Wirtschaft
Schweizer Gewerkschaften fordern angesichts steigender Lebenshaltungskosten 2 Prozent mehr Lohn
TravailSuisse fordert eine durchschnittliche Lohnerhöhung von 2 Prozent, um die steigenden Krankenkassenprämien und Wohnkosten auszugleichen. Der Verband verweist auf den erwarteten Anstieg der Gesundheitskosten um 4 Prozent im Jahr 2026.

TravailSuisse hat den Fehdehandschuh hingeworfen. Mit einem mutigen Schritt, der den Ton für einen umkämpften «Lohnherbst» vorgibt, fordert der Dachverband der Arbeitnehmenden in der Schweiz eine nicht verhandelbare durchschnittliche Lohnerhöhung von 2 Prozent für alle. Das ist nicht bloss eine Bitte, sondern ein kalkuliertes Ultimatum, das direkt aus Bern kommt. Die Gewerkschaft argumentiert, dass die Zeit stagnierender Löhne bei gleichzeitig stark steigenden Kosten sofort enden muss.
Die Forderung ist klar und dringlich: Die Arbeitnehmenden in der Schweiz brauchen jetzt einen finanziellen Puffer. TravailSuisse betont, dass diese Erhöhung das absolute Minimum ist, um den unerbittlichen Anstieg der Lebenshaltungskosten auszugleichen und die Lohnrückstände zu korrigieren, unter denen Arbeitnehmende in den vergangenen Jahren gelitten haben. Da die Schweizer Wirtschaft wächst, ist die Erwerbsbevölkerung laut dem Verband längst mit einer Korrektur an der Reihe. Die Botschaft an die Arbeitgeber ist unmissverständlich: Die Zeit des Sparens ist vorbei, und nun muss sich die Arbeit der Beschäftigten auszahlen.
Die Preisspirale im Gesundheitswesen
Ein drohender Anstieg der Krankenkassenprämien um 4 Prozent im Jahr 2026 könnte die Haushaltsbudgets in der ganzen Schweiz sprengen. Diese Prognose ist kein Ausreisser, sondern setzt einen drastischen Trend fort. Allein zwischen 2023 und 2025 stiegen die Prämien um beträchtliche 5,4 bis 8,1 Prozent. Familien hatten dadurch Mühe, die grundlegenden Gesundheitskosten zu decken. Der unaufhaltsame Anstieg der Gesundheitskosten wird rasch zur grössten finanziellen Belastung für die Schweizer Bevölkerung.
Die Auswirkungen sind unmittelbar spürbar. Für Personen mit einem durchschnittlichen Einkommen bedeutet die kumulierte Wirkung dieser Prämienerhöhungen von 2023 bis 2026 eine drastische jährliche Senkung des Realeinkommens um 0,5 Prozent. Während die Löhne stagniert haben, sind die obligatorischen Kosten dafür, gesund zu bleiben, stark gestiegen. Die Forderung von TravailSuisse ist eine direkte Reaktion auf diese Krise. Die Lohnerhöhung wird dabei nicht als Luxus, sondern als notwendige Massnahme zum Schutz vor einem Gesundheitssystem dargestellt, das für die Arbeitnehmenden zunehmend unerschwinglich wird.
Produktivität und Löhne
Während die Arbeitnehmenden mit ihren Rechnungen kämpfen, floriert die Schweizer Unternehmenswelt. TravailSuisse argumentiert, dass Unternehmen pro Arbeitsstunde deutlich mehr verdienen als in früheren Jahren, dieser Produktivitätsschub aber nicht bei den Beschäftigten ankommt. Der Verband hält ausdrücklich fest: Eine höhere Produktivität schafft Spielraum für Lohnerhöhungen. Damit stellt er die Behauptung infrage, Unternehmen könnten sich höhere Löhne nicht leisten.
Diese Diskrepanz zwischen der stark steigenden Unternehmensleistung und der stagnierenden Entlöhnung der Beschäftigten bildet den Konfliktpunkt der bevorstehenden Verhandlungen. Laut dem Verband ist der «Kuchen» grösser geworden, doch das Stück für die Arbeitnehmenden ist frustrierend klein geblieben. Mit dem Verweis auf die Produktivität entkräftet TravailSuisse die Ausrede einer wirtschaftlichen Schwäche. Wenn Unternehmen pro Arbeitsstunde mehr Wertschöpfung erzielen, fordert die Belegschaft, die diese Effizienz ermöglicht, ihren Anteil. Die Forderung nach 2 Prozent wird als rechtmässiger Anteil am Wohlstand dargestellt, den die Schweizer Arbeit geleistet hat.
Die Kaufkraftkrise
Die gleichzeitig steigenden Mieten und explodierenden Krankenkassenprämien haben für die Schweizer Mittelschicht eine perfekte Sturmkonstellation geschaffen. Es ist eine Kaufkraftkrise, die den Lebensstandard in einem der reichsten Länder der Welt bedroht. Die Forderung nach 2 Prozent mehr Lohn ist ein verzweifelter Versuch, den Verlust aufzuhalten. Ohne diese Anpassung wird die Kaufkraft eines Schweizer Lohns weiter sinken, aufgezehrt von unvermeidbaren Fixkosten.
TravailSuisse warnt, dass es langfristige Folgen haben wird, wenn dieses Ungleichgewicht nicht angegangen wird. Eine Erwerbsbevölkerung mit sinkender Kaufkraft gibt weniger aus und könnte damit gerade jene Wirtschaft abkühlen, die derzeit wächst. Je näher der «Lohnherbst» rückt, desto höher ist der Einsatz. Es geht längst nicht mehr nur um Zahlen auf der Lohnabrechnung, sondern um den Erhalt des Gesellschaftsvertrags in der Schweiz. Die Forderung liegt auf dem Tisch, und die Gewerkschaften sind bereit, dafür zu kämpfen, dass die steigende Flut tatsächlich alle Boote hebt und nicht nur die Konzernjachten.