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Swiss Observer

Schweizerisch-amerikanische Handelskrise: Mehrere Unternehmen stoppen wegen neuer Zölle US-Exporte

Schweizer Unternehmen stehen vor beispiellosen Herausforderungen: Neue US-Zollvorschriften und Zölle zwingen Firmen, darunter die Schweizerische Post, Sendungen in die Vereinigten Staaten auszusetzen. Dies deutet auf weiterreichende wirtschaftliche Folgen hin.

Schweizerisch-amerikanische Handelskrise: Mehrere Unternehmen stoppen wegen neuer Zölle US-Exporte
AILe News

Die globalen Handelskanäle sind abrupt und einschneidend zum Erliegen gekommen, nachdem die Schweizerische Post diesen Dienstag den Versand von Warensendungen in die Vereinigten Staaten offiziell eingestellt hat. Auslöser dieses logistischen Albtraums ist die aggressive Abschaffung der Einfuhrfreigrenze von 800 Dollar (642 CHF) durch die Biden-Regierung. Diese regulatorische Guillotine hat den Fluss kleiner Waren über den Atlantik gekappt. Bisher konnten Schweizer Unternehmen amerikanische Konsumentinnen und Konsumenten auf unkompliziertem Weg erreichen. Nun stehen sie vor einer bürokratischen Mauer.

Die Auswirkungen sind unmittelbar und schwerwiegend. Ohne die Freigrenze muss nun jedes einzelne Paket, unabhängig von seiner immer geringeren Grösse oder seinem Wert, umfassend deklariert und verzollt werden. Dadurch entsteht ein Minenfeld möglicher Haftungsrisiken, das die Schweizerische Post nach enger Absprache mit den Bundesbehörden als zu gefährlich für eine Abwicklung eingestuft hat. Dokumente und Expresssendungen können technisch gesehen weiterhin befördert werden, doch der Kern des kommerziellen Warenversands ist lahmgelegt. Das ist nicht bloss eine Verzögerung, sondern bedeutet den grundlegenden Abbau des reibungslosen Handels, auf den sich Schweizer Unternehmen verlassen haben. Sie müssen nun in einem Markt, der sich plötzlich feindselig zeigt, um ihr Überleben kämpfen.

Das Narrativ vom «Bösewicht»: Trump nimmt den Schweizer Überschuss ins Visier

Die Schweiz wurde im wirtschaftspolitischen Schauspiel von Donald Trump zur Gegenspielerin gemacht und als statistische «Bösewichtin» bezeichnet, nur weil sie einen erfolgreichen Handelsüberschuss erzielt. Der ehemalige Präsident und heutige politische Machtfaktor sieht Handelsdefizite als Ursache allen Übels in den USA, von der Verschuldung bis zur Deindustrialisierung. Sein Heilmittel ist ein grobes Instrument: Strafzölle. Diese Weltsicht hat die Schweizer Wirtschaft ins Visier gerückt und droht, eine Beziehung zu zerrütten, auf die rund 20 Prozent aller Schweizer Exporte entfallen.

Die möglichen Folgen sind beunruhigend. Wie der Historiker und Politikwissenschaftler Joseph de Weck warnt, handelt es sich nicht bloss um einen diplomatischen Streit, sondern um einen Angriff auf das Schweizer Aussenhandelsmodell selbst. Während der asiatische Markt schrumpft und die USA ihre Türen schliessen, geraten die Säulen des Schweizer Wohlstands ins Wanken. Die Erzählung aus Washington setzt wirtschaftliche Effizienz mit Diebstahl gleich und macht die Schweizer Industrie erpressbar. Die Botschaft ist klar: Die Zeit, in der man mühelos zwischen Grossmächten navigieren konnte, ist vorbei. Die Schweiz wird gezwungen, in einem Wirtschaftskrieg, den sie nicht begonnen hat, Partei zu ergreifen.

Identitätskrise: Das Scheitern des Alleingangs

Jahrzehntelang war die Schweiz stolz auf ihre Doktrin der splendid isolation und zog aus dem Zweiten Weltkrieg die Lehre, dass nationale Unabhängigkeit der sicherste Hafen sei. Diese Lehre ist nun überholt. Joseph de Weck argumentiert überzeugend, dass dieser «Alleingang» zu einem erheblichen wirtschaftlichen Nachteil geworden ist. Während die europäischen Nachbarn die EU auf der Grundlage gemeinsamer Prosperität aufbauten, hielt sich die Schweiz abseits. Heute macht diese Isolation das Land den Launen der Supermächte schutzlos ausgeliefert.

Die Verflechtung von Wirtschafts- und Sicherheitspolitik in Washington macht die Lage noch prekärer. Zugeständnisse, etwa der Kauf von amerikanischem Gas oder KI-Chips, um Trump zu besänftigen, seien laut Fachleuten ein «kurzfristiger Pakt mit dem Teufel». Solche Schritte bergen das Risiko, eine gefährliche Abhängigkeit zu verfestigen, ohne Sicherheit zu garantieren. Gibt die Schweiz jetzt nach, werden die Forderungen nur weiter zunehmen. Das Land steckt in einer tiefgreifenden Identitätskrise: Genau jene Unabhängigkeit, die einst Sicherheit gewährleistete, ist nun der Riss im Schutzschild, den die aggressive US-Handelspolitik ausnutzt.

Strategische Neuausrichtung: Europas Gebot

Der Weg nach vorn erfordert eine radikale strategische Neuausrichtung: Die Schweiz muss sich Europa zuwenden. Während der US-Markt zum Minenfeld wird und Asien schrumpft, bleibt die Europäische Union der einzige gangbare Weg zu Wachstum. Bereits heute entfallen satte 55 Prozent der Schweizer Exporte auf die EU. Fachleute verweisen auf die florierenden Volkswirtschaften Luxemburgs und Irlands, beides EU-Mitglieder, die die Schweiz übertreffen. Sie zeigten, dass Integration und nicht Isolation der Schlüssel zur Widerstandsfähigkeit in einer zersplitterten Welt sei.

Eine Kapitulation vor Washington ist eine Falle. Wie de Weck sagt: «Wenn wir nachgeben, wird Trump mehr verlangen.» Die einzige Strategie, die unter der aktuellen US-Doktrin Respekt verschafft, besteht in Stärke und gemeinsamer Verhandlungsmacht. Beides besitzt die EU, der Schweiz fehlt es derzeit. Die Neuausrichtung auf Europa ist nicht länger bloss eine Option, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Um das Zeitalter des Protektionismus zu überstehen, muss die Schweiz ihr historisches Zögern ablegen und sich dem Kontinent zuwenden, mit dem sie eine gemeinsame Zukunft hat. Andernfalls droht sie, zwischen den aufeinanderprallenden tektonischen Platten des Welthandels zermalmt zu werden.