Wirtschaft
Schweizer Handelsüberschuss mit den USA erreicht 2025 trotz Zöllen Rekordwert von 41 Milliarden CHF
Der Schweizer Handelsüberschuss mit den Vereinigten Staaten stieg 2025 auf den Rekordwert von 41,1 Milliarden CHF, angetrieben durch ein Wachstum der Schweizer Exporte um 3,9 Prozent. Die neuen Zahlen erscheinen, während die beiden Länder einen Zollstreit austragen und der ehemalige Präsident Donald Trump sich jüngst kritisch geäussert hat.

Trotz der geopolitischen Widrigkeiten und des aggressiven Protektionismus hat die Schweizer Wirtschaft einen neuen Höchststand erreicht. Der Handelsüberschuss mit den Vereinigten Staaten übertraf 2025 alle Erwartungen und stieg auf den enormen Wert von 41,1 Milliarden CHF. Damit erreichten die Handelsbeziehungen zwischen der Schweiz und den USA einen historischen Höchststand, obwohl Washington den Druck auf den Aussenhandel erhöhte.
Während die Vereinigten Staaten mit ihrer Handelsbilanz zu kämpfen haben, bewiesen Schweizer Exporteure bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit. Die Lieferungen in die USA stiegen um 3,9 Prozent auf einen Gesamtwert von 54,7 Milliarden CHF. Im deutlichen Gegensatz dazu brachen die amerikanischen Importe in die Schweiz um 5,7 Prozent ein und sanken auf nur noch 13,3 Milliarden CHF. Diese wachsende Differenz unterstreicht eine entscheidende Dynamik: Amerikanische Konsumentinnen und Konsumenten sowie Unternehmen haben unabhängig vom politischen Klima grossen Bedarf an hochwertigen Schweizer Gütern. Die Zahlen zeichnen das Bild einer unausgewogenen Beziehung, in der Schweizer Präzision auf der anderen Seite des Atlantiks weiterhin Spitzenpreise erzielt, während US-Exporteure in der Schweiz nur schwer Fuss fassen.
Pharma: der unaufhaltsame Wachstumsmotor
Es sind nicht etwa Kuckucksuhren oder Schokolade, die diesen wirtschaftlichen Höhenflug antreiben. Die eigentliche Kraft hinter diesen Zahlen ist der riesige Schweizer Pharma- und Chemiesektor. 2025 entfielen allein auf diese Branche 53 Prozent aller Schweizer Exporte. Ihr Gesamtwert stieg um 3,3 Milliarden CHF auf 152 Milliarden CHF. Während Donald Trump sich auf Uhren fixiert, sieht die Realität so aus, dass das amerikanische Gesundheitswesen stark auf Schweizer Innovationen angewiesen ist.
Der Erfolg betrifft jedoch nicht alle Branchen gleichermassen. Während die Pharmaindustrie boomt, geraten traditionelle Industriezweige unter Druck. Die Exporte von Maschinen, Elektronik und der weltberühmten Schweizer Uhrenindustrie gingen zurück. Das zeigt die gefährliche Abhängigkeit von einem einzelnen Sektor. Das enorme Volumen hochwertiger Chemieexporte reichte jedoch aus, um diese Verluste auszugleichen und den Gesamtüberschuss auf einen Rekordwert zu treiben. Diese unterschiedlichen Entwicklungen in den Branchen machen eine Schwachstelle der Schweizer Wirtschaft sichtbar: Wir bleiben zwar die Apotheke der Welt, doch unsere industrielle Basis steht vor Herausforderungen, die nicht ignoriert werden können.
Trumps Tirade gegen die Zölle
Der Rekordüberschuss hat die Schweiz direkt ins Visier von Donald Trump gerückt. In einer ausschweifenden und kämpferischen Rede am Weltwirtschaftsforum in Davos teilte der ehemalige Präsident gegen Bern aus und erklärte: «Sie sind nur wegen uns gut.» Trumps Rhetorik hatte konkrete Strafmassnahmen zur Folge: Er räumte ein, die Zölle auf schmerzhafte 39 Prozent erhöht zu haben, nur weil ihm die ehemalige Schweizer Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter bei den Verhandlungen «gegen den Strich ging».
