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Swiss Observer

Swisscoms Gewinn sinkt nach Übernahme von Vodafone Italia um 17,6 Prozent

Der Reingewinn von Swisscom sank deutlich. Gründe dafür waren die Integrationskosten im Zusammenhang mit der Übernahme von Vodafone Italia für 8 Milliarden Euro, der Rückgang im Kerngeschäft Telekommunikation und der starke Schweizer Franken.

Swisscoms Gewinn sinkt nach Übernahme von Vodafone Italia um 17,6 Prozent
AISWI swissinfo.ch

Ein drastischer Rückgang des Reingewinns um 17,6 Prozent hat Swisscoms Jahresabschluss erschüttert. Der Gewinn sank auf 1,27 Milliarden Franken. Das ist keine leichte Marktkorrektur, sondern der unmittelbare, hohe Preis für grosse Ambitionen. Der Telekommunikationskonzern kämpft derzeit mit der enormen finanziellen Belastung durch die Übernahme von Vodafone Italia für 8 Milliarden Euro, der grössten Übernahme in der Unternehmensgeschichte. Die strategische Idee, durch die Expansion nach Italien langfristig eine führende Position zu erreichen, steht der unmittelbaren Realität einer Bilanz gegenüber, die durch Integrationskosten stark belastet wird.

Swisscom zahlt den Preis für die Expansion jetzt. Die schiere Grösse der Integration des italienischen Geschäfts hat das Ergebnis deutlich nach unten gedrückt und zeigt, dass der Aufbau eines grenzüberschreitenden Unternehmensimperiums mit hohen Anfangskosten verbunden ist. Analysten hatten mit den Folgen gerechnet, doch der zweistellige prozentuale Rückgang zeigt, wie ressourcenintensiv diese Fusion geworden ist. Swisscom ist nicht mehr nur ein Schweizer Versorger, sondern ein multinationaler Betreiber, der sich mit der schwierigen und kostspieligen Realität auseinandersetzen muss, zwei riesige Unternehmensinfrastrukturen zusammenzuführen.

Währungsgegenwind und Rückgang im Kerngeschäft

Neben den Übernahmekosten kämpft Swisscom an zwei weiteren Fronten: mit einem unaufhaltsam starken Schweizer Franken und einem schrumpfenden Kerngeschäft. Der Umsatz sank um 2 Prozent auf 15,05 Milliarden Franken. Hauptgrund dafür war der schwächere Euro gegenüber dem Franken. Für ein Unternehmen, das durch seine Aktivitäten in Italien nun stark in der Eurozone engagiert ist, bremst der Wechselkurs das Umsatzwachstum erheblich. Ohne die Währungseffekte wäre der Rückgang mit 1,3 Prozent moderater ausgefallen, doch die ausgewiesenen Zahlen bleiben ernüchternd.

Gleichzeitig sank der Betriebsgewinn vor Abschreibungen und Amortisationen (EBITDAaL) auf 4,98 Milliarden Franken. Der Rückgang um 1,2 Prozent auf Pro-forma-Basis macht einen besorgniserregenden Trend sichtbar: Das traditionelle Telekomgeschäft schrumpft. Der Markt ist gesättigt, der Wettbewerb intensiv, und das angestammte Geschäft verliert allmählich an Wert. Swisscom bewältigt nicht nur eine Übernahme, sondern versucht, ein grosses Schiff zu wenden, während der Markt im Heimatland zunehmend an Dynamik verliert. Der starke Franken, normalerweise ein Symbol für Schweizer Stabilität, wirkt derzeit als Gegenwind und schmälert den Wert jedes Euro, den das Unternehmen jenseits der Grenze verdient.

Aktionäre profitieren trotz Gewinnrückgang

Trotz der düsteren Schlagzeilen zum Gewinn hat Swisscom ihren Investorinnen und Investoren eine beachtliche Ausschüttung in Aussicht gestellt. Das Unternehmen kündigte eine Erhöhung der Dividende von 22 auf 26 Franken pro Aktie an. Damit steigt die Dividende erstmals seit 2010, nach fünfzehn Jahren ohne Erhöhung. Während der Reingewinn des Unternehmens stark zurückging, nahm das Bekenntnis zu Ausschüttungen an die Aktionäre paradoxerweise zu. Das signalisiert grosses Vertrauen in den Cashflow und die künftige Stabilität.

Der Hauptprofiteur dieser grosszügigen Ausschüttung ist die Schweizer Öffentlichkeit selbst. Als Mehrheitsaktionärin erhält die Schweizerische Eidgenossenschaft mehr als die Hälfte der erhöhten Ausschüttung. So fliessen Millionen direkt in die Bundeskasse. Dieser strategische Schritt dürfte dazu dienen, Stakeholder zu beruhigen, die wegen des Italien-Abenteuers besorgt sind. Indem Swisscom die Ausschüttung jetzt erhöht, verschafft sie sich bei den Investorinnen und Investoren gewissermassen einen Vertrauensvorschuss und versichert ihnen, dass die Integration von Vodafone Italia ihre jährlichen Erträge nicht beeinträchtigen wird. Das ist ein eindrücklicher Beweis finanzieller Stärke und zeigt, dass das Unternehmen trotz der bilanziellen Verluste weiterhin erhebliche Mittel erwirtschaftet.

Ausblick 2026: Den Konzern stabilisieren

Für die Zukunft setzt sich Swisscom ehrgeizige Ziele, um das Unternehmen zu stabilisieren. Für 2026 strebt der Telekomkonzern einen Umsatz zwischen 14,7 und 14,9 Milliarden Franken sowie einen Betriebsgewinn von 5,0 bis 5,1 Milliarden Franken an. Diese Zahlen deuten auf ein Jahr der Konsolidierung statt auf explosives Wachstum hin, während das Unternehmen die umfangreiche Übernahme in Italien verarbeitet. Der Schwerpunkt verlagert sich von Übernahmen auf Optimierungen. Geplant sind Investitionen von bis zu 3,1 Milliarden Franken, um die Infrastruktur zu modernisieren und den Betrieb effizienter zu gestalten.

Die Botschaft an den Markt ist klar: Werden diese Ziele erreicht, sollen die Ausschüttungen weiter steigen. Swisscom hat eine weitere Erhöhung der Dividende auf 27 Franken pro Aktie in Aussicht gestellt, sofern die Ziele für 2026 erreicht werden. Damit steht im kommenden Jahr viel auf dem Spiel. Das Management steht unter grossem Druck, zu beweisen, dass die Integration von Vodafone Italia reibungslos umgesetzt werden kann und die versprochenen Synergien in der Bilanz sichtbar werden. Die Zeit statischer Verlässlichkeit ist vorbei. Swisscom ist in eine volatile, dynamische Phase eingetreten, in der die Umsetzung entscheidend ist.