Wirtschaft
Handelsbeziehungen zwischen der Schweiz und den USA erwärmen sich: Status «ganz vorne in der Schlange»
Die Schweiz ist nach erfolgreichen Verhandlungen in Genf für ein präferenzielles Handelsabkommen mit den USA gut positioniert.

Die Schweiz hat sich praktisch vorgedrängt. In einer verblüffenden Erklärung aus Genf bestätigte Washington, dass die Schweizerische Eidgenossenschaft nun eindeutig «ganz vorne in der Schlange» für ein präferenzielles Handelsabkommen steht und die Europäische Union weit hinter sich lässt. Während Brüssel mit schleppenden Verhandlungen ringt, hat Bern einen entscheidenden Vorteil errungen.
US-Finanzminister Scott Bessent nahm kein Blatt vor den Mund und erklärte unmissverständlich: «Grossbritannien und die Schweiz standen bei einem Handelsabkommen ganz vorne in der Schlange ... während die EU deutlich langsamer war.» Das ist nicht bloss eine diplomatische Höflichkeit, sondern eine geopolitische Neuausrichtung. Nach dem erfolgreichen Abkommen, das London erst am vergangenen Donnerstag abgeschlossen hat, dürfte die Schweiz der nächste Dominostein sein, der in einer raschen Folge von US-Wirtschaftserfolgen fällt. Die Botschaft ist klar: Beweglichkeit schlägt Bürokratie. Während die EU berät, handelt die Schweiz und sichert sich einen privilegierten Status, der ihre Unabhängigkeit und wirtschaftliche Souveränität unterstreicht.
Milliardeneinsatz: Der Investitionsschub
Die Zahlen sind schlichtweg atemberaubend. Washington wirbt nicht nur aus Wohlwollen um die Schweiz, sondern hofft auf einen massiven Kapitalzufluss. Minister Bessent stellte potenzielle neue Schweizer Investitionen in den Vereinigten Staaten in Höhe von insgesamt fast 150 bis 200 Milliarden Dollar in Aussicht. Für ein Land mit gerade einmal neun Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern ist das ein gewaltiger wirtschaftlicher Einfluss.
«Das ist für eine Volkswirtschaft mit neun Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern unglaublich», rief Bessent aus und hob hervor, dass die Schweiz in einer Gewichtsklasse spielt, in der nur wenige Länder mithalten können. Die USA streben entschlossen eine Reindustrialisierung an und haben die Schweiz nicht nur als Geldgeberin, sondern auch als Vorbild erkannt. Washington möchte ausdrücklich Schweizer Berufsbildungsprogramme übernehmen und räumt ein, dass die Vereinigten Staaten, wenn es um Exzellenz in der Berufsbildung geht, «viel von der Schweiz lernen können». Bei diesem Abkommen geht es nicht mehr nur um Zölle, sondern um eine grundlegende Neugestaltung der amerikanischen Industrie nach Schweizer Vorbild.
Der Genfer Vorteil: Soft Power zahlt sich aus
Die Macht der Schweizer Gastfreundschaft sollte man nie unterschätzen. Der Durchbruch in den Beziehungen zwischen den USA und der Schweiz hängt eng damit zusammen, dass Bern am vergangenen Wochenende erfolgreich Gespräche auf höchster Ebene zwischen den USA und China ermöglicht hat. Die «luxuriöse Villa» von Botschafter Jürg Lauber in Cologny bildete den Rahmen für logistische Vorkehrungen, die US-Beamte als «unglaublich einfach» bezeichneten. Sie ebneten den Weg für schwierige politische Gespräche.
Der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer schrieb die beeindruckende Aussicht auf den Genfersee und die ruhige Atmosphäre dem Aufbau persönlicher Beziehungen zwischen den amerikanischen und chinesischen Gesprächspartnern zu. Das ist klassische Schweizer Diplomatie, die sich in harte Wirtschaftswährung verwandelt. Indem die Schweiz den Grossmächten eine Bühne bot, auf der sie die Spannungen abbauen konnten, hat sie ihre Unverzichtbarkeit unter Beweis gestellt. Die «guten Dienste» haben sich ausgezahlt: Aus einem Wochenende diplomatischer Gastfreundschaft wurde ein konkreter wirtschaftlicher Schnellzugang, um den andere Länder die Schweiz nur beneiden können.
Beschleunigter Zeitplan: Tage statt Wochen
Die Zeit drängt, und sie vergeht schneller als erwartet. Während Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter vorsichtig schätzte, dass Washington innert «ein bis zwei Wochen» eine Absichtserklärung erhalten werde, verlangen die Amerikaner sofortiges Handeln. Minister Bessent hat die Herausforderung angenommen und erwartet die Erklärung bis am kommenden Sonntag.
Diese Diskrepanz zeigt, dass Washington begierig, vielleicht sogar ungeduldig ist, das Abkommen unter Dach und Fach zu bringen. Die Dynamik ist unbestreitbar. Die Schweiz arbeitet nun mit Hochdruck daran, die Unterlagen fertigzustellen und ihren Status als zweites Land nach Grossbritannien zu festigen, das diese Vorzugsbehandlung erhält. Die Dringlichkeit deutet darauf hin, dass die Partnerschaft mit der Schweiz für die Vereinigten Staaten höchste Priorität hat. Dies kündigt eine goldene Ära der Beziehungen zwischen der Schweiz und den USA an, die nicht erst in Jahren, sondern in wenigen Tagen beginnt.