«Sie hat sich ständig wiederholt», beklagte sich Trump und schilderte, wie er sich geweigert habe, die geringe Grösse der Schweiz als Erklärung für das Handelsungleichgewicht gelten zu lassen. «Ich sagte: Ja, aber ihr habt ein grosses, grosses Defizit.» Diese persönliche Abneigung hatte reale Folgen. Zwar liegt inzwischen eine Rahmenvereinbarung vor, um die Zölle wieder auf 15 Prozent zu senken, doch die Zeit drängt. Bis zum 31. März muss ein rechtsverbindliches Abkommen unterzeichnet werden. Damit bewegen sich die Schweizer Verhandlerinnen und Verhandler auf einem schmalen Grat. Die Botschaft aus Washington ist klar: Der Schweizer Wohlstand wird nicht als Ergebnis von Innovation betrachtet, sondern als Folge amerikanischer «Grosszügigkeit», die jederzeit widerrufen werden kann.
Der Realitätscheck beim Dienstleistungshandel
Trumps Fixierung auf den Warenhandelsüberschuss von 41,1 Milliarden CHF erzählt nur die halbe Geschichte, eine bequeme Auslassung für seine protektionistische Erzählung. Bezieht man auch Dienstleistungen ein, verändert sich das Bild deutlich. Die Vereinigten Staaten dominieren den Dienstleistungshandel: 2024 exportierten sie schätzungsweise Dienstleistungen im Wert von 65 Milliarden Dollar in die Schweiz, während in die Gegenrichtung nur Dienstleistungen im Wert von 35 Milliarden Dollar flossen.
Rechnet man diese Zahlen zusammen, schmilzt das massive amerikanische Defizit auf gerade einmal 8 Milliarden Dollar. Dieser Realitätscheck ist entscheidend. Während Schweizer Hersteller die Regale in den USA mit greifbaren Waren füllen, stellen US-Unternehmen Schweizer Kundinnen und Kunden im Stillen Milliarden für Software, Finanzdienstleistungen und geistiges Eigentum in Rechnung. Trumps Behauptung, die Schweiz «verdiene 41 Milliarden Dollar nur mit uns», ignoriert die enormen Einnahmen, die an US-Technologiekonzerne und Dienstleistungsanbieter zurückfliessen. Diese selektive Verwendung von Daten schürt politische Spannungen, bildet die komplexe, wechselseitige wirtschaftliche Realität zwischen den beiden Ländern aber nicht ab.
Globale Verschiebungen und künftige Risiken
Auch jenseits des US-Streits verändert sich die globale Handelsposition der Schweiz. Während die Exporte in die USA und die europäischen Märkte, insbesondere Deutschland, Österreich und Italien, wuchsen, kühlte sich die Nachfrage in Asien ab. Die Exporte nach China, Japan und Hongkong gingen zurück und signalisieren eine Abwendung vom Osten. In der Folge sank der globale Schweizer Handelsüberschuss von den 2024 erreichten 60,6 Milliarden CHF auf 54,3 Milliarden CHF.
Dieser Rückgang und die schwankenden Beziehungen zu den USA sind eine deutliche Warnung. Die Schweiz kann sich nicht auf den Rekordwert der diesjährigen Exporte in die USA verlassen. Angesichts der Frist bis zum 31. März für das Abkommen zur Zollsenkung und eines unberechenbaren Partners im Weissen Haus steht dem Alpenland ein schwieriges Jahr bevor. Die Strategie, sich auf hochwertige Pharmaexporte in den Westen zu stützen, zahlt sich vorerst aus. In einer Welt voller Handelskriege und wechselnder Allianzen ist Diversifizierung jedoch nicht bloss eine Option, sondern eine Überlebensnotwendigkeit.