Rüstungsindustrie
Schweizer Kriegsmaterialexporte sinken 2024 um 5%
Der Jahresbericht zeigt einen Rückgang der Schweizer Kriegsmaterialexporte auf CHF 664,7 Millionen. Deutschland bleibt der grösste Abnehmer.

Die Schweizer Rüstungsindustrie tritt auf die Bremse. In einem Jahr, in dem die Schweizer Wirtschaft insgesamt Stärke zeigte, entwickelte sich der Kriegsmaterialsektor in die entgegengesetzte Richtung. Neue Daten des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) zeigen, dass die Schweizer Kriegsmaterialexporte 2024 auf CHF 664,7 Millionen (757 Millionen US-Dollar) zurückgingen. Das entspricht einem Rückgang von 5% gegenüber dem Vorjahr.
Dieser Abschwung steht in einem deutlichen und unbequemen Gegensatz zur übrigen Handelsbilanz des Landes. Während die Militärexporte rückläufig waren, stiegen die gesamten Warenausfuhren der Schweiz um 4%. Diese unterschiedliche Entwicklung macht eine wichtige Entkopplung sichtbar: Während Schweizer Pharmazeutika, Uhren und Maschinen weiterhin die Weltmärkte erobern, kämpft der Rüstungssektor mit eigenen Gegenwinden. Die Zahlen zeichnen das klare Bild einer schrumpfenden Branche, obwohl die weltweite Nachfrage nach Sicherheit ihren Höhepunkt erreicht hat.
Deutschland sichert die Auftragslage
Trotz des allgemeinen Rückgangs bleibt ein Partner unverzichtbar. Deutschland hat seine Stellung als unangefochtener Spitzenabnehmer Schweizer Rüstungsgüter gefestigt und kaufte militärische Ausrüstung im Wert von CHF 203,8 Millionen. Auf diesen einzelnen Markt entfällt fast ein Drittel aller Schweizer Kriegsmaterialexporte. Das unterstreicht die enge industrielle Verflechtung der beiden Nachbarländer.
Die Rangliste der Abnehmer zeigt eine klare Westausrichtung. Auf Deutschland folgen die Vereinigten Staaten mit CHF 76,1 Millionen, Italien mit CHF 50,6 Millionen, Schweden mit CHF 42,0 Millionen und Rumänien mit CHF 38,5 Millionen. Diese Zahlen sind mehr als blosse Buchungsposten: Sie stehen für strategische Abhängigkeiten. Das Gesamtvolumen ist zwar geschrumpft, doch der Anteil der Verkäufe an wichtige NATO- und europäische Partner bleibt beträchtlich. Das zeigt, wo Schweizer Qualität nach wie vor als unverzichtbar gilt.
Schweres Gerät: Was die Schweiz verkauft
Was verlässt genau die Schweizer Fabriken? Die Ausfuhrliste von 2024 umfasst sowohl hochpräzise Waffen als auch Komponenten für schwere Panzerfahrzeuge. Den grössten Anteil machen Munition und Munitionsbestandteile aus, die insbesondere nach Deutschland geliefert werden. Das deutet darauf hin, dass die Schweiz zwar keine ganzen Panzerflotten verschifft, aber weiterhin ein wichtiges Glied in der Lieferkette für die europäische Aufrüstung ist.
Auch der Bereich der schweren Maschinen ist weiterhin aktiv. Zu den bedeutenden Geschäften gehörten gepanzerten Fahrzeugen und deren Komponenten, die für Deutschland und Rumänien bestimmt waren. Unterdessen liefert die Luft- und Raumfahrtbranche weiterhin wichtige Komponenten für Kampfflugzeuge in die Vereinigten Staaten, und italienische Streitkräfte erhalten in der Schweiz hergestellte Geschützkomponenten. Diese vielfältige Produktpalette zeigt, dass Schweizer Ingenieurskunst weiterhin in einige der fortschrittlichsten militärischen Plattformen der Welt eingebunden ist, obwohl die Gesamtvolumen zurückgehen.
Globale Reichweite in einem veränderten Umfeld
Die Schweiz bewegt sich auf einem schmalen Grat zwischen Neutralität und Handel. Trotz des Wert-Rückgangs von 5% reicht die Schweizer Rüstungsindustrie weit: Die Ausfuhr von Ausrüstung in 60 verschiedene Länder wurde bewilligt. Diese globale Präsenz zeigt, dass das Label «Swiss Made» in Verteidigungsministerien von Stockholm bis Bukarest weiterhin hohes Ansehen geniesst.
Die Branche steht jedoch an einem Scheideweg. Der Rückgang der Exporte während eines weltweiten Rüstungsbooms wirft unbequeme Fragen zur Zukunft des Sektors auf. Wirkt die strikte Neutralität als Engpass, oder handelt es sich um eine vorübergehende Marktkorrektur? Während Europa in historischem Tempo aufrüstet, befindet sich der Schweizer Rüstungssektor in der paradoxen Lage, zu schrumpfen, während seine Nachbarn expandieren. Die Zahlen von 2024 sind ein Weckruf: In einer rasch militarisierenden Welt braucht es zur Sicherung von Marktanteilen mehr als Präzisionsingenieurskunst, nämlich auch politischen Handlungsspielraum.