausmass dieser Verlagerung ist beträchtlich. Berichten von CH Media zufolge könnte die Zahl der Mitarbeitenden im Ausland stark ansteigen. Prognosen legen nahe, dass die Belegschaft in den Niederlanden und Lettland auf 1'000 bis 1'400 Mitarbeitende anwachsen könnte. Verglichen mit den derzeitigen Zahlen von 600 bis 800 wird die Entwicklung deutlich. Die Kapazitäten im Ausland könnten sich verdoppeln.

Swisscom hält sich zwar zu den genauen künftigen Personalzahlen bedeckt, doch die Richtung ist klar. Die Expansion bedeutet, dass das Unternehmen noch stärker auf ausländische Talentpools setzt. Dabei geht es nicht nur um Supportfunktionen, sondern um zentrale Entwicklungsstellen, die für die künftige Infrastruktur des Unternehmens wichtig sind. Der deutliche prognostizierte Zuwachs unterstreicht das klare Bekenntnis zu den neuen Standorten. Rotterdam und Riga entwickeln sich damit rasch von Aussenstellen zu zentralen Säulen von Swisscoms Entwicklungsökosystem.

Die zwei Seiten der Effizienz

Hinter dem weitreichenden Umbau steht das konsequente Streben nach «kontinuierlicher Kostenoptimierung». Swisscom sieht sich mit der harten wirtschaftlichen Realität konfrontiert, dass schlanke Betriebsabläufe keine Option mehr sind, sondern eine Voraussetzung für das Überleben. Doch es geht nicht nur darum, Kosten zu senken, sondern ebenso um die dringende Suche nach Fachkräften. In der Schweiz mangelt es dem Unternehmen an spezialisierten Kompetenzen, weshalb es seine Suche auf ganz Europa ausweiten muss.

Der angespannte Schweizer Arbeitsmarkt ist zu einem Engpass für eine rasche digitale Expansion geworden. Mit dem Schritt in die Niederlande und nach Lettland umgeht Swisscom die lokalen Einschränkungen und erhält Zugang zu einem neuen Pool von Entwicklerinnen und Entwicklern sowie Ingenieurinnen und Ingenieuren. Das ist eine pragmatische, wenn auch umstrittene Lösung für zwei Probleme: steigende Inlandskosten und den Mangel an verfügbaren Fachkräften. Der Schritt macht eine zunehmende Spannung in der Schweizer Tech-Branche sichtbar: Der Innovationsbedarf wächst schneller als das lokale Angebot an Fachkräften.

Der Schweizer Kern bleibt geschützt

Trotz des starken Ausbaus im Ausland bemüht sich Swisscom, Befürchtungen vor einem Abbau in der Schweiz rasch zu zerstreuen. Das Unternehmen betont, dass die Schweiz weiterhin der «zentrale Standort» seiner Geschäftstätigkeit bleibe. Um die Mitarbeitenden in der Schweiz zu beruhigen, erklärte ein Sprecher, die Zahl der Mitarbeitenden im Ausland mache nur einen «kleinen Teil» der gesamten Belegschaft aus. Dieses Verhältnis werde mittelfristig stabil bleiben.

Der Abbau von Stellen in der Schweiz soll besonders sozialverträglich erfolgen. Swisscom will ihre Umbauziele «wo immer möglich» durch «natürliche Fluktuation» erreichen, etwa durch Pensionierungen und freiwillige Austritte. So sollen Massenentlassungen vermieden werden. Für 2025 prognostiziert das Unternehmen, dass die Zahl der Stellen in der Schweiz «praktisch stabil» bleiben wird. Damit soll die Arbeitsmoral aufrechterhalten werden, während sich das Unternehmen grundlegend wandelt. Die Botschaft ist klar: Die Ausläufer reichen über ganz Europa, doch das Herz schlägt in Bern.