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Swiss Observer

Schweizer Uhrenindustrie unter Druck: Gewinneinbruch bei Swatch und rückläufige Exporte

Eine Analyse der erheblichen Gegenwinde, denen die traditionsreiche Schweizer Uhrenindustrie ausgesetzt ist: Die Swatch Group meldet einen massiven Gewinneinbruch, während die Schweizer Uhrenexporte insgesamt weiter zurückgehen, insbesondere in wichtigen asiatischen Märkten.

Schweizer Uhrenindustrie unter Druck: Gewinneinbruch bei Swatch und rückläufige Exporte
AISWI swissinfo.ch

Ein finanzielles Beben hat Biel erschüttert und die Swatch Group in eine schwere Krise gestürzt. In einer überraschenden Mitteilung, die die Branche aufgerüttelt hat, meldete der Uhrenriese für 2025 einen Reingewinn von gerade einmal CHF 25 Millionen, ein drastischer Einbruch von 89% gegenüber den CHF 219 Millionen im Vorjahr. Das ist nicht bloss ein Rückgang, sondern kommt einer fast vollständigen Auslöschung des Gewinns gleich.

Die Zahlen zeichnen das düstere Bild eines bedrängten Branchenriesen. Der Umsatz brach um 5,9% auf CHF 6,28 Milliarden ein, während die operative Marge auf hauchdünne 2,1% sank. Analystinnen und Analysten, die bereits mit schlechten Nachrichten gerechnet hatten, wurden vom Ausmass des Rückgangs überrascht. Sie hatten einen Gewinn von rund CHF 127 Millionen erwartet. Stattdessen verfehlte die Swatch Group die Erwartungen deutlich und legte Ergebnisse vor, die zeigen, wie fragil der Luxusmarkt derzeit ist.

Der grosse Rückzug aus Asien: Der chinesische Markt bricht ein

Der Drache brüllt für die Schweizer Uhrenhersteller nicht mehr. Hauptgrund für den finanziellen Einbruch ist der beispiellose Absturz auf dem asiatischen Markt, insbesondere in China und Hongkong. China, einst der unersättliche Wachstumsmotor der gesamten Branche, ist zu einer schweren Belastung geworden und zieht die Exportzahlen mit in die Tiefe.

Die Daten sind alarmierend: Die Exporte nach China sind allein in den vergangenen zwei Jahren um mehr als ein Drittel eingebrochen. Der Rückgang setzte sich bis Ende 2025 fort: Im Dezember sanken die Exporte auf das chinesische Festland um weitere 6,8% und in Hongkong um 8,0%. Das ist ein struktureller Wandel und kein vorübergehender Einbruch. Der Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie (FH) bezeichnete China ausdrücklich als «Sorgenkind». Das signalisiert, dass die Zeiten des einfachen Wachstums im Osten faktisch vorbei sind. Für die Swatch Group, die stark in diesen Märkten engagiert ist, hat sich der Rückzug der chinesischen Konsumentinnen und Konsumenten als verheerend erwiesen.

Gegenwind weltweit: Starker Franken und hohe Goldpreise setzen der Branche zu

Es geht nicht nur um die Nachfrage, sondern auch um eine Kostenkrise. Die Schweizer Uhrenindustrie kämpft an zwei Fronten. Während sich die Käuferinnen und Käufer in Asien zurückziehen, verschärfen sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Inland. Die Herstellung des Labels «Swiss Made» wird von Tag zu Tag teurer, belastet durch einen anhaltend starken Schweizer Franken und Rekordpreise für Gold.

Die gesamten Schweizer Uhrenexporte gingen 2025 um 1,7% auf CHF 25,6 Milliarden zurück. Damit sanken sie das zweite Jahr in Folge, nachdem sie 2024 bereits um 2,8% zurückgegangen waren. Der Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie bezeichnete das Jahr als von «grosser Unsicherheit» geprägt. Wenn der Franken stark aufwertet, schrumpfen die Margen. Die Hersteller müssen entweder die Preise erhöhen und damit eine weitere Entfremdung der Kundschaft riskieren oder die Kosten selbst tragen, wie es die Swatch Group offenbar getan hat. Das Ergebnis sind die stark geschrumpften Margen, die sich heute zeigen.

Amerika als Rettung: Ein Aufschwung im Westen

Inmitten der düsteren Lage zeichnet sich ein Hoffnungsschimmer mit Sternenbanner ab. Während der Osten an Bedeutung verliert, kommt in den Vereinigten Staaten wieder Schwung auf. Die USA festigen damit ihre Stellung als unangefochten wichtigster Markt für Schweizer Uhren. Entgegen dem weltweiten Trend schnellten die Exporte in die USA allein im Dezember 2025 um massive 19,2% nach oben.

Diese Verlagerung nach Westen ist entscheidend. Die amerikanische Kundschaft ist derzeit die einzige Stütze, die das Dach der Schweizer Uhrenindustrie trägt. Während der Handel mit China schwindet, wächst die Abhängigkeit vom US-Markt. Der Anstieg um 19,2% ist nicht bloss eine Statistik, sondern ein Signal des Überlebens. Diese Abhängigkeit bringt jedoch eigene Risiken mit sich: Die anhaltenden Sorgen über mögliche US-Handelszölle und Zollabgaben hängen weiterhin wie eine dunkle Wolke über der Branche.

Gegen den Trend: Dividende bleibt trotz des Chaos unverändert

Trotz des finanziellen Einbruchs lässt sich die Swatch Group nicht beirren. In einem Schritt, der die Analystinnen und Analysten überraschte, kündigte der Konzern an, die Dividende bei CHF 4.50 pro Aktie zu belassen. Damit stellte er sich gegen die Erwartung, sie auf CHF 3.43 zu senken. Das ist ein mutiges, vielleicht gar dreistes Zeichen des Vertrauens oder der Verdrängung.

Die Führung der Swatch Group betont, das Schlimmste sei überstanden. Sie verweist auf eine «positive Dynamik» in der zweiten Jahreshälfte und eine Beschleunigung im Januar 2026. Für das kommende Jahr prognostiziert sie eine deutliche Verbesserung der Profitabilität und ein Mengenwachstum. Es ist ein riskantes Spiel. Die Branche setzt auf ein stabiles Jahr 2026. Doch der chinesische Markt zeigt keine Anzeichen einer raschen Erholung, und die globale Unsicherheit hält an. Damit bewegt sich die Swatch Group auf einem schmalen Grat ohne Sicherheitsnetz